Kommt eine erneute Amtszeit der „Gottkanzlerin“? Warum die Corona-Krise die großen Parteien stärkt

Ein Gastbeitrag von Klaus Kelle

“Das Deutschland von heute wird weit unter Wert regiert”, behauptet Jürgen Todenhöfer und ich stimme ihm ebenso wie Millionen Bürger zu. Todenhöfer fordert uns auf zu einem “Aufstand der Anständigen gegen die Unanständigen”.

Der heute 80-Jährige in alten Zeiten

Es ist nicht das erste Mal, dass in Deutschland zu einem Aufstand der Anständigen aufgerufen wird. Todenhöfer schreibt: “Wir brauchen menschliche, ehrliche und unabhängige Politiker. Politiker, die zuerst dem Volk dienen und nicht sich selbst.” Und auch damit hat er recht, doch die Frage, die sich aufdrängt: Woher nehmen wir die denn, diese ehrlichen und anständigen Politiker, die nur unserem Land und seinen Bürgern verpflichtet sind? Und die jeden Morgen mit dem Gedanken aufstehen: Was kann ich heute für Deutschland tun? Natürlich gibt es solche, ich kenne einige persönlich und würde für sie die Hand ins Feuer legen. Aber mir scheint nach 35 Jahren Journalistenleben, dass eine Mehrheit in den Parlamenten der Mutter aller Politikerfragen folgt: Was wird aus mir?

Der Wunsch, eine neue Partei zu gründen, die so ganz anders ist als die anderen, ist weit verbreitet in unserem Land. Es gibt jede Woche ernsthafte Menschen, die mich und mein Team fragen, ob wir uns mit unseren Netzwerken wie der Schwarmintelligenz an so etwas beteiligen wollen. Und jedesmal sage ich, dass es aus meiner Sicht nicht möglich ist, weil die ehrlichen und anständigen Politiker, diejenigen, die unserem Land dienen wollen, die die Fähigkeit zu reden besitzen, eine durch und durch weiße Weste und Anführerqualitäten haben, eben nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind. Weil es das Geld nicht gibt, das man dafür braucht, weil die Zeit bis zur Bundestagswahl nicht ausreichen würde, um tragfähige Strukturen aufzubauen. Weil der mediale Mainstream aus allen Rohren feuern würde, um jeden Ansatz einer bürgerlichen Wahlalternative, nennen wir das mal so, zu eliminieren.

In den 70 Jahren Bundesrepublik Deutschland haben es ganze zwei Parteien geschafft, sich zu etablieren, Dutzende sind gescheitert. Nur die Grünen und die AfD hatten Erfolg beim Wähler und letztere sind noch lange nicht durch, denn anders als die Grünen damals überlegte man bei den Blauen noch, ob man ernsthafte Politik oder Totalopposition mit starken Sprüchen im Bierkeller machen will. Wohlgemerkt, es gibt auch viele gute Politiker dort, die etwas für ihr Land tun wollen, aber der rechte Narrensaum hat auch heute noch das Zeug dazu, die AfD komplett kaputtzumachen.

Als vor einigen Monaten der Arzt Dr. Bodo Schiffmann von der Schwindelambulanz in Sinsheim, der uns in den ersten Corona-Wochen mit seinen Videos so viel Freude bereitet hat, ankündigte, er werde nun eine Partei gründen, war klar: Das war es jetzt. Ich habe damals darüber geschrieben. Er hatte von Anfang an keine Chance, und auch wenn er sich vielleicht jetzt noch am Jubel auf “Querdenker”-Demos erquickt: auch eine Querdenker-Partei hat nicht den Hauch einer Chance, die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken. Jetzt in Corona-Zeiten wird es keine erfolgreiche Neugründung geben, darauf nehme ich Wetten an. In der Krise versammelt sich die Mehrheit hinter den etablierten Anführern. Schauen Sie auf die Umfragen, sogar eine Koalition aus Union und SPD ist erneut möglich, ja – das Grauen schlechthin – eine erneute Amtszeit der Gottkanzlerin.

Eine neue Partei zwischen Union und AfD, bürgerlich, konservativ-liberal, marktwirtschaftlich, die für Rechtsstaat und Demokratie steht und dann auch noch Erfolg in der Wahlarena hat, ist nicht aus dem Stand aufzustellen. Auch nicht von einem schillernden 80-Jährigen.

Aber es ist grundsätzlich auch nicht unmöglich, wenn man es durchdacht und Schritt für Schritt in Angriff nimmt.


Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder – nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Klaus Kelle , Jahrgang 1959, gehört laut Focus-Online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs. Dieser Beitrag ist auch auf seinem Blog „Denken erwünscht“ erschienen.
 

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Big Fritz
3 Monate zuvor

@ Bengt  Genau das ist Ihr Problem. Sie scheinen nicht in der Lage zwischen natürlichem Recht und StGB zu unterscheiden. Das sogenannte „Recht“ muß in der Natur des Menschen selbst begründet sein und kann und darf sich NICHT gegen die Menschen selbst wenden. Tue nichts was einen anderen Menschen Schaden zufügt.

Alles was Merkel tut, schadet den Menschen . Aber sicher brauchen Blinde auch hier wieder einen Beweis.

Fritz Wunderlich
3 Monate zuvor

Der Jim Jones der Deuschen ist es gelungen, alle kanzlerfähigen Menschen aus der CDU zu vertreiben und nun ist nur mehr eine Kabaretttruppe über, die sich von Merkels Gnaden blamieren darf.  Der Rattenfänger von Hameln war ein Dilletant gegen diese Intrigantin.

Karin
Antwort an  Fritz Wunderlich
3 Monate zuvor

 

„Neue Partei gründen ……  Amtszeit des Kanzhlers begrenzen …..Direktwahlen ….. Parteilisten der Abgeordneten abschaffen….. Das würde frischen Wind in unsere eingeschlafene Demokratie bringen.  “

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Sie denken zu klein, zu lokal, blenden aus, dass die Politik-Darsteller nicht die sind, die den Planeten steuern.

Versetzen wir uns doch mal in die Lage der paar Hundert Familien, von denen nichts bekannt ist, kaum, wo sie wohnen und wie sie leben. :

Was würden Sie denn tun, wenn Sie sehen und überblicken würden, wohin „ihr“ Planet dank seiner demnächst 10 Milliarden Menschen (wenn „sie“ die denn als Menschen ansehen) geht? Wo doch lediglich ein paar Millionen zur Unterstützung der neuesten Technologien dienen und Ihren Lebensstandard sichern können? Erstmalig in der Geschichte wird die Technologie dazu imstande sein.

Die restlichen 9,xx Milliarden müssen irgendwie klein gehalten werden, beherrschbar sein und sich selbst „gesundschrumpfen“, sonst wird es dunkel für Sie.

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Wir stehen an der Schwelle einer Zeit, in der nicht  immer mehr Wachstum nötig ist, nicht mehr die „Futter-, Luxus-, Aufstiegs-Möhre“ den  Mittelschichten hingehalten werden muss, um  das gute Leben  für sich und seinesgleichen der Ober-Top-Elite zu sichern. (vermutlich können wir uns noch nicht einmal vorstellen, was das ist: ein gutes Leben auf dieser Ebene).

Das Fazit der diesen Leuten zugehörigen Denkfabriken wird gewesen sein: weg mit den Milliarden  unnützen Essern und Ressourcenverbrauchern.

Vor Jahrhunderten begann es, die Hände der Arbeitenden durch Maschinen zu ersetzen, dann die Köpfe durch Computer und nun wird  dank KI der ganze Mensch überflüssig.

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Irgendwie ist das zu verstehen. Es geht um „Die oder Wir“ (wir = die Globalherrschenden).

Schon mal Monopoly- oder ein anderes Strategiespiel gespielt? Da geht es auch nicht darum, allen nun mal dasitzenden Spielern Spaß zu verschaffen und sie im Spiel zu halten.

 

 

 

 

Hansgeorg Voigt
3 Monate zuvor

Schon zu Beginn des Jahres habe ich mit einem befreundeten Politologen, der einige grüne Politiker kennt und mit einem WDR Journalisten liiert ist um eine Flache Champagner gewettet, das Angela es noch mal macht. Ich werde die Flasche wohl gewinnen. Solange sich die Sozialisten und NGOs an der AfD und den Nazis abarbeiten und jeden zu einem Rechten machen, werden die Menschen nicht nachdenken und in Angela das kleinere Übel sehen. Erst wenn die politische Diskussion in Gesellschaft und Presse wieder offen geführt wird, schwinden meine Aktien.

Rilley
3 Monate zuvor

„Nur die Grünen und die AfD hatten Erfolg beim Wähler und letztere sind noch lange nicht durch, denn anders als die Grünen damals überlegte man bei den Blauen noch, ob man ernsthafte Politik oder Totalopposition mit starken Sprüchen im Bierkeller machen will.“

Was spricht gegen „Totalopposition“? Eine total falsche Politik braucht eben eine Totalopposition. Das ist eben der Grund, warum dieses Land in den letzten Jahren so weit nach links rutschen konnte. Weil seitens der CDU, selbst als sie ihr Vorsitzender noch nicht Merkel hieß, der Linken nie entschiedenen Widerstand entgegenbracht wurde.

Es war gerade das Problem der AfD, dass es ihr an Totalopposition in den letzten 2 Jahren fehlte. Die AfD betrieb einen Kuschelkurs  gegenüber dem Establishment – ganz besonders im Westen – natürlich ohne die geringsten Erfolge. Die AfD und ihr ganzes Unterstützerumfeld wurden nur immer fanatischer bekämpft. Gleichzeitig verlor die AfD an öffentlicher Aufmerksamkeit und Reichweite für ihre ohnehin immer Mainstream angepassteren  Positionen – wodurch die linke Diskurshoheit wieder stärker wurde.

 

 

 

Miriam
3 Monate zuvor

Ne, jetzt hab ich Quatsch geschrieben. Er verließ die Partei zwar nicht indem er sein Parteibuch abgab, aber ideologisch war er bereits 1990 „ausgetreten“.

Miriam
3 Monate zuvor

Herr Kelle, ich hatte Sie für informierter gehalten. Todenhöfer verließ die CDU bereits 1990, und die politischen Einstellungen haben sich um 180Grad gedreht. Sein Fable für Terroristen und Hass auf westliche Politik wurde hier ja bereits erwähnt. “Aufstand der Anständigen gegen die Unanständigen”. Wer glauben Sie, sind bei Toderhöfer die „Anständigen“ und die „Unanständigen“? Er kann gerne eine Partei gründen, aber dann bitte in irgendwelchen islamischen Ländern.

Albert Pelka
3 Monate zuvor

Stimmt es also doch: Verbrecher können von den Orten ihrer Verbrechen einfach nicht lassen!

Was will die denn noch, ist doch fast kein GG-Artikel mehr übrig, den sie noch nicht gebrochen  hätte.

Allein für die 100erte Milliarden, die sie durch ihren Atomausstiegs-Verfassungsbruch (eigentlich sogar mehrere Verfassungsbrüche und in fortgesetzter Staatsstreich-Übergriffigkeit, wie das Verfassungsgericht gerade erst urteilte) mutwillig in den Sand gesetzt hat , sollte diese Rechtsbrecherin im  Steinbruch malochend für jeden einzelnen Cent Entschädigung leisten müssen.

 

Karlo
Antwort an  Albert Pelka
3 Monate zuvor

@Pelka: haben sie aktenzeichen oder unterlagen, weitere infos?

SEHR interressant das bengt sich immer genau dann meldet wenn es um rechtsbrüche atomarer angelegenheiten geht. Wespennest? Euratom? Besatzungsrechtliche ein- oder mitspracherechte nicht eingeholt?

Heike Werner
3 Monate zuvor

Gottkanzlerin? Ausgeburt der Hölle!

Hildegard Hardt
3 Monate zuvor

Wenn sich die Fragestellung im Titel bewahrheiten sollte, dann möge sich Gott unseres armen Volkes erbarmen! Mehr kann ich dazu nicht sagen.

AW
3 Monate zuvor

Als die angeblich studierte Atomphysikerin (Greifswald als einzig verfügbares praktisches Objekt) mal so eben nach einem Tsunami in Japan (Fukushima) beschloss, die BRD steigt aus der Atomkraft aus, dachte ich „Hallo? Will sie die Grünen links überholen?“. Sie wollte und machte seitdem aus der CDU – wie wir sie kannten – einen Rückgratarmen Wählverein. Alle Widersprechenden wurden weggebissen. Und nun stehen wir da, ohne politische Mitte.

Das war absehbar und seit 2011 gehöre ich zu den Merkel-Skeptikern. Inzwischen auch -Leugner: diese Frau kann darf es gar nicht geben!