Kubicki fordert Söders Rücktritt Absichtlich falsche Zahlen? Bayerns Ministerpräsident stigmatisiert Ungeimpfte

Von Alexander Wallasch

In einer Zeit vor der schlechten Zeit sind Politiker schon wegen viel weniger und freiwillig gegangen. Aber einer wie Markus Söder (CSU) verbeißt sich lieber in seiner bayrischen Regierungsbank oder probiert sich in gut Wetter mit dem tumben Volk, reitschuster.de hatte berichtet.

Interessante Frage: Hatte Söder selbst schon verinnerlicht, dass sein Schreibtisch in der bayrischen Staatskanzlei wackelt?

Spätestens seit heute jedenfalls weiß der Ministerpräsident, dass sogar jemand aus den etablierten Reihen seinen Abgang aus dem Amt fordert – sicher schlimmer noch für ihn: sogar mit Begründung!

Die Rede ist von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki, der den Rückritt Söders wegen der – vorsichtig ausgedrückt — mangelhaften Angabe von Corona-Zahlen in Bayern fordert.

FDP-Vize Kubicki forderte den bayrischen Ministerpräsidenten auf, Anstand zu beweisen und Konsequenzen zu ziehen: Entweder Markus Söder wollte ein schiefes Bild über die von Ungeimpften ausgehende Infektionsgefahr zeichnen und eine Gruppe von Menschen damit amtlich stigmatisieren – oder er hat seinen Laden nicht im Griff. Sowohl das Eine wie auch das Andere sind ausreichende Gründe für einen Rücktritt.

Was war da genau passiert? Eine „Pandemie der Unwissenden“ war laut Welt mutmaßlich in Bayern ausgebrochen.

Es stellte sich nämlich heraus, dass eine überwiegende Zahl von nicht den Ungeimpften oder Geimpften zuzuordnenden Corona-Fällen pauschal den Ungeimpften zugeschlagen wurde.

So sind nach den Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in einer Woche im November 2021 81.782 Corona-Fälle gemeldet worden. 9641 davon hatten einen vollständigen Impfschutz gehabt, 14.652 keinen. Und in 57.489 Fällen sei der Impfstatus „unbekannt“ gewesen.

Und was machte die bayrische Regierung bzw. ihre zuständige Behörde aus diesen Daten? Sie schlug die Infizierten mit unbekanntem Impfstatus der Gruppe der Ungeimpften zu.

Wer das jetzt nicht so schlimm findet, der sollte sich bitte vergegenwärtigen, dass sich insbesondere aus diesen Zahlen die Corona-Maßnahmen ableiten: ernste Einschränkungen und weitreichende Verbote mit fatalen Folgen für Wirtschaft und Mensch.

Wer also hier jede Sorgfalt fallen lässt oder gar meint, der Zweck heilige die Mittel, beispielsweise zur Unterstützung staatlicher Impfkampagnen, der hat jeden Respekt vor seinem Volk, vor seinen Wählern verloren, der muss der Forderung von Wolfgang Kubicki entsprechen. Nein, der hätte gar nicht warten dürfen, bis er von außen dazu aufgefordert wird.

Von besonderer Peinlichkeit in diesem Zusammenhang übrigens die blinde Nibelungentreue des CSU-Generalsekretärs Markus Blume. Der nämlich hatte nichts anderes zu tun, als reflexartig gegen Kubicki zu keilen. Nicht nur zu keilen, besagter Blume bezweifelt sogar die Tauglichkeit Kubickis im Amt des Vize-Bundestagspräsidenten: „Die ständigen verbalen Ausfälle von Herrn Kubicki sind mit der Würde seines Amtes nicht vereinbar. Als Bundestagsvizepräsident wird er immer mehr zur Belastung für das Hohe Haus. Wer sich nicht im Griff hat, sollte die notwendigen Konsequenzen ziehen.“

Markus Blume blamiert sich also mit einer peinlichen Spontanattacke gegen den FDP-Vize und verpasst es dabei – was fast noch schwerer wiegt – sich überhaupt mit dem Anlass für die Rücktrittsforderung zu befassen. Es wäre aber seine erste Pflicht als CSU-Generalsekretär gewesen, hier eine sofortige Aufarbeitung anzustreben. Markus Blume darf demnach von Kubicki gleich mit in Markus‘ Zug nach Nirgendwo gesetzt werden.

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: shutterstock
Text: wal

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