Made in Germany – vom Gütesiegel zum Nischenprodukt Industriestandort Deutschland vor ungewisser Zukunft

Von reitschuster.de

Erst vor wenigen Tagen wurde hier auf dieser Seite darüber berichtet, wie die immer weiter steigenden Energiepreise den Wirtschafts- und Industriestandort in eine tiefe Krise zu stürzen drohen. Doch historische Rekordpreise für Strom und Gas sind nicht die einzigen Gründe, warum immer mehr Firmen und Fachkräfte ihrer Heimat den Rücken kehren. Neben einer seit Jahren völlig verfehlten Energiekrise, deren Folgen unter dem Brennglas „Ukraine-Krieg“ jetzt auf nahezu alle Lebensbereiche voll durchschlagen, knabbern viele weitere Faktoren am erfolgreichen Image der deutschen Wirtschaft. Der Wirtschaftswissenschaftler Rüdiger Bachmann von der University of Notre Dame in den USA sieht „lange, harte Jahre“ auf Deutschland zukommen und nimmt in der Bild kein Blatt vor den Mund: „Unter Kanzlerin Angela Merkel wurde der Wohlstand des Landes abgefrühstückt!“

Auch in den Augen von Timotheus Höttges erscheint das einstige Gütesiegel „Made in Germany“ nur noch wie eine immer mehr verblassende Erinnerung an bessere Zeiten. Dieses Label bröckele überall, wie der Telekom-Chef gegenüber der Augsburger Allgemeinen konstatieren musste. Christian Miele vom Start-Up Verband äußerte sich in der Bild fast wortgleich: „Die Menschen in unserem Land spüren, dass unser Image bröckelt.“ Der Experte sieht „Made in Germany“ auf dem besten Weg zu einem „Nischenprodukt“. Vor allem in China und den USA, die beiden wichtigsten Märkte für die deutsche Wirtschaft, hat sich die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ auf eine rasante Talfahrt begeben. Den Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge ist der Export in diese beiden Länder im Juli um 7,6 Prozent zurückgegangen.

Dass es sich dabei keinesfalls um einen kurzfristigen oder etwa auf bestimmte Regionen begrenzten Trend handelt, zeigt ein erneuter Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die Abwärtsspirale begann im Jahr 2017, also schon deutlich vor Corona. Lag der Handelsüberschuss vor fünf Jahren noch bei 247,9 Milliarden Euro, so waren es zuletzt im Jahr 2021 nur noch 172, 5 Milliarden Euro. Der Mai 2022 war zudem der erste Monat seit 14 Jahren, in dem eine negative Handelsbilanz zu verzeichnen war, sprich mehr Waren importiert als exportiert wurden. Corona mag hier ein Faktor sein, aber bei weitem nicht der einzige.

Deutschland und das Arbeitsmarkt-Paradoxon

Nicht nur die energieintensiven Branchen stehen in Deutschland vor einer ungewissen Zukunft und werden sich über kurz oder lang zumindest teilweise nach günstigeren Produktionsstandorten umsehen. Vor allem der seit Jahren bestehende eklatante Mangel an Fachkräften macht den hiesigen Firmen zu schaffen, wie Dirk Jandura vom Exportverband BGA beklagt: „Alle Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften.“ Dies sei die vielleicht größte Herausforderung, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sichern zu können, glaubt der Experte.

Der drohende Wegzug deutscher Unternehmen hätte zwangsläufig auch den Verlust von Arbeitsplätzen und damit auch Wohlstand zur Folge. Im Juli ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf 2,47 Millionen gestiegen. Auf der einen Seite fehlen Fachkräfte an allen Ecken und Enden, auf der anderen Seite steht eine Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheint, erklärt sich dadurch, dass der deutsche Arbeitsmarkt seinen Unternehmen offensichtlich keine ausreichend qualifizierten Arbeitskräfte bieten kann. Ein Lösungsansatz kann darin bestehen, gezielt Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Zu beobachten war in den letzten Jahren aber genau das Gegenteil: Junge, hochqualifizierte Fachkräfte verlassen Deutschland, da die Rahmenbedingungen in anderen Ländern oft deutlich attraktiver sind. Im Gegenzug wurden zumeist schlecht bis überhaupt nicht ausgebildete Wirtschaftsmigranten ins Land geholt.

Der zweite Lösungsansatz konzentriert sich auf die Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Carsten Maschmeyer merkte dazu an: „Es gibt einen Digitalisierungsstau in Ämtern, Schulen und in der Infrastruktur.“ Der unter anderem aus dem TV-Format „Die Höhle der Löwen“ bekannte Top-Investor warf der Bundesregierung vor, die Digitalisierung verpennt und damit den Standort Deutschland in Gefahr gebracht zu haben. Stattdessen würden die hier ansässigen Unternehmen von den Behörden mit immer neuen, unsinnigen bürokratischen Hürden drangsaliert, pflichtete ihm Trigema-Chef Wolfgang Grupp bei. Für Firmen sei es daher schwer, neue Arbeitsplätze zu schaffen und damit den Wohlstand zu sichern, so die Unternehmer-Legende aus Württemberg.

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Bild: Shutterstock
Text: reitschuster.de

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