Nächster ÖR-Moderatorin platzt Kragen: „Sind wir gerade übervorsichtig?“ Wieseler warnt vor Wieseler: „Achtung, unpopuläre Haltung in dieser bubble“

Von Alexander Wallasch

Wird das langsam inflationär? Denn schon meldet sich die nächste Mitarbeiterin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit einer den Corona-Maßnahmen kritisch gegenüberstehenden Haltung via soziale Medien zu Wort.

Und die Wortmeldungen werden immer prominenter: Nach den beiden SWR-Mitarbeitern Martin Ruthenberg und Ole Skambraks hat sich jetzt Fernsehmoderatorin Susanne Wieseler ein Herz gefasst und ihren Unmut über die Maßnahmen-Situation via Twitter artikuliert.

Bekannt als Fernseh-Gesicht wurde Wieseler als Moderatorin der ZDF-Jugendsendung „Doppelpunkt“. Anschließend arbeitete sie für die ZDF-Redaktion „Innenpolitik“ und wechselte später zum WDR, um dort „Lokalzeit“ und „Aktuelle Stunde“ zu moderieren.

Die Empörung des prominenten Fernsehgesichts war sogar so groß, dass sie sich gleich in mehreren Tweet-Kommentaren Luft machte.

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Hier Wieselers Wortmeldungen aus fünf aufeinanderfolgenden Tweet-Kommentaren:

Achtung, unpopuläre Haltung in dieser bubble. Ich war immer #TeamVorsicht. Aber jetzt, mit allem, was wir inzwischen über #Omikron wissen, frage ich mich: Sind wir gerade übervorsichtig? Die Intensivstationen leeren sich, auch die #Hospitalisierungsinzidenz sinkt.

Omikron geht weniger auf die Lunge, macht nicht so schwer krank. #Deutschland hat weltweit die meisten Regeln und mit die strengsten. Die Länder um uns herum haben vier bis fünf mal so viele Neuinfektionen und trotzdem bricht die Gesundheitsversorgung nicht zusammen.

#Spanien und #Dänemark lockern. In #Großbritannien sinken die Inzidenzen schon wieder. Ja, klar, es gibt #LongCovid. Aber wenn wir uns über kurz oder lang sowieso alle das Virus einfangen, geht es doch eigentlich nur darum, die Zahl der Infektionen, die gleichzeitig staffelnden,

richtig zu dosieren, oder? Und: Wissen wir eigentlich, ob #Omikron ähnlich schlimme Langzeitfolgen macht, wie Delta? Natürlich, #Impfen bleibt super-wichtig, damit möglichst wenige Menschen schwer krank werden. Aber vielleicht sollten wir nicht mehr über weitere Verschärfungen

der Corona-Maßnahmen nachdenken, sondern etwas gelassener werden und abwarten.

Nun gut, jetzt ist das noch keine lupenreine Kriegserklärung an die tendenziöse Berichterstattung des Zwangsgebühren-Fernsehens bzw. an der Regierungspolitik. Aber gemessen an einer ÖR-internen Umfrage, die besagt, dass unter Volontären des Ersten satte 92 Prozent grün-rot-rot wählen, also ganz taff auf Regierungskurs sind, dürfte diese Intervention von Wieseler im selben Maße von den Präferenzen der Redakteure abweichen, wie diese von jenen der Zwangsgebührenzahler. Wollen Wieseler und andere zum ÖR-Sendeauftrag zurückkehren? Das immerhin wäre eine gute Nachricht.

Und die Moderatorin hat sich anscheinend warmgelaufen und legt weitere Kommentare nach:

Krass, was hier los ist. Kann leider nicht auf alles antworten, eigentlich steckt auch alles im Thread. Der Kernpunkt: Die Virologie geht ja allgemein davon aus, dass wir #Omikron früher oder später sowieso alle bekommen.

Praktische Konsequenzen meiner Überlegungen für mich selbst: Trage weiter FFP2 und meide Kontakte. Aber ich gehe auch mal mit meiner Familie ins Restaurant. Und freue mich für meinen Sohn, dass er jetzt gerade ein paar Tage mit der Schule unterwegs sein kann.

Natürlich ist bei den Vorzeigegesichtern des ÖR noch Luft nach oben. Der Einzelne hat viel zu verlieren. Was in dem Zusammenhang aber nicht vergessen werden darf: Zuletzt war es Claus Kleber, der zum Ende seiner Laufbahn um Absolution bat, als er selbstkritisch eingestand: „Ideologie vergiftet den Journalismus“. Hatte er damit einen weiteren Dominostein umgeworfen, der das Heiligtum „ÖR“ ins Wanken bringen kann?

Kleber weiter: „Was ich oft höre von Moderatoren, insbesondere im Hörfunk, lässt mir die Hutschnur hoch gehen, mit welcher Selbstverständlichkeit da Urteile abgegeben werden, von Leuten, die sich erkennbar mit der Sache nie vertieft beschäftigt haben.“

ÖR-Moderatorin Susanne Wieseler hat sich tatsächlich „vertieft beschäftigt“ und das Ergebnis dieser Beschäftigung – zunächst noch mit aufgesetztem Schalldämpfer – via Twitter veröffentlicht.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: screenshot Eckart von Hirschhausen
Text: wal

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