Protest in Russland gegen Impf- und Testpflicht Schauspieler tritt mit gelbem Stern auf

Monatelang hat Moskau in Sachen Corona alle Augen zugedrückt. Während in Europa teilweise massive Einschränkungen der Grundrechte erfolgten und ein Lockdown verhängt wurde, blieben die Einschränkungen in Moskau minimal. Angesichts steigender Fallzahlen kam dann kürzlich die Wende. Am 22. Juni schränkte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin, ein enger Vertrauter von Putin, den Zugang von Menschen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind, zu Cafés, Restaurants und Bars ein. Ab dem 28. Juni dürfen ähnlich wie zeitweise in Deutschland nur noch diejenigen solche Einrichtungen besuchen, die entweder geimpft sind, in den letzten sechs Monaten an Covid erkrankt waren oder einen negativen PCR-Test vorweisen können. Sie erhalten entsprechende QR-Codes. Darüber hinaus haben die Moskauer Behörden bei Konzerten, Aufführungen, Filmvorführungen und Sportveranstaltungen die Teilnehmerzahl auf bis zu 500 begrenzt. Diese Anforderung gilt jedoch nicht, wenn die Teilnehmer nur mit QR-Codes dorthin gelangen dürfen, wie das Nachrichtenportal „Meduza“ berichtet.

Aufgrund der gestiegenen Zahl von Covid-Fällen in Moskau führte Sobjanin bereits eine Corona-Impfpflicht für die meisten Beschäftigten in den Dienstleistungsbereichen, in Bildung, Verkehr, Wohnungswesen und kommunalen Dienstleistungen sowie für Beamte ein. Auch andere Regionen Russlands haben eine Impfpflicht angekündigt. Inwieweit sich diese in dem Land durchsetzen lässt, sei dahingestellt. Der große Historiker Michail Saltykow-Schtschedrin schrieb schon im 19. Jahrhundert, dass die Strenge der russischen Gesetze dadurch ausgeglichen werde, dass man sie nicht unbedingt einhalten muss. An diesem Satz ist auch heute noch viel Wahres dran. So wurde die Pflicht zum Tragen von Masken und Handschuhen etwa in der Metro kaum durchgesetzt.

Gelber Stern am Revers

Als vor einigen Wochen Veranstalter eines Festivals aus eigenem Antrieb von den Besuchern als Eintritts-Bedingung einen negativen Corona-Test einforderten, ernteten sie massiven Widerstand und bekamen einen Shitstorm in den sozialen Medien. Nun hat der bekannte russische Schauspieler Jegor Berojew bei der Verleihung der bekanntesten Fernseh-Prämie im ganzen Land, des „Tefi“, für Aufregung gesorgt. Er erschien dort mit einem gelben Stern am Revers, der an die Judensterne im Nazi-Deutschland erinnert, und hielt eine Rede, für die er in Deutschland wohl zum Aussätzigen erklärt worden wäre – vor laufender Kamera. Eine Zerfleischung Berojews blieb im autokratischen Russland aus. Hier dokumentiere ich seine bemerkenswerte Rede, mit der er die Politik der russischen Behörden zerlegt, und die sich in Russland verbreitet wie ein Lauffeuer:

„Ich möchte heute erzählen, was mich in den letzten zwei Tagen beunruhigt hat. Ich habe gehört, dass sich hier schon einige dazu geäußert haben. Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich nicht gegen das Coronavirus geimpft bin. Einige meiner Bekannten dagegen ließen sich impfen. Und sogar Freunde von mir sind geimpft. Dies war nie Grund für  Streitereien und Streitigkeiten. Wir sind Erwachsene, wir respektieren die Entscheidungen des anderen. Wir wissen: ‚Mein Körper ist meine Sache.‘

Aber heute bin ich in einer Welt aufgewacht, in der es zu einem Erkennungszeichen geworden ist: Sind Sie Bürger mit allen Rechten oder gehören Sie in ein Reservat? Können Sie Institutionen und Veranstaltungen besuchen, genießen Sie alle Rechte und Vorteile? Ich habe eine Frage: Wie konnten wir, die Nachkommen der Gewinner (im Zweiten Weltkrieg, Anm. BR), dies zulassen? (Beifall)

Ich möchte hier betonen, dass kein Menschenleben, keine Würde eines Menschen für das Gemeinwohl geopfert werden darf. Das ist im Nürnberger Kodex festgeschrieben und wurde mit viel Blutzoll erkämpft. Dem Menschen darf seine Würde und seine Wahlfreiheit nicht genommen werden. Auch wenn Ihnen die Wahl von jemandem nicht gefällt und wenn Sie ihm nur sein Bestes wollen.

Ich bitte Sie, meine Lieben, die hier Anwesenden, Freunde, Kollegen, lassen Sie nicht zu, dass wir auseinanderdividiert werden, lassen Sie keine Feindschaft zwischen uns zu, erlauben Sie nicht die Trennung der Gesellschaft in „klug“ und „dumm“, Menschen mit Down-Syndrom und ohne, weiß und schwarz, Juden und Nichtjuden, geimpft und ungeimpft. Es ist schon einmal passiert. Und unsere Großväter haben mit ihrem Blut dafür bezahlt, zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. (Beifall.)

Zweimal wurde die Rede unterbrochen mit Zurufen: „Ich habe mich impfen lassen“. Dennoch gab es Applaus. „Prachtkerl“ war aus den Zuschauerreihen zu hören. Nach der Rede gab es zwar Kritik an dem Schauspieler (eine Zusammenfassung der Reaktionen finden Sie auf Russisch hier – mit Google-Übersetzer heute gut zu übersetzen). Doch einen Shitstorm oder eine weit reichende Diffamierung blieb aus. Man stelle sich einmal vor, was in Deutschland nach einer solchen Rede los wäre.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

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Bild: Screenshot/Youtube
Text: br


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