Spahn & Co.: Kämpfen bis zum Sieg Die dramatische Bruchlandung unserer Spaßgesellschaft

Die reden, als ob wir uns im Krieg befinden würden – das war der Gedanke, der mir heute auf der Bundespressekonferenz mehrfach durch den Kopf ging, als ich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den Chef des Robert-Koch-Institutes Lothar Wieler sprechen hörte. Spahn sprach von Dank für alle „an der Front“. Er beteuerte, „wir haben die Mittel, das Virus zu besiegen“. Weiter war die Rede von dem, was man sich “durch Konsequenz und viel Verzicht erarbeitet“ habe, und von einem “Charakter- und Stresstest für unsere Gesellschaft“.

Vom Virus wurde zum Teil gesprochen als sei es ein Mensch, ein lebendiger Feind: „Das Virus ist noch nicht müde, es hat gerade einen Boost bekommen“, sagte etwa Wieler. Genauso hielt es Spahn, der Wieler dann noch einmal zitierte (offenbar nach dem Motto, dass das, was wiederholt wird, besser hängenbleibt): „Das Virus ist noch nicht müde“. Gegen Ende korrigierte sich dann der Minister noch einmal, offenbar wurde ihm die Personifizierung des „Feindes“ in Form des Virus dann doch selbst etwas unheimlich: „Wenn man ihm überhaupt Eigenschaften zuschreiben will, denn es ist ja ein totes Ding.“

Hier liegt der Verdacht nahe, dass sich unsere Regierenden da in eine psychologische Falle begeben haben. Rational betrachtet ist das Virus zwar Auslöser der aktuellen Krise – aber es ist nur einer von vielen Faktoren, die bei deren Lösung eine Rolle spielen müssen. Besonders ist im Auge zu behalten, dass die Maßnahmen zu seiner Eindämmung auf keinen Fall gefährlicher oder folgenschwerer sein dürfen als die Gefahren und Folgen des Virus selbst. Genau darüber findet aber nicht einmal mehr eine offene Debatte statt. Schlimmer noch: Auch ein Hinweis auf die Notwendigkeit einer solchen Abwägung wird bereits von vielen aufgefasst wie eine „Straftat gegen die Landesverteidigung“ (um hier nicht ein böses Wort aufzugreifen, das mit Wehrkraft und mit Zersetzung zu tun hat).

Es ist dieser mentale Kriegszustand, der dafür sorgt, dass die Spaltung so tief ist. Dass man Menschen, die auch nur Zweifel haben, gleich als „Leugner“ diffamiert – wie es heute Wieler tat, in einer Art und Weise, die für den Leiter einer Bundesbehörde schlicht unanständig ist: „Es gibt immer noch Menschen, die Corona leugnen, die sich bewusst gegen Masken entscheiden, die das Virus nicht ernstnehmen.“ Ich persönlich bin noch niemandem begegnet, der Corona leugnete. Aber sehr vielen Menschen, die sich über die Verhältnismäßigkeiten der Maßnahmen Gedanken machen. Das alles in einen Topf zu schmeißen ist geistige Brandstiftung. Die sich ein hoher Bundesbeamter um jeden Preis verkneifen sollte.

Aber im gefühlten Kriegszustand spielen solche Nuancen keine Rolle. Der gefühlte Kriegszustand ermöglicht ein striktes Schwarz-Weiß-Denken. Hier der Freund, dort der Feind – jeder, der den Feind verharmlost. Kollateralschäden spielen im gefühlten Kriegszustand keine besondere Rolle. Im Gegenteil. Wer auf sie aufmerksam macht, unterminiert die Wehrhaftigkeit. Die „Konsequenz und den Verzicht“, die Spahn beschwört. Den „Charakter- und Stresstest“, von dem er spricht. Die Mittel für den Sieg.

Spahn spricht von einer „Jahrhundertpandemie“. So als hätte es die Spanische Grippe nie gegeben.

Spahns Wortwahl erinnert mich auf fatale Weise an die Stimmung im Jahr 1914 in Deutschland, so wie man sie aus dem Geschichtsbuch kennt. Und eben nicht nur Spahns Worte: sondern die Stimmung in weiten Teilen von Politik und Medien. Kaiser Wilhelm II. sagte damals, er kenne keine Parteien mehr, nur noch Deutsche. Heute kennt man nur noch brave Befürworter der Corona-Maßnahmen, die laut Wieler nicht einmal hinterfragt werden dürfen. Und Volks- bzw. Klassenfeinde – die Bösen, die Corona-Leugner.

Dieser mentale Kriegszustand ist fatal. Er beschädigt unsere Gesellschaft schwer. Kann sie im schlimmsten Fall zerstören. Er führt zu Größenwahn – wenn man sich anmaßt, das Virus zu besiegen.

Corona hat den Ungeist der Vergangenheit wieder geweckt.

In unserer Spaß-Gesellschaft fehlen die Zwischentöne. Die Erdung: Wo man sich gestern noch für unverwundbar hielt und Unisex-Toiletten und Frauen-Pissoirs als Themen Medien und Politik bewegten (die normalen Menschen kaum), ist man angesichts einer realen Gefahr, angesichts der Erkenntnis, dass die vermeintliche Unverwundbarkeit eine Wohlstands-Illusion war, in den Panikmodus verfallen.

Dies fällt insbesondere auf, wenn man Innenansichten aus anderen Gesellschaften hat, die ganz anders mit dem Virus und der Gefahr umgehen – in meinem Fall der russischen. Ich will den dortigen Weg ohne Lockdown keinesfalls als den Königsweg hinstellen. Aber mir fällt auf, wie viel gelassener, ja demütiger die Menschen dort mit der Gefahr umgehen. Vielleicht, weil der Tod angesichts der Härte des Alltags dort immer weit weniger verdrängt werden konnte als hierzulande. Weil man dort nie den Luxus hatte, sich allgemein in Frieden, Freiheit und Wohlstand über die Tücken, ja möglichen Grausamkeiten des Schicksals erhaben zu fühlen. Ja sich diesem geradezu überlegen zu wähnen, in einer Art Vollkasko-Versicherung gegenüber den Tücken dieser Welt.

Die Spaßgesellschaft hat eine Bruchlandung erlitten.

Und ausgerechnet die Bruchpiloten wollen jetzt die Gesetze der Natur besiegen. Auffällig gut frisiert. Und ohne Maske. Aber mit Blaulicht auf dem Auto.


In Kürze berichte ich mehr von der Bundespressekonferenz heute. Hier schon einmal vorab mein Video:

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Bild: Shutterstock/Ezume Images
Text: br


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