Warum der Terror von Wien sprachlos macht Gefühle von Trauer, Hilflosigkeit und Wut

Es kommt nicht oft vor, dass einem als Journalisten die Worte fehlen. Eigentlich sollte es gar nicht vorkommen. In der Nacht von Montag auf Dienstag ist es mir passiert. Terror mitten in Wien. In einer Stadt, die ich gut kenne. In der ich Freunde habe. An Orten, an denen ich noch letztes Jahr spazieren ging. Wo alles so friedlich war. So beschaulich. Wo ich einen so großen Kontrast zum aufgewühlten, immer mehr herunterkommenden Berlin spüre. Und jetzt das. Szenen wie aus einem Bürgerkrieg genau da, wo gestern für mich noch ein Stückchen heile Welt war. Oder zumindest die Illusion davon.

Vielleicht fehlten mir auch nicht so sehr die Worte. Vielleicht fehlte mir einfach der Willen und die Kraft, etwas zu sagen. Weil heute nach jedem Terrorakt die üblichen Schlachten in den sozialen Medien beginnen. Das Verharmlosen. Das Wegsehen. Die Verschiebung der Wut. Statt auf die Täter richten viele diese auf diejenigen, die sich über die Tat empören. Man hat das Gefühl, all das dreht sich im Kreis. Ist immer das Gleiche. Je unerträglicher eine Tat ist, desto unerträglicher sind diese Reaktionsmuster. Man redet bzw. schreibt gegen eine Wand. Eine Wand aus Ideologie und Ignoranz. Aus dem verzweifelten Versuch, das eigene Weltbild gegen die Realität zu verteidigen. Koste es, was es wolle.

Die grausame Welle des islamistischen Terrors, die in diesen Wochen über ein Europa rollt, das ohnehin durch die Corona-Krise an seine Grenzen gerät, macht einen unendlich traurig. Das Mitgefühl mit den Opfern wird noch größer durch das Gefühl, dass auch einer der eigenen Nächsten an deren Stelle hätte sein können. Da ist Hilflosigkeit, das Gefühl, nichts gegen den Terror tun zu können. Und da ist Wut. Auf die Täter. Und nicht nur auf die. Sondern auch auf diejenigen, die seit vielen, vielen Jahren beschwichtigen und die Probleme schönreden. Die zuweilen mehr Mitgefühl mit den Tätern aufzubringen scheinen als mit den Opfern.

Die versuchen, eine schwere Kindheit oder soziale Probleme als Entschuldigung dafür anzuführen, dass jemand völlig unschuldige, friedliche, unbewaffnete Mitmenschen umbringt. Genau diese Denkweise ist mitverantwortlich für das Problem. Zumindest genauso wie eine schwere Kindheit oder soziale Probleme. Wie viele unschuldige Opfer müssen noch ihr Leben geben, bevor in Politik und Medien die Realisten die Überhand gewinnen vor den Ideologen?

Gerade wollte ich hier weiter schreiben, dass nach Wien endlich ein Umdenken stattfinden muss. Aber ich ertappte mich selbst bei dem resignierten Gedanken, dass ich das viel zu oft geschrieben habe. Nach viel zu vielen schrecklichen Taten. Und dass sich auch diesmal nichts ändern wird. Doch genau so eine Resignation ist das Ziel eines jeden Terrors. Und deshalb ist es wichtig, sich aufzuraffen. Wer den Mund hält, ist damit ein Teil des Problems. Und genau deshalb wiederhole ich mich hier wieder. Und werde versuchen, mich auch die nächsten Male zu wiederholen – und machen wir uns nichts vor, es wird diese nächsten Male geben. Wir müssen JEDEN Terror und JEDE Gewalt genauso als Gefahr auffassen, genauso bekämpfen, genauso massiv thematisieren wie wir dies völlig zu Recht bei rechtsextremistischer Gewalt bereits tun.

Und wir können nicht weiter so tun, als sähen wir den weißen Elefanten im Raum nicht. Islamischer Extremismus ist eine grundlegende, massive Gefahr für unsere Gesellschaft. Dies wird allein durch das Gedankenspiel deutlich, wenn man sich fragt, ob man katholischen, buddhistischen oder orthodoxen Extremismus als Sicherheitsgefahr sieht?

Am Wochenende gab es in Deutschland unerträgliche Szenen. In Berlin-Neukölln zogen junge Männer mit Migrationshintergrund einen Mann mit Macron-Maske in Fesseln durch die Straße und beschimpften ihn. Ein Aufschrei blieb aus. Genau dieses Schweigen ist unter anderem der Nährboden dessen, was wir in Wien gesehen haben.

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Bild: Dmitry Mayatsky/Shutterstock
Text: br


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