Was CSD-Demonstranten dürfen und Nenas Fans nicht Massives Framing und zweierlei Maß in vielen Medien

Wenn Doppelmoral zum Himmel schreien würde, könnte man diverse Teile Berlins in diesen Tagen wohl nur noch mit exzessivem Ohrenschutz betreten. Beim Christopher Street Day (CSD), dem Hohefest der Schwulen, Lesben und Diversen, zogen laut Polizei am Samstag in der Hauptstadt 65.000 Menschen durch die Stadt. Die Hygieneregeln wurden dabei teilweise massiv gebrochen. Viele Teilnehmer waren ohne Masken unterwegs. Die Berliner Polizei, die bei sogenannten „Corona-Demos“ selbst Teilnehmer mit Maskenbefreiungs-Attest regelmäßig mit hartem physischen Einsatz abführt, zeigte sich beim CSD von ihrer milden Seite. Während gleichzeitig in Kassel eine Querdenken-Demo schon vorab verboten wurde.

Ebenfalls an diesem Wochenende trat Nena („99 Luftballons“) bei einem Open-Air-Konzert in Berlin auf. Dazu haben „die Veranstalter der Konzert-Reihe »Unter Freiem Himmel« aus 15.000 Coca-Cola Kisten sogenannte ‘Boxen‘ in das Zuschauerareal gebaut, als Platzmarkierungen“, wie der Berliner Tagesspiegel schreibt. „Man ist stolz auf das Hygienekonzept, das, wie es auf der Homepage heißt, ‘jedem seinen eigenen kleinen VIP-Bereich, seine eigene Box und ausreichend Platz an der frischen Luft‘ garantiert.“

Als ein Unwetter anrückt, wird das Gelände aus Sicherheitsgründen geräumt. Als die Sturmwarnung um 20 Uhr aufgehoben wird, kommen die Fans zurück. „Holt euch eure Freiheit zurück“, ruft Nena vor ihrem Song »Nur geträumt« und fordert die Fans auf, sie sollen nach vorne kommen, damit sie mit ihr feiern können. Die Fans tun das auch. Ordner versuchen, sie zurückzudrängen.

Nena bittet die Fans weiter nach vorne. Laut Tagesspiegel bekommt die Sängerin Ansagen vom Veranstalter: „Mir wird hier gedroht, dass sie die Show abbrechen“, sagt sie, „weil ihr nicht in eure Boxen geht“. Buh-Rufe aus dem Publikum. Nena sagt: „Ich überlasse es in eurer Verantwortung, ob ihr das tut oder nicht, das darf jeder frei entscheiden. Genauso wie sich jeder frei entscheiden kann, ob er sich impfen lässt oder nicht!“

Genauer Hergang umstritten

Nena heizt ein: „Gestern war Christopher Street Day und es war völlig okay, dass 80.000 Leute eng aneinander auf der Straße waren. Also schaltet den Strom aus oder holt mich mit der Polizei hier runter. Ich habe die Schnauze voll davon“, sagt die deutsche Sängerin. „Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern die Frage ist, was wir mit uns machen lassen.“ Viele Zuschauer feuern Nena an.

Das Hin und Her geht weiter. Bis der Veranstalter das Konzert abbricht – so der Tagesspiegel. Zuerst hieß es noch, das Ordnungsamt in Schönefeld habe den Abbruch angeordnet. Später schreibt der Tagesspiegel: „Laut Pressestelle des Ordnungsamts Schönefeld war dies allerdings die Entscheidung des Veranstalters.“ Das klingt zumindest etwas merkwürdig – warum sollte der Veranstalter von sich aus das Konzert abbrechen? Realistischer wäre es wohl, dass das Amt Druck machte und die Veranstalter einknickten – auch ohne formelles Verbot.

Der Tagesspiegel betreibt in seinem Bericht massives „Framing“ gegen Nena. In dem Artikel heißt es: „Die Einhaltung des Hygienekonzepts ist Voraussetzung dafür, dass dieses, dass andere Konzerte stattfinden dürfen. Dass in einer Zeit, in der sich die Covid-Delta-Variante auch bei Freiluftveranstaltungen (siehe Sportevents) wie bekloppt ausbreitet, größtmöglicher Schutz vor Ansteckung herrscht.“

Merkwürdig: In der Berichterstattung über den Christoper Street Day gibt es allenfalls am Rande Bemerkungen über die massiven Verstöße gegen die Hygieneregeln dort. Breitet sich das Virus nur bei Nena-Fans „wie bekloppt“ aus, wie das Blatt schreibt, nicht jedoch bei Schwulen, Lesben und Diversen? Fragen über Fragen.

Warum legt die Zeitung an die Veranstalter des CSD nicht die gleichen Maßstäbe an wie an Nena? Über die heißt es in der Zeitung: „Nena ist auf Krawall gebürstet. Sie unterläuft das Veranstaltungskonzept, verhält sich, als ob sie die Hygieneregeln, die sie mit der Zustimmung zu ihrem Auftritt angenommen hat, nicht beachten muss, als ob auch die Gäste nicht beachten müssen, wozu sie – ob sie es nun sinnvoll finden oder nicht – mit dem Zutritt auf das Gelände eingewilligt haben.“

Auch andere Medien framen. Bei »Focus Online« heißt es in verschiedenen Überschriften: „Nena wütet…“ sowie „Nenas kontroverser Wut-Auftritt spaltet ihre Fans“, es ist von einem „umstrittenen Aufruf“ die Rede. So als ob heute irgendetwas nicht mehr umstritten sei. Interessant, wie die Schlagzeilen ausgefallen wären, hätte Nena an ihre Fans appelliert, zum Impfen zu gehen. Wetten, dass … So aber wirkt das in den meisten großen Medien merkwürdig einheitlich. Wie auf Knopfdruck wird Nena schlechtgeschrieben.

Der Fairness halber muss man anmerken, dass beim CSD die Organisatoren offenbar nicht aktiv zu den Hygiene-Verstößen aufgerufen haben, Nena hingegen diese durchaus anfeuerte. Aber entscheidend ist, dass im einen Fall die Demonstranten und im anderen die Zuschauer das Gleiche taten. Und es ganz unterschiedlich beurteilt wird.

Auf Twitter rief der Konzert-Abbruch massiven Unmut hervor:

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Bild: Matthias Wehnert/Shutterstock
Text: br


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