Wenn der Staat ins Agieren kommt Was Bund und Länder mit der 2G-Regelung erreichen wollen

Von Sönke Paulsen

Agieren ist begrifflich zunächst nichts Anrüchiges. Umgangssprachlich kann man so oder so agieren und man denkt sich nichts dabei.

Psychologisch wird der Begriff allerdings etwas anders benutzt. Man versteht darunter das, meist unheilvolle, Ausagieren eigener ungelöster Probleme auf Kosten der Mitmenschen.

Das ist dann schon eine andere Nummer.

„Nein. Es ist Aufgabe der Presse, das zu transportieren, was Leute fühlen.“ Darauf Seibert: „Nachdem Sie sie auch entsprechend journalistisch beliefert haben.“

Dieser Satz ist ein Zitat aus der jüngsten Bundespressekonferenz und aus einem Wortwechsel zwischen dem Journalisten Boris Reitschuster und dem Regierungssprecher Steffen Seibert entnommen. Es ging darum, dass Reitschuster erwähnte, dass sich viele Menschen durch die 2G-Regel wie „Aussätzige“ fühlen würden.

Der Vorwurf wird abgewehrt, aber nicht im realen, sondern psychologischen Sinne. Es gäbe ja keine 2G-Regel und die Menschen seien offensichtlich vom fragenden Journalisten zuvor „beliefert worden“.

Hier ist Verdrängung und Verleugnung im Spiel!

Heute geht durch die Medien, dass es just in Berlin ab Ende der Woche eine Einführung der 2G-Regeln geben wird.

Was hat das mit Agieren im psychologischen Sinne zu tun?

Man versteht darunter irrationale oder vordergründig rationalisierte Handlungen und Aussagen, die andere ebenfalls zu irrationalen Handlungen und Aussagen treiben sollen. So entledigt man sich möglichst rationaler Betrachtungsweisen des eigenen Verhaltens und eigener Aussagen.
Wer agiert, hat also ein Ziel, das nicht immer bewusst verfolgt werden muss.

Wir stehen derzeit auf der Schwelle zu einer sehr unbeliebten und auch verfassungsrechtlich bedenklichen Maßnahme, die den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes beschädigt. Menschen, die nur getestet sind, aber nicht geimpft, sollen von Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen werden. In Berlin wahrscheinlich ab dem Wochenende.

Als Begründungen werden die Rekorde bei den aktuellen Corona-Inzidenzen angegeben. Dies sei, das impliziert die Bundesregierung auch in dieser Pressekonferenz, die Schuld der Leute, die sich nicht impfen lassen. Immerhin seien über 55 Millionen Menschen in Deutschland geimpft, so der Regierungssprecher Seibert. Letzteres muss nicht bezweifelt werden.

Allerdings ist schwer zu verstehen, warum bei einem Impfanteil von über sechzig Prozent in der Bevölkerung erneut Zahlen erreicht werden, die dem Herbst 2020 entsprechen, als es noch keine breite Impfimmunität gab und die Durchseuchung auch wesentlich geringer war als heute.

In Berlin wird daher auch über die 2G-Plus Regel beraten. Also die Anordnung, dass auch Geimpfte und Genesene einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen müssen, um ins Restaurant zu kommen. Das hat wenigstens eine gewisse Rationalität!

Es ist nämlich vollkommen klar, dass der Verdacht im Raum steht, dass die hohen Inzidenzen zu einem unbestimmten Anteil auch von Geimpften und Genesenen kommen. Anders wären diese Zahlen nicht zu erklären.

Das Agieren der Regierung besteht nun darin, diese unangenehme Tatsache zu unterdrücken, da man ja gerade den Geimpften ein normales Leben in Aussicht gestellt hat und die Menschen, die sich bisher nicht haben impfen lassen, unter Druck setzten wollte, an dieser sehr begrenzt wirksamen Maßnahme mit dem eigenen Körper teilzunehmen.

Auch die Zahl von 2.000 Intensivpatienten bundesweit grenzt an das Jahr 2020 und dürfte näher zu betrachten sein. Denn entsprechend der Ankündigungen und Versprechen der Bundesregierung sind durch die flächenhaften Impfungen diese Zahlen, saisonal, nicht wirklich in den Keller gegangen. Hoffnung gibt es derzeit nur bei der Zahl der Todesfälle, die weiterhin relativ niedrig ist. Aber auch im Herbst 2020 blieb diese Zahl eine ganze Weile niedrig, ehe sie gegen Ende des Jahres in die Höhe ging.

Wir haben es also mit einem eminenten Widerspruch zu tun, der die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung massiv beeinträchtigt. Aber nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die Landesregierungen versuchen über diesen Widerspruch hinweg zu agieren. Obwohl es bei diesen Zahlen äußerst fragwürdig ist, dass sie allein auf die zu geringe Impfbereitschaft der Bevölkerung zurückgehen, wird genau die Personengruppe der Ungeimpften ins Visier genommen und für die Situation verantwortlich gemacht und bestraft!

Das ist Agieren im reinsten psychologischen Sinne, ein Ablenken von der eigenen Krise. Das Ziel ist, die gesellschaftliche Gruppe der nicht geimpften Menschen (viele davon sind übrigens Kinder) ebenfalls dazu zu bringen, irrational zu agieren. Entweder, indem man sich jetzt, mitten in der Welle, impfen lässt, was wohl nicht viel ändern wird, oder aber, indem aggressiv reagiert und argumentiert wird, was von den linken Instituten der Bundesregierung (Amadeo Antonio Stiftung) derzeit nochmal als Rechtsradikalismus-Vorwurf an die Öffentlichkeit lanciert wird. Ein Vorwurf, der, psychologisch betrachtet, Agieren auf einem äußerst niedrigen Strukturniveau darstellt, weil die Realität hier nur noch als Halluzination linker Propagandisten dasteht.

In jedem Fall ein massiver Angriff auf die Vernunft, geführt von einem Staat, der sich seiner rationalen Begründungen entkleidet sieht und nun sein Dilemma ausagiert.

Die Opfer dieser Strategie sind übrigens Kinder. Viele sind nicht geimpft und geraten nun in das 2G-Raster. Dabei ist völlig unklar, ob sie künftig nicht nur vom Sportverein und dem Kino ausgeschlossen werden, sondern auch von der Schule. Wenn der Staat, die Bundes- und die Landesregierungen weiterhin mit ihrer 2G-Regelung bar jeder Vernunft agieren, ist das durchaus zu erwarten.

Der Staat ist zu einem neurotischen Patienten geworden, der sich von den eigenen Bürgern nicht mehr korrigieren lässt. Eine Therapie ist nicht in Sicht! 

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Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt auch in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt“. Hier finden Sie seine Fortsetzungsgeschichte „Angriff auf die Welt“ – der „wahre“ Bond.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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