Wie die ARD die Gebührenzahler mit manipulierten Karten in die Irre führt Corona- und Klima-Framing bei Tagesschau und Tagesthemen

Von Kai Rebmann

Das Hoch Jürgen beschert Deutschland in dieser Woche eine Hitzewelle, in deren Verlauf das Thermometer örtlich auf über 40 Grad klettern kann. Waldbrände haben den Süden Europas fest im Griff. Die seit Wochen anhaltende Dürreperiode macht den Landwirten vielerorts zu schaffen. So oder ähnlich klingen die Meldungen, wenn es in den Nachrichten in diesen Tagen um das Wetter geht. Wie unterschiedlich man über ein und denselben Sachverhalt aber berichten kann, zeigen jetzt die ARD und der SRF, der öffentlich-rechtliche Sender in der Schweiz. Links präsentiert Claudia Kleinert in den Tagesthemen die am 18. Juli in Europa zu erwartenden Temperaturen, rechts die entsprechende Vorhersage beim Schweizer Rundfunk. Selbst die Meere – das Mittelmeer im Süden, der Atlantik im Westen sowie Nord- und Ostsee im Norden – kommen nicht mehr im ansonsten üblichen Blau daher, sondern werden in verschiedenen Rot- bzw. Gelbtönen dargestellt.

Doch leider handelt es sich dabei keineswegs um einen Einzelfall, bei dem ein übereifriger Grafiker vielleicht mal über das Ziel hinausgeschossen ist. Vielmehr scheint diese Art des Framings bei der ARD an der Tagesordnung zu sein. Am 17. Juni 2022 wurde auf Twitter dieser Screenshot veröffentlicht:

Dieses Bild zeigt, dass auch die Tagesschau weiß, wie man mit Hilfe einer „angepassten“ Farbskala beim Publikum die gewünschten Effekte erzielen kann. Wer dieses Farbenspiel ausblendet und nur auf die Temperaturen achtet, wird feststellen, dass es am 16. Juni 2002 tendenziell sogar zwei bis drei Grad wärmer war als am Referenztag des Jahres 2022. Nachdem der Twitter-Nutzer „Argo Nerd“ auf diese Irreführung der Gebührenzahler hingewiesen hatte, eilten der ARD umgehend die selbsternannten Faktenchecker zu Hilfe. Auf Correctiv wurde auf einen angeblich „fehlenden Kontext“ hingewiesen, da heute alle Farben intensiver dargestellt würden als noch im Jahr 2002, was „technische Gründe“ habe. Wie das eingangs geschilderte Beispiel vom Anfang dieser Woche belegt, scheinen die öffentlich-rechtlichen Sender in der Schweiz auch im Jahr 2022 ohne „intensivere Farben“ auszukommen und auch die „technischen Gründe“ scheint es beim SRF nicht zu geben.

Aber gut, nach 20 Jahren darf auch die Tagesschau ihre Farbskala mal anpassen, ohne dass man der ARD gleich mutwilliges Framing unterstellen muss. So weit, so richtig. Im Frühjahr 2021 stellte der gebührenfinanzierte Sender jedoch unter Beweis, dass eine solche Anpassung auch innerhalb nur weniger Wochen erfolgen kann:

 

Diese offensichtliche Irreführung des TV-Publikums bei der Tagesschau konnten damals nicht einmal mehr die treu ergebenen Faktenchecker kleinreden, so dass Correctiv schließlich einräumen musste: „Die beiden Karten sind echt, beide wurden so auf Instagram veröffentlicht. Die hellere Karte ist die Darstellung, wie sie in Fernsehbeiträgen verwendet wird, die dunklere zeigt die Darstellung einer interaktiven Online-Karte. Die Chefredaktion von ARD-aktuell entschuldigte sich, die Darstellung werde künftig einheitlich gestaltet.“ Demnach sei die Behauptung, die Tagesschau stelle die Inzidenzwerte in Deutschlandkarten mit unterschiedlichen Farben dar, so dass sie in der einen Karte dramatischer wirken als in der anderen, „größtenteils richtig“, wie die Faktenchecker widerwillig urteilen mussten.

Dabei zeugt die bloße Existenz von sogenannten und nicht selten auch selbst ernannten „Faktencheckern“ vom bedauernswerten Zustand der Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland. Anscheinend ist es nicht mehr gewollt, dass sich mündige Bürger ein eigenes Urteil über bestimmte Zusammenhänge und Meldungen bilden. So etwas war bis vor gar nicht allzu langer Zeit aber genau der Kern einer gesunden und lebendigen Demokratie.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Fynnlant / Screenshot Twitter
Text: kr

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