„Berlin ist also nicht geschützt?“ Kreml-TV zu Scholz: "Du Motte!"

Von Ekaterina Quehl
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Dass russische Staatsmedien beim Thema „Krieg in der Ukraine“ nicht müde werden, Desinformationen zu verbreiten, ist nun in aller Munde. Eines der lautesten Sprachrohre der Kreml-Propaganda ist Wladimir Solowjow mit seiner Sendung „Der Abend mit Wladimir Solowjow“ im staatlichen TV-Sender Rossia. Zusammen mit unterschiedlichen „Experten“ wird er nicht müde, beim Verdrehen der aktuellen Weltereignisse, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. In der letzten Sendung fiel er insbesondere mit seiner empörenden und völlig absurden Ansprache an Olaf Scholz auf:

„Neulich drehte Scholz völlig durch. Er sagte, dass Deutschland solange der Ukraine mit Geld und Waffen helfen wird, bis Putin seinen fatalen Fehler anerkennt. Hör mal du, Scholz, es war nicht Putin, der einen fatalen Fehler begangen hat, sondern Gorbatschow, als er zugelassen hat, dass sich die zwei Deutschlands wiedervereinigen konnten. Das war ein Fehler. Einen Fehler machte Genosse Stalin, als er seinerzeit entschied: ‘Naja, vielleicht sollte man so nicht mit Deutschland umgehen, es darf doch weiter existieren‘….Damit du, Motte, es wagen kannst, etwas gegen Russland zu sagen“.

Dass Putins Lieblingsjournalist ausgerechnet den deutschen Kanzler als Motte beschimpft, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Und ist vielleicht Projektion: Putins Spitzname beim KGB war wegen seiner Unscheinbarkeit „Motte“, und später wurde er auch von politischen Gegnern so genannt.

Der Blogger Alexander Sosnowski, unter anderem früher Korrespondent der Deutschen Welle und in Berlin ansässig, aber heute Dauergast im russischen Staatsfernsehen und dort immer für Hetze gegen seine Wahlheimat Deutschland zu haben, sagte, dass die Anzahl der Projektile, die bei der Bundeswehr mit ihrem gesamten Panzerarsenal im Einsatz seien, 6000 Stück betrage, was für ungefähr 10 Minuten Kampf reichen solle. Als er das hörte, drohte Solowjow schon mit einem Angriff auf Berlin. „Berlin ist also nicht geschützt? Sie befinden sich doch im Krieg mit Russland…“, sagte er. „Dann sollten sie doch verstehen, dass die Folgen eines solchen Krieges – und ich möchte daran erinnern, dass unsere Flugzeuge schon damals, am Anfang des Zweiten Weltkrieges bis nach Berlin fliegen konnten. Ja, sie konnten. Und jetzt haben wir noch etwas Effektiveres. Wir können vieles machen. Deshalb: Deutsche, lernt die Lektionen der Geschichte.“

Schon früher fiel die Kreml-Propaganda mit absurden Behauptungen auf. Eine der letzten war der Vorwurf an Olaf Scholz, „Enkel eines SS-Generals zu sein“. Wenn man diese plumpen Fakes zusammenaddiert und versucht, daraus eine logische Abfolge zusammenzubekommen, dann entsteht in etwa folgendes Bild: Scholz sei ein Nazi, weil er ein Enkel eines SS-Generals sei. Deutschland habe kaum Waffen, Russland aber schon, und zwar viel Effektivere. Deshalb sollen die Deutschen aus der Geschichte lernen und Angst vor russischen Wunderwaffen bekommen.

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Ekaterina Quehl ist gebürtige St. Petersburgerin, russische Jüdin, und lebt seit über 16 Jahren in Berlin. Pioniergruß, Schuluniform und Samisdat-Bücher gehörten zu ihrem Leben wie Perestroika und Lebensmittelmarken. Ihre Affinität zur deutschen Sprache hat sie bereits als Schulkind entwickelt. Aus dieser heraus weigert sie sich hartnäckig, zu gendern. Mit 27 kam sie nach einem abgeschlossenen Informatik-Studium aus privaten Gründen nach Berlin und arbeitete nach ihrem zweiten Studienabschluss viele Jahre als Übersetzerin, aber auch als Grafik-Designerin. Mittlerweile arbeitet sie für reitschuster.de.

 

 

Bild: Screenshot all-make.net
Text: eq
Übersetzung: Ekaterina Quehl

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