„Corona-Diktatur“ – ein Unwort? Rotgrüner Verein vergibt Negativ-Preis

Ein Gastbeitrag von Thomas Paulwitz

„Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“ wurden heute zu den Unwörtern des Jahres bestimmt. Erstmals hat die „Sprachkritische Aktion“ gleich zwei Unwörter benannt. Mit dem Ausdruck „Corona-Diktatur“ würde die Regierungspolitik diskreditiert, empören sich die Sprachkritiker. Das von der EU geprägte Wort „Rückführungspatenschaften“, bei dem es um die Koordinierung von Abschiebungen geht, sei „zynisch und beschönigend“.

Mit dem Unwort ist es wie mit dem Unkraut. Brennnessel, Löwenzahn und der Giersch treiben die einen Gärtner in den Wahnsinn. Verzweifelt versuchen sie, ihren geliebten Rasen vor dem Befall zu retten, oft vergeblich. Die anderen Gärtner lehnen sich zurück, trinken Brennnessel-Tee und decken ihren Vitamin-C-Bedarf mit Giersch- und Löwenzahnsalat.

Je nachdem, wie man eine Pflanze betrachtet, kann sie entweder als Heilkraut oder als Unkraut empfunden werden. Genauso ist es mit den Wörtern. Ob ein Wort als nützlich oder als Unwort wahrgenommen wird, kommt auf den Zusammenhang und auf den Standpunkt des Betrachters an.

Man schlägt den Sack und meint den Esel

In Wirklichkeit sieht die Jury der Unwörter des Jahres vermutlich nicht so sehr das Wort „Corona-Diktatur“ als problematisch an, sondern eher die ihrer Ansicht nach überzogene Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung. Sie ertragen es nicht, daß viele Bürger das Außerkraftsetzen von Grundrechten als diktatorisch empfinden und auch als das bezeichnen. Dasselbe gilt für die „Rückführungspatenschaften“. Wahrscheinlich stört die Jury die ihrer Meinung nach schlecht organisierte Abschiebepolitik der EU. Man problematisiert ein Wort, will aber in Wirklichkeit die Haltung kritisieren, die dem Ausdruck zugrunde liegt.

Dass ihr politischer Standpunkt links angesiedelt ist, daran ließ die „Sprachkritische Aktion“ bei der Wahl ihrer Unwörter in den vergangenen Jahren keinen Zweifel. 2019 störte sie sich an der Verwendung des Wortes „Klimahysterie“, 2018 ächtete sie das Wort „Anti-Abschiebe-Industrie“, 2017 wollte sie „Alternative Fakten“ verbannen, 2016 „Volksverräter“ und 2015 „Gutmensch“.

Wörterverbote helfen nicht

Sich sprachkritisch zu äußern, ist das gute Recht politischer Akteure von Rechts bis Links. Eine solche Sprachkritik setzt sich freilich dem Verdacht aus, unter dem Deckmantel der Sprachkritik Politik zu betreiben, indem sie dem politischen Gegner Kampfbegriffe zu entwinden trachtet. Nicht ohne Grund sieht sich die Aktion in ihrer Pressemitteilung dazu genötigt festzustellen, dass sie keine Zensur betreiben will. Die „Unwort-Wahl“ sei „keineswegs als Zensurversuch zu verstehen“, sondern solle „zur Diskussion über den öffentlichen Sprachgebrauch und seine Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben“ anregen, beeilen sie sich zu erklären.

Letztlich kann man freilich einem Missstand nicht abhelfen, indem man vorschreibt, mit welchen Wörtern darüber zu sprechen sei und mit welchen nicht. Ganz im Gegenteil besteht die Gefahr, durch Wörterverbote um den heißen Brei herumreden zu müssen und dadurch aneinander vorbeizureden. Die Betreiber der Aktion schlagen den Sack und meinen den Esel. Lasst den Sack in Ruhe und schlagt doch lieber gleich den Esel, natürlich nur bildlich gesprochen, ihr seid ja keine Unmenschen.

Sehen Sie hier mein aktuelles Video zur Ankündigung eines „totalen Lockdowns“, trotz einer Studie, die dessen Nutzen widerlegt.



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Thomas Paulwitz (*1973) ist Mitbegründer und Chefredakteur der seit dem Jahr 2000 erscheinenden Zeitschrift DEUTSCHE SPRACHWELT (Erlangen).
Außerdem ist er Vorstandsvorsitzender der in Düsseldorf ansässigen Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache sowie Vorstandsmitglied und Mitbegründer der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen/Anhalt. 2006 erhielt er den Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten „in Anerkennung seiner herausragenden Verdienste für einen engagierten unabhängigen Journalismus“. Die Sprachpflegezeitschrift DEUTSCHE SPRACHWELT erscheint vierteljährlich in gedruckter Form und dient den Bürgern, die sich um die deutsche Sprache sorgen, als Sprachrohr. Der Bezug der spendenfinanzierten Zeitschrift ist kostenlos: Postfach 1449, 91004 Erlangen, [email protected]
Bild: Holmes Su/Shutterstock
Text: Gast
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