Der Täter von Idar-Oberstein – traumatisiert durch Familiendrama? Offenbar tödliche Gewalt bei den Eltern

Ereignisse, die landesweit riesige Wellen schlagen, stellen kleine Teams wie meines manchmal vor kaum lösbare Aufgaben. Zum mutmaßlichen Täter von Idar-Oberstein erreichte mich heute eine Nachricht eines Lesers, die von einer grausamen, ja gruseligen Familiengeschichte des Mannes berichtet. Auch in einem ausführlichen Telefonat bestätigte der Mann, der mir schon von früher bekannt ist, seine Angaben und wirkte ortsfest und glaubwürdig. Alexander Wallasch wurden die Angaben des Lesers aus einer unabhängigen, zweiten Quelle vor Ort bestätigt. Demzufolge ist das, was der Leser berichtet, heute Ortsgespräch. Das ist keine Verifizierung und kein gerichtsfester Beweis, zeigt aber, dass die Ausführungen zumindest keine gezielte Irreführung sind. Alexander Wallasch konnte für meine Seite direkt mit dem zuständigen Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann sprechen und ihn zu der Leser-Nachricht befragen. Der Beamte sagte, Gerüchte würden von ihm weder bestätigt noch dementiert. Interessanterweise stellte er noch einmal klar, dass er sich nie dahingehend geäußert habe, dass der Tatverdächtige in Verbindung mit der „Querdenken“-Bewegung stehe. Ich halte es für richtig und wichtig, ja unerlässlich, die Erzählung des Lesers wiederzugeben – zumal das, was dort geschildert wird, am Ort in aller Munde ist. Seine Aussagen sind zu brisant, um sie zu verschweigen. Ich hoffe sehr, dass andere Medien noch weiter recherchieren können und noch mehr über den Tatverdächtigen bekannt wird. 

Hier Auszüge aus dem Schreiben (die mit XXXXXX gekennzeichneten Passagen sind von mir gelöscht, um auszuschließen, dass Dritte identifizierbar sind): 

Ich möchte Ihnen zu der Bluttat in Idar-Oberstein noch Folgendes mitteilen. Ich komme aus Idar-Oberstein.
Ich kenne flüchtig die Ehefrau des Schützen. Sie kommt aus XXXXXX und arbeitet bei XXXXXX an XXXXXXX bei mir
um die Ecke. Sie ist sehr beliebt und überaus hilfsbereit. Nun zum Schützen. Der Nachbar meines Gartengrundstücks
ging ab und zu mit ihm spazieren. Er meinte gestern zu mir, dass der Täter mit Vorsicht zu geniessen gewesen sei.
Jetzt komme ich aber zum springendem Punkt. Der Vater des Täters versuchte seine Frau, also die Mutter des Täters,
zu ermorden. Er ging davon aus, dass sie tot sei und erschoß sich dann. Das Unglück geschah in Herrstein, einem kleinen Dorf
in der Nähe Idar-Obersteins. Was ich damit sagen will:
Die Presse stellt heute einen Zusammenhang von einem impfskeptiker, dann einem vermutlichen Querdenker hin zum Mörder und am Ende
mit Rechtsextremismus her. Kein Wort von einer vielleicht kranken Psyche .

Weiter heißt es in dem Brief:

„Durch die Corona-Problematik verlor er angeblich seinen Job. Daher gehe ich davon aus, dass der Mann extrem unter dem Druck mit seiner angegriffenen Psyche gestanden hat und er einfach ausgetickt ist.“

Tatsächlich berichtete die „Nahe Zeitung“ am 27. März 2020: „In Herrstein (Landkreis Birkenfeld) hat am Donnerstagabend ein 70-jähriger Mann zunächst versucht, seine 72-jährige Frau zu erschießen, und anschließend die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Das bestätigte das Polizeipräsidium Trier auf Anfrage unserer Zeitung. Der Mann verstarb noch am Unglücksort, die Frau wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert und notoperiert. Wie es der Seniorin derzeit geht, ist ungewiss. Zu Hintergrund und Motiv machte das Polizeipräsidium keine Angaben.“

Auch das ist kein gerichtsfester Beleg dafür, dass die Angaben in der Email tatsächlich zutreffen. Aber ein klares Indiz. 

Zur Einordnung des Briefes hier auch das Telefonat von Alexander Wallasch für reitschuster.de mit dem ermittelnden Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann um 14.20 Uhr, das von ihm mitstenographiert wurde:

Stimmen die Angaben aus der Email zu den Eltern des Täters? Können sie das bestätigen?
Nein. Das kommentiere ich nicht.

Haben Sie davon schon gehört?
Ich kommentiere das nicht.

Warum nicht?
Weil das nicht Gegenstand der Ermittlungen ist.

Aber Sie hatten doch den Tathergang schon kommentiert, was Querdenken angeht.
Das ist nicht richtig. Querdenken habe ich noch nie in den Mund genommen. Ich habe nur das wiedergegeben, was der Tatverdächtige gesagt hat. Wie der sich eingelassen hat. Und zwar in sehr kurzer Form.

Haben Sie schon festgestellt, dass sie falsch zitiert wurden?
Von Ihnen gerade schon. Ich habe nur wiedergegeben, was die Einlassungen des Tatverdächtigen war. Und sonst habe ich überhaupt keine Bewertung abgegeben. In keiner Richtung. Das bleibt auch dabei. Bis ich neue Erkenntnisse habe.

Sie würden aber auch nicht bestreiten, was ich ihnen aus der Email vorgelesen habe?
Ich kommentiere das nicht. Sie haben gefragt warum, dann sage ich: Das ist nicht Teil der Ermittlungen. Ich gebe nur bekannt, was Gegenstand der Ermittlungen ist. Sie können mir glauben, wir führen sehr umfangreiche Ermittlungen. Und wenn es da neue Ergebnisse gibt, dann werde ich die bekannt geben und auch bewerten, was wir ermitteln. Ich kommentiere aber nicht, was zwischendurch mir zugetragen wird, was irgendjemand herausgefunden hat.

Ich dachte, sie hätten solche Informationen über die Familie, wenn sie stimmen, längst in ihren Akten.
Sie verstehen mich nicht. Ich kommentiere keine Gerüchte. Ich bestreite das nicht, bestätige es aber auch nicht. Ich gebe dazu keinen Kommentar ab. Ich werde was insgesamt zum Ergebnis der Ermittlungen sagen, wenn ich soweit bin. Aber nicht zu allem, was mir zugetragen wird, gebe ich jetzt meinen Kommentar ab.

Es handelt sich um Standardantworten des Strafverfolgers, die schwer zu interpretieren sind. Aus der Tatsache, dass er die Angaben aus dem Brief nicht explizit als falsch bezeichnet, darf keinesfalls voreilig der Schluss gezogen werden, dass sie es nicht sein könnten. 

Sollten die Angaben aus dem Brief zutreffen, stünden all diejenigen, die jetzt von Terrorismus reden und die „Querdenken“-Bewegung für die Tat verantwortlich machen, in einem sehr unschönen Licht (bezeichnenderweise sind es oft die gleichen Personen, die bei religiös motivierten Anschlägen gebetsmühlenartig betonen, es handle sich um psychische kranke Einzeltäter und man dürfe das nicht verallgemeinern).

Egal, was den Mann zu seiner Tat motiviert hat: Der Hass, die Spaltung und die Aggression, die in unserer Gesellschaft immer mehr zunehmen, sind mit großer Wahrscheinlichkeit ein Faktor. Und jeder einzelne sollte sich fragen, ob und wie weit er dazu vielleicht beiträgt und was er tun kann, um dieser schrecklichen Entwicklung entgegenzutreten. Autor(en) und Leser eingeschlossen. 

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Bild: Shutterstock
Text: br

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