Der Winter wird heiß – zumindest in der Schweiz Bundesrätin empfiehlt: Duschen zu zweit!

Von Kai Rebmann

Energie in jeder denkbaren Form droht in Deutschland und weiten Teilen Europas in den nächsten Monaten zur Mangelware zu werden. Guter Rat erscheint also teuer, wenn es um Tipps geht, wie sich Strom, Gas, Wasser oder Benzin einsparen lassen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) empfahl seinem Volk daher, künftig zum Beispiel auf das Duschen zu verzichten und stattdessen öfter mal zum Waschlappen zu greifen. Mit diesem Vorschlag hatte der Landesvater zunächst nur die Lacher auf seiner Seite, jetzt gibt es aber die ersten internationalen Nachahmer. Auch die Schweizer Bundesrätin Simonetta Sommaruga glaubt zu wissen, wie sich Wassersparen und Körperhygiene unter einen Hut bringen lassen. Die Sozialdemokratin will ihren Landsleuten das Duschen allerdings nicht madig machen – ganz im Gegenteil!

Im Interview mit „20minuten“ lässt die Zugerin wissen: „Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie man Strom oder Energie sparen kann. Den Computer ausschalten, wenn man ihn nicht braucht, das Licht ausmachen, wenn man nicht im Raum ist. Man kann zu zweit duschen anstatt allein, das spart auch Energie.“ Die sichtlich überraschte Journalistin konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und bedankte sich für diese Tipps: „Jetzt haben Sie mir ein, zwei Sachen genannt, die ich sicher auch beherzigen kann.“

Werden Singles in der Schweiz diskriminiert?

Ob die Rechnung der SP-Politikerin allerdings aufgeht, erscheint indes fraglich. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken lassen jedenfalls das Gegenteil vermuten. Der Nutzer „Marko Kovic“ versuchte sich noch mit nüchterner Sachlichkeit dem Thema anzunähern und twitterte: „Bundesrätin Sommaruga meint, wir sollen zu zweit duschen, um Energie zu sparen. Wie genau soll das effizienter sein? Der Wasserverbrauch sinkt so ja nicht. Oder soll Person 2 sich mit dem Abwasser von Person 1 waschen?“ Andere scheinen sich dagegen ernsthafte Sorgen um den Zustand der Ehe der Bundesrätin zu machen. „Aresthetics“ schrieb dazu: „Ich kenne Frau Sommarugas Beziehung nicht … aber dauert duschen zu zweit nicht grundsätzlich viel länger?“ Eine Erfahrung, die offensichtlich auch „Fabio Luigi Di Lorenzo“ schon gemacht hat: „Wenn man zu zweit duscht, duscht man länger“ Viele weitere Nutzer äußerten ebenfalls Meinungen in diese romantische bis erotische Richtung, die an dieser Stelle aber nicht alle zitierfähig sind.

Eine gesellschaftliche Gruppe von nicht unerheblicher Größe kommt bei den Gedankenspielen der verheirateten Simonetta Sommaruga jedoch zu kurz bzw. wird schlicht ignoriert. Was ist mit den Singles in der Schweiz? Müssen diese sich jetzt einen „Twitterfreund“ suchen, um künftig noch duschen zu können, wie „Shoura Hashemi“ befürchtet? Oder bleibt alleinstehenden Eidgenossen ab sofort nur noch der Griff zum Waschlappen? Man fragt sich voller Angst, welche Vorschläge zum Energiesparen uns die Politiker dieser Welt als nächstes unterbreiten werden. Wir wollen an dieser Stelle aber auf noch so phantasievolle wie ironisch gemeinte Einfälle verzichten – unsere Volksvertreter lesen bekanntlich mit und könnten auf dumme Gedanken kommen.

„Cleverländ“ – Energiesparen mit Winfried Kretschmann

Von der Praxistauglichkeit des Waschlappens überzeugt, sieht sich Winfried Kretschmann offenbar dazu animiert, seine Landsleute in Baden-Württemberg mit weiteren Tipps zum Energiesparen zu beglücken. Im Rahmen der Kampagne „Cleverländ“ geben der grüne Ministerpräsident und seine Kabinettsmitglieder nicht weniger als 34 Ratschläge zu diesem Thema. Nachts sollte die Raumtemperatur gesenkt werden, empfiehlt Kretschmann in einem Video und erklärt, dass sich mit jedem Grad weniger etwa sechs Prozent der Heizkosten einsparen ließen: „Ein Grad weniger heizen spart sechs Prozent Energie; zwei Grad weniger sparen zwölf Prozent; vier Grad schon ein Viertel der Heizkosten. Das lohnt sich also.“ Und wer seine Heizung um 17 Grad herunterdreht, bekommt von seinem Energieversorger sogar noch etwas zurück…

Weiter geht es mit weltbewegenden Tipps zum Stoßlüften, dem laufenden Wasserhahn während des Zähneputzens oder dem Stand-by-Betrieb von Fernsehgeräten. Da die Landesregierung in Baden-Württemberg ihre Untertanen offenbar für ein Volk voller Energie-Banausen hält, schickt Kretschmann im Oktober eine Heerschar von Energieexperten mit einer „Roadshow“ durchs Ländle, die an 24 Stationen Halt machen wird, um die Bürger mit weiteren Tipps zum Energiesparen zu versorgen.

Bei allem Aktionismus wird in Stuttgart eines jedoch übersehen: Während Kretschmann und Co ihren Wählern und Nicht-Wählern vorrechnen, wie sie einen Beitrag zur dauerhaften Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg und Deutschland leisten können, schöpft die Politik die ihr gegebenen Möglichkeiten bei weitem nicht aus. Was hindert Winfried Kretschmann als Ministerpräsident eines der größten und bevölkerungsreichsten Bundesländer daran, zum Telefonhörer zu greifen und seinem Parteifreund Robert Habeck ins Gewissen zu reden? Oder sollen am Ende möglichst viele Bürger den Gürtel enger schnallen, nur damit die Grünen ihre ideologiebasierte Politik weiterbetreiben können?

DAVID
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Shutterstock
Text: kr

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