Wie Selbstdenken zur Verschwörungsfantasie umgedeutet wird „Vertrauensstudie 2022“: Vernichtendes Urteil für Glaubwürdigkeit der Medien

Von Kai Rebmann

Wie ist es um das Vertrauen junger Menschen in Politik, Medien und Gesellschaft in Deutschland bestellt? Das wollte die Bepanthen-Kinderförderung wissen und hat Forscher der Universität Bielefeld mit der Erstellung der „Vertrauensstudie 2022“ beauftragt. Dafür wurden im gesamten Bundesgebiet insgesamt 1.582 Teilnehmer im Alter zwischen sechs und elf (Kinder) bzw. zwölf und 16 Jahren (Jugendliche) befragt. Die Ergebnisse sind ein Paukenschlag und eine schallende Ohrfeige für die Mainstream-Medien und die dort arbeitenden Journalisten. Eine erdrückende Mehrheit gab an, „eher wenig oder sehr wenig“ Vertrauen in Zeitungen (75,8 Prozent) und/oder Journalisten (71,6 Prozent) zu haben. Doch damit nicht genug: Weit über ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen (37,9 Prozent) glauben, dass die Medien ihren Konsumenten wichtige Informationen vorenthalten. 32,8 Prozent sind darüber hinaus der Ansicht, dass bei den berichtenden Journalisten stattdessen die Verbreitung der eigenen Ansichten im Vordergrund steht.

Das ist starker Tobak für die Kollegen beim Mainstream, den diese natürlich so nicht auf sich sitzen lassen wollen. Und deshalb begab sich unter anderem die Welt auf Ursachenforschung. Anstatt aber die eigene Form der Berichterstattung kritisch zu hinterfragen, rief man Holger Ziegler in den Zeugenstand. Der Leiter der „Vertrauensstudie 2022“ sagte dann auch ganz im Sinne des Springer-Mediums aus: „Das eklatante Misstrauen der Jugendlichen in die Medien, verbunden mit der Annahme, dass diese absichtlich Informationen verschweigen oder nur ihre eigene Meinung verbreiten, halten wir für alarmierend.“ Ziegler gestand den Kindern und Jugendlichen zwar noch zu, dass eine gesunde Skepsis, die die erhaltenen Informationen hinterfrage, „sinnvoll und nützlich im Leben“ sei. Aber: Wer nicht nur den Wahrheitsgehalt einer Information infrage stelle, sondern gleichzeitig auch noch glaube, dass die Medien Informationen absichtlich verschweigen, der bewege sich in einem „gefährlichen Bereich der Verschwörungsfantasien“, urteilt Ziegler.

Mainstream-Medien pochen auf ihr Informationsmonopol

Tatsächlich stellt der Leiter der „Vertrauensstudie 2022“ mit solchen Aussagen die Mündigkeit der jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft infrage. Auch Kinder und Jugendliche bekommen zumindest ab einem gewissen Alter mit, dass nicht alles so ist, wie es ihnen von Medien und Politik vorgegaukelt wird. Dazu passt, dass 46,0 Prozent der Befragten auch „eher wenig oder sehr wenig“ Vertrauen in die Bundesregierung haben. Sind das dann alles automatisch „Staatsfeinde“? Wählen dürfen die Studienteilnehmer zwar noch nicht, eine eigene Meinung haben und selbst denken dürfen sie aber sehr wohl.

Genau damit scheinen Welt und Co. aber ein großes Problem zu haben. Nach Ansicht von Holger Ziegler sei bei rund einem Drittel der Jugendlichen ein Hang zur „Verschwörungsneigung“ zu beobachten. Dieser sei vor allem bei denen sehr ausgeprägt, die ihre Informationen zum überwiegenden Teil aus den sozialen Medien beziehen. Jugendliche, die „seriöse Nachrichtenangebote“ nutzten, seien hingegen deutlich weniger anfällig für derartige „Verschwörungsfantasien“. Müssen junge (und erwachsene) Menschen in Deutschland ab sofort also zuerst den Herrn Ziegler fragen, was ein „seriöses Nachrichtenangebot“ ist und wo wir uns informieren dürfen?

Eine gesunde Demokratie lebt aber gerade von der Freiheit der Meinungen und einem möglichst vielfältigen Informationsangebot. Dazu gehört ebenfalls, auch vom Mainstream abweichende Meinungen zu akzeptieren und gegebenenfalls sogar eine Diskussion darüber zuzulassen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene erleben in Deutschland seit mindestens zweieinhalb Jahren aber das genaue Gegenteil. Das schwindende Vertrauen in Medien und Journalisten ist daher keine Überraschung, sondern die geradezu logische Folge. Wenn der Leiter der „Vertrauensstudie 2022“ diese nachvollziehbare Entwicklung dann als „alarmierend“ bezeichnet, so sollte dies das eigentliche Warnsignal sein.

Schwindendes Vertrauen in Mitmenschen

In einem zweiten großen Themenblock der Untersuchung ging es um die Zukunftsängste der Kinder und Jugendlichen sowie die Frage, wem die junge Generation am meisten vertraut. Knapp drei Viertel der Befragten vertrauen am ehesten sich selbst und glauben daran, für jedes Problem eine Lösung finden zu können. Als einen deutlichen Beleg für fehlendes Vertrauen in ihre Mitmenschen sehen die Autoren der Studie dagegen die Tatsache, dass rund zwei Drittel die Meinung vertreten, man sollte im Umgang mit anderen Menschen „lieber vorsichtig“ sein. Bernd Siggelkow vom Kinderhilfswerk „Arche“ bestätigte diesen Eindruck: „Wir sehen bei unserer täglichen Arbeit immer wieder, wie sich Kinder und Jugendliche zurückziehen, wenig vertrauen und mit starken Ängsten kämpfen.“

Oder sehen wir hier die Folgen von zweieinhalb Jahren der Schikane von Kindern und Jugendlichen? Das Ergebnis von Corona-Maßnahmen, unter denen die Jüngsten so oft und so schwer zu leiden hatten wie keine andere Gruppe unserer Gesellschaft? Wie oft wurde unseren Kindern gedroht, dass die „Pandemie“ nur zu Ende gehen könne, wenn sie dies tun oder jenes lassen? Und dann will sich noch jemand ernsthaft darüber wundern, dass Kinder und Jugendliche das Vertrauen in ihre Mitmenschen und die Gesellschaft weitestgehend verloren haben? Dazu passt, dass nur 36,6 Prozent der Jugendlichen angaben, „Angst vor Krankheiten“ zu haben, womit diese Kategorie auf Platz 10 (von 12 aufgeführten) landete – nur davor, keinen Partner zu finden (35,2 Prozent) und vor Zuwanderung (21,3 Prozent) haben die 12- bis 16-Jährigen noch weniger Angst. Auf den ersten Plätzen liegen, wer hätte es gedacht, Klimawandel (74,1 Prozent), Umweltverschmutzung (69,3 Prozent) und Krieg (66,4 Prozent). Inmitten einer vermeintlichen „Pandemie“ sagt ein solches Ergebnis mehr als tausend Worte. Corona hat fertig, auch wenn Politik und Medien das nicht wahrhaben wollen – die Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben es dagegen schon längst gemerkt.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Shutterstock
Text: kr

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