Männer müssen beim Frauen-Schwimmen draußen bleiben Weltverband kündigt Schaffung einer „offenen“ Wettkampfkategorie an

Von Kai Rebmann

Aktuell kämpfen die besten Schwimmer der Welt bei der WM in Budapest um Medaillen, Ruhm und Ehre. Eine der wichtigsten Entscheidungen fiel in Ungarns Hauptstadt am Sonntag aber außerhalb des Beckens. Der außerordentliche Kongress des Weltverbands (FINA) fasste mit einer deutlichen Mehrheit von 71,5 Prozent seiner Mitglieder den Beschluss, dass Frauen beim Schwimmen mit sofortiger Wirkung wieder unter sich bleiben. Damit reagierte die FINA auf den „Fall Lia Thomas“, der im vergangenen Jahr in der Sportwelt für viel Kritik gesorgt hatte.

David
Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Thomas wurde als biologischer Mann geboren, wann genau (1998 oder 1999) weiß aber nicht einmal Wikipedia, und schwamm bis Ende 2019 bei seinen Geschlechtsgenossen in der sportlichen Bedeutungslosigkeit herum. Die Corona-Zwangspause nutzte Thomas für eine Hormontherapie, erklärte sich kurzerhand zur Frau und schnappte sich bei den Collegemeisterschaften im vergangenen Jahr den in den USA sehr prestigeträchtigen Titel über 500 Yard Freistil. Es folgte eine Siegesserie, die die weibliche Konkurrenz des Schwimmers zur dauerhaften Chancenlosigkeit verurteilte.

Woher der Wind für die Entscheidung zum Start bei den Frauen wohl wirklich weht, verriet Thomas schon in den Tagen nach seinem umstrittenen „Triumph“ bei den Collegemeisterschaften. Das große Ziel sei die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris, erklärte Thomas damals in verschiedenen US-Medien. Spätestens eine solche Ankündigung musste beim Weltverband FINA alle Alarmglocken läuten lassen, wenn man nicht riskieren wollte, die olympischen Schwimmwettbewerbe der Frauen zur Farce verkommen zu lassen.

IOC und FIFA ducken sich weg

Während die FINA jetzt ein wichtiges Zeichen für die Chancengleichheit gesetzt hat und dafür erwartungsgemäß wütende Reaktionen aus der LGBTQ-Blase einstecken musste, tun sich andere große Verbände schwer mit einem klaren Bekenntnis zum sportlichen Fairplay. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) geht allen Diskussionen charmant aus dem Weg, indem es die Entscheidung über das Startrecht von Männern in der Frauenkategorie in die Verantwortung der jeweiligen Verbände legt. Selbst der scheinbar übermächtige und sonst gerne so selbstherrlich agierende Fußball-Weltverband FIFA duckt sich weg. Gegenüber der dpa äußerte sich die FIFA so schwammig wie es nur möglich ist. „Die FIFA überarbeitet derzeit ihr Reglement zur Geschlechtergerechtigkeit in Absprache mit Experten“, heißt es dazu aus Zürich. Dies geschehe unter Berücksichtigung der IOC-Charta für Fairness, Inklusion und Nichtdiskriminierung, wie die FIFA weiter versichert. Zu Einzelheiten der vorgeschlagenen Änderungen des bestehenden Reglements wollte sich der Fußball-Weltverband nicht äußern, Anträge auf Spielberechtigung von Transmenschen würden im Einzelfall und unter Berücksichtigung der „klaren Verpflichtung der FIFA zur Achtung der Menschenrechte“ geprüft.

Die FINA hat sich mit der Neuregelung für einen pragmatischen Weg entschieden. Verbandspräsident Husain Al-Musallam will nicht, „dass einem Athleten gesagt wird, er kann nicht an einem Wettkampf auf höchstem Niveau teilnehmen“. Daher will der Kuwaiter eine Arbeitsgruppe einsetzen, um eine offene Kategorie bei Schwimmwettkämpfen zu schaffen. Die FINA sei der erste Sportverband, der das mache. Ausnahmeregelungen soll es im Schwimmen für biologische Männer demnach nur noch geben, wenn sie nachweisen können, dass sie die männliche Pubertät maximal bis zum Alter von 12 Jahren oder nicht über das sogenannte „Tanner-Stadium 2“ hinaus durchlebt haben. Vor der Verabschiedung dieser Regelungen wurden auf dem FINA-Kongress in Budapest ausführliche Stellungnahmen von Sportlern, Ärzten und Menschenrechtlern angehört.

Sportmediziner verteidigt Entscheidung der FINA

Die meisten Experten aus der Sportwelt sind sich einig darüber, dass Männer im Frauensport nichts verloren haben. Jürgen Steinacker, Mitglied der medizinischen Kommission im Weltverband der Ruderer, räumt im ZDF zwar ein, dass es bei dieser Frage „keine eindeutig richtige Regel“ geben könne, dennoch hätten alle, „die als Frau im Sport eine Medaille oder Anerkennung gewinnen wollen, Fairness und den Schutz des weiblichen Wettkampfbereichs verdient“. Es sei zwar zu respektieren, wenn ein Mensch für sich entscheide, sein Geschlecht zu ändern, gleichzeitig müsse aber auch die Frage erlaubt sein, ob dieser dann noch das Recht habe, Olympiasieger zu werden. „Die Biologie kann man nicht wegdiskutieren“, stellt Steinacker klar, der es deshalb nachvollziehbar findet, dass die FINA sich eindeutig positioniert und alle Unklarheiten ausgeschlossen hat.

In vielen anderen Sportarten, etwa in der Leichtathletik, im Eishockey oder aktuell auch noch im Fußball, entscheiden Testosteron-Höchstgrenzen im Blut darüber, ob biologische Männer bei den Frauen teilnehmen dürfen. Dieser liegt bei 5 Nanomol pro Liter. Etwas großzügiger ist die WTA, die Männer bis zu einem Grenzwert von 10 Nanomol pro Liter beim Frauen-Tennis mitspielen lässt. Der Rugby-Weltverband erklärte Anfang dieser Woche hingegen, sich der FINA anzuschließen und bei internationalen Frauenturnieren generell keine Männer bzw. Transmenschen starten zu lassen. Rugby sei ein Vollkontaktsport, wodurch sich das Verletzungsrisiko für biologische Frauen deutlich erhöhe, wie der Weltverband IRL zur Begründung mitteilte.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Shutterstock
Text: kr

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