Nachrichten aus dem Irrenhaus Die heiße Luft der Politiker hilft uns nicht aus der Energie-Misere

Ein Gastbeitrag von Vera Lengsfeld

In letzter Zeit werde ich immer häufiger von irritierten Lesern gefragt: „Bin ich verrückt geworden oder ins Irrenhaus geraten? Ich kann sie beruhigen mit dem Hinweis, dass Henryk Broder schon vor Jahren gesagt hat, dass Deutschland, hätte es ein Dach, eine Geschlossene Anstalt wäre. Das Problem ist, seitdem ist nichts besser, sondern alles viel schlimmer geworden.

Politiker und Meinungsmacher geben Äußerungen von sich, die entweder von tiefer Unwissenheit oder von dreistester Demagogie zeugen. Ich bin mir nicht sicher, was schlimmer ist, denn sie ignorieren oder es beim bloßen Kopfschütteln belassen, kann man nicht, denn sie haben die Macht. Das ist ein Ergebnis einer jahrzehntelangen Entwicklung des Sozialstaates, der sich immer hemmungsloser in die privaten Belange seiner Bürger einmischt und sie mit immer mehr Vorschriften ihrer Freiheit beraubt.

Das gipfelt in den letzten Wochen in Aufrufen zur Einschränkung und Sparsamkeit: Frieren für die Freiheit, Waschen nur noch an vier Körperstellen, auf Mobilität verzichten, nicht mehr fliegen. Innerhalb kürzester Zeit verordnet die Politik Maskenzwang und Abstandsgebot, die Schließung von Einzelhandelsgeschäften, kulturellen Einrichtungen und Schulen wegen Corona, um dann mit dem 9€-Ticket für maximales Gedränge in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu sorgen.

Wir sollen der Wissenschaft folgen, nicht mehr unserem gesunden Menschenverstand. Welcher Wissenschaftler hat Ministerpräsident Kretschmann von den Grünen den Satz vorgegeben, wir hätten ein Gas- und kein Stromproblem?

Meint er wirklich, dass die Haushalte oder die Unternehmen, denen das Gas ausgeht oder abgedreht wird (wovon ja schon die Rede ist), die elektrischen Heizgebläse aus dem Keller holen? Weiß Kretschmann wirklich nicht, dass Gaskraftwerke Strom produzieren, um den Ausfall bei den wetterabhängigen „Erneuerbaren“ zu kompensieren? Seit der Abschaltung der meisten Atomkraftwerke, die zuverlässig CO2-freien Strom lieferten und dem Umstieg auf Wind- und Sonnenenergie ist die Anzahl der Gaskraftwerke in die Höhe geschnellt. Die Regierungen Merkel haben die grüne Ideologie zur materiellen Gewalt werden lassen, die sich jetzt gegen uns wendet.

Was passiert, wenn ab nächstem Januar weitere 4,5 Gigawatt gesicherte und im Übrigen emissionsfreie Erzeugungsleistung fehlen, die mit (dann vielleicht ebenfalls fehlender) russischer Steinkohle oder Gas substituiert werden müssen? Wenn wir keine Strommangellage haben, warum müssen die Kohlekraftwerke länger laufen oder gar wieder ans Netz genommen werden, warum wird dann permanent Gas zur Stromerzeugung verfeuert?

Die grüne Politik aller Parteien hat beschlossen, die Kernkraft abzuschalten, während weltweit neue Atomkraftwerke gebaut werden, auch in unseren Nachbarstaaten. Deutschland kauft Atomstrom teuer ein, demnächst auch vermehrt von der Ukraine. Präsident Selenskij hat angeboten, trotz des Krieges Europa mit Atomstrom zu versorgen.

Steinkohle – haben wir in Deutschland sogar mal selbst gefördert – wurde von der Politik auch abgeschaltet und durch importierte russische Steinkohle ersetzt.

Die Braunkohle soll auch nicht mehr genutzt werden, obwohl wir (noch) über die besten Braunkohlekraftwerke der Welt verfügen, so wie wir die besten AKWs hatten und jetzt auf Strom aus Tschernobyl angewiesen sind.

Deutsches Gas muss im Boden bleiben, weil Fracking von den grünen Politikern verboten wurde. Aber dafür wird der Import von Fracking-Gas aus den USA und den Golfstaaten angekurbelt, obwohl der Transport über die Ozeane enorm umwelt- bzw. klimaschädlich ist und wir über keinen einzigen Terminal verfügen, wo das Gas gelöscht werden könnte.

Gas wird zwar als „Brückentechnologie“ politisch gerade noch für eine Übergangszeit akzeptiert – wir haben aber nicht genug Gas für den nächsten Winter.

Vom Öl sollen wir auch weg, Ölheizungen darf man nicht mehr einbauen.

Holz ist keine Alternative. Holzöfen sind auch nahezu verboten. Es gibt bereits neue Vorschriften zum Einbau von Edelstahlrohren in die Kaminanlagen, und der Einbau ist so teuer, dass sich das nur noch wenige Betuchte leisten können.

Holz ist sowieso knapp. Denn auf 2% der Landesfläche darf nach grünem Diktat kein Holz mehr wirtschaftlich verwertet werden. Es muss im Wald verbleiben, um „Urwälder“ zu erzeugen. Die erhöhte Waldbrandgefahr, besonders in Ausfluggebieten, die stark besucht werden, wird ebenso ignoriert wie die aktuelle Holzknappheit. Holz ist außerdem so teuer, dass sich das kaum noch jemand leisten kann. Frieren im nächsten Winter ist kein Hirngespinst, sondern politisch verursacht!

Solaranlagen sind teuer, bringen im Winter fast nichts und müssen inzwischen aus China importiert werden, weil bei uns fast die ganze Solarindustrie pleite ist. Die Tage sagte ein Glashersteller, dass er zwar noch das Glas für die Solaranlagen produziert, aber bei Gasausfall pleite geht und nicht mehr produzieren kann, weil die Anlagen kaputt gehen, wenn sie abkühlen.

Wärmepumpen gelten als das Nonplusultra, oder auch als letzte Rettung, aber wir haben viel zu wenig a) Wärmepumpen b) Fachkräfte für den Einbau c) Zeit zum Einbau d) Strom zum Betrieb.

Die heiße Luft, die Politiker und Meinungsmacher produzieren, wird uns nicht aus der Misere helfen. Wir müssen uns schon selbst daraus befreien und für eine Politik sorgen, die den Menschen und nicht einer Ideologie dient. Wer schweigt, stimmt zu!

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Vera Lengsfeld, geboren 1952 in Thüringen, ist eine Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Sie betreibt einen Blog, den ich sehr empfehle. Der Beitrag erschien zuerst auf Vera Lengsfelds Blog.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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