Schummellieschen und der Krieg Annalena Baerbock bei Maybritt Illner

Von Alexander Wallasch

Maybritt Illner mit einem Afghanistan Special. Die Moderatorin stellt die Frage: „Triumph der Taliban – woran ist der Westen gescheitert?“ Und dem ZDF fällt nichts Besseres ein, als zur Diskussion um den verlorenen Krieg und die Flucht der Bundeswehr aus Afghanistan Annalena Baerbock einzuladen, die grüne Kanzlerkandidatin und Vertreterin der kleinsten Fraktion im deutschen Bundestag – ausgerechnet jene Partei, die sich einmal vorgenommen hatte, gemeinsam mit der CDU die nächste Regierung zu stellen.

Aber was hat Baerbock hier verloren, außer Wahlkampf zu betreiben und mit einer Welcome-Refugees-Geste auf den offenen Emotionen der Menschen nach den Fernsehbildern der letzten Tage zu surfen? Ja, es droht widerlich zu werden.

Die CDU trägt als Regierungspartei Verantwortung für das Desaster. Wer aber soll in der Runde einen Johann Wadephul, den Vize-Fraktionsvorsitzenden der Union, angemessenen befragen?

Etwa Schummellieschen Baerbock, die schon ihre Tanzkarte bei Merkel-Nachfolger Armin Laschet unterschrieben hat? Die AfD als standhafter Nein-Sager des Afghanistan-Mandats ist nämlich nicht eingeladen – sollen es die eingeladenen Experten richten?

Und welcher Adressat für die Regierungsverantwortung soll das in Gestalt von Wadephul eigentlich sein? Die, welche den großen Mist gemacht haben, trauen sich nicht. Und jene, die den Mist beanstanden wollen, dürfen nicht.

Illner sagt, den Afghanen blieb nur eine Wahl – Unterwerfung oder Flucht. Dass sie zur Gegenwehr nicht bereit waren und aus welchen Gründen, ist aber ebenfalls eine wichtige Frage.

Souad Mekhennet, die Sicherheitskorrespondentin der »Washington Post« ist zugeschaltet, Oberstleutnant André Wüstner, der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, ist dabei, die ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf und die Vorsitzende der Afghan German Association. Patoni Izaaqzai-Teichmann – sie war unter den ersten, die Kabul am Montag verlassen konnten – ist ebenfalls zugeschaltet, erklärt eine Off-Stimme.

Wüstner erscheint in Uniform mit ordentlich Lametta. Illner spielt die Bilder vom Flughafen in Kabul ein und sagt, diese Bilder würde man wohl noch in fünfzig Jahren zeigen. Das ist ziemlich gewagt, die Welt ist kein schöner Ort. Aber möglicherweise haben die Deutschen trotzdem allen Grund, sich dieser Bilder in fünfzig Jahren zu erinnern: Um zu verstehen, wie alles gekommen ist, das ihre Gegenwart dann ausmacht.

Lauscht man heute der Regierung, dann ist jetzt die Stunde, in der jeder Afghane in Deutschland sofort und unbürokratisch Aufenthaltsrecht bekommt.

Wenn Erdogan die Tore öffnet und jetzt auch in der Türkei die Flieger abheben, dann könnte es ungemütlich werden. Aus dreihundert Helfern der Bundeswehr sind schon mindestens zehntausend Personen geworden, denen man helfen will. Alleine die in Afghanistan tätige staatliche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) reklamiert für sich schon tausend Helfer samt Kernfamilien. Und die vielen privaten Nichtregierungsorganisationen sind hier noch gar nicht aufgezählt. Irgendwo war sogar von einem durch einen Ex-Soldaten betriebenen Tierheim die Rede und von Helfern, die der Ex-Soldat gerne draußen haben wolle.

Oberstleutnant André Wüstner weiß von wütenden Veteranen und fehlenden Antworten der Politik. Die Evakuierungspläne hätten schon im April vorgelegen. Wüstner stellt bei aller Zurückhaltung eines klar: „Federführend für den Bereich der Einsätze“ sei natürlich der Außenminister, „das ist so“. Illner hatte ihn zuvor gefragt, wer denn nun zurücktreten müsse.

Vier Bundesminister und ein Kanzleramtsminister sind für die Sendung angefragt, vor den Wahlen haben alle gekniffen.

„Verstörend ist schon, dass Verantwortung und Konsequenz nur bedingt thematisiert sind“, so der Militär weiter. Verantwortung sei eine Frage der Ehre – die Runde ist gedanklich immer noch bei Heiko Maas –, die Ohrfeige für Maas klingt dann auch wie ein satter dumpfer Paukenschlag, dass der Begriff „Ehre“ von einem deutschen Soldaten zur besten Sendezeit umstandslos wieder eingeführt wird, als wäre nichts darum – was für ein Auftakt!

Johann Wadephul (CDU) erinnert an die Verhandlungen mit den Taliban in Doha / Katar und den Wunsch der USA, schneller rauszugehen aus Afghanistan als die Deutschen. „Die deutschen Stellen sind von den Amerikanern nicht immer richtig informiert worden.“
Er erwartet jetzt von den Ministern, dass sie jeden Tag arbeiten „um möglichst viele zu retten“, wie er sagt. Aber wie kann das anders gehen, als den Taliban mit Zugeständnissen und viel Geld einen Bedrängten nach dem anderen abzukaufen?

Annalena Baerbock weicht der Frage aus, ob Heiko Maas zurücktreten muss – möglicherweise braucht sie ihn ja noch für die Option Rot-Rot-Grün. Maas müsse jetzt möglichst viele rausholen, das wäre dann nach Baerbock wohl gewissermaßen seine Buße.

Aber schon hier ist mindestens den Zuwanderungskritikern klar, dass das nächste große Fass gerade aufgeht – und zwar weit über diese Geschichte mit den Ortskräften hinaus.

„Das lässt doch niemanden kalt“, so Baerbock – die Bilder bestimmen jetzt die Politik. Bilder, die Merkel immer vermeiden wollte, als sie 2015 die Büchse der Pandora über Europa geöffnet hatte. Baerbock will mehr Flugzeuge, mehr Listen, mehr Menschen, mehr, mehr, mehr.

„Deutschland steht für mich jetzt in Gänze in der Verantwortung“, so Baerbock auf die wiederholte Frage, wer seinen Hut nehmen muss – die Grüne konstruiert tatsächlich bereits an der nächsten Kollektivschuld aller Deutschen.

Wurden solche Narrative für morgen eigentlich gestern konkret irgendwo ausgedacht oder sind das Selbstläufer? Was für ein unerträgliches, fast roboterhaftes Geplapper, garniert noch mit diesen bemitleidenswerten Wortaussetzern, als wäre sie gerade Opfer irgendeiner Gendersternchen-Stalinorgel geworden.

Da ist auch nichts Einnehmendes, nichts Herzliches, exemplarisch in dieser ganzen Verachtung die Szene gegenüber Habeck, als sie ihn zum Bauern und sich zur Weltenretterin ernannte – alles fettet hier kräftig durch. Ideologin oder Menschenfreundin ist bei Baerbock jedenfalls ein längst gelöstes Rätsel.

Baerbock regt sich auf, dass Anträge überhaupt im Vorfeld ausgefüllt werden mussten, es seien sogar welche abgelehnt worden – welche von Köchen. Aber der Experte aus Wien, Dr. Sarajuddin Rasuly hatte gegenüber reitschuster.de erklärt, dass Köche auch bei der letzten Machtübernahme durch die Taliban im Prinzip nichts zu fürchten hatten. Das klingt hart? Taliban sind doch böse? Natürlich! Aber dann sollte man gleich das ganze dreißig Millionen Köpfe große Land mit einem Asylrecht in Deutschland ausstatten, jedenfalls gedanklich, um den ganzen Irrsinn dieser Debatte zu verdeutlichen.

Joe Biden ist härter als Baerbock: Er sagte in etwa, dass diejenigen, die ihr Land nicht verteidigen wollen und lieber die Taliban regieren lassen, eben auch von diesen regiert werden sollen.

Dass nicht jeder Afghane hier ein Anrecht hat oder von Verwandten über Familiennachzug herausgeholt werden durfte, findet Baerbock einen „schweren politischen Fehler“. Dass hier eingangs nur von dreihundert Ortskräften die Rede war, als die Debatte begann, scheint vollkommen vergessen. Heute hatte jeder Soldat rückblickend seinen eigenen kleinen Hofstaat. Wadephul erinnert Baerbock daran, dass die Grünen der Verlängerung des Mandats zuletzt schon gar nicht mehr zugestimmt hätten. Gottseidank hätten die anderen es ermöglicht.

Oberstleutnant André Wüstner macht deutlich, dass es schon schier unmöglich erscheint, die jetzt auf zehntausend Menschen angewachsene Zahl der Ortshelfer überhaupt zu adressieren und dann noch zum Flughafen zu bringen. Deutlich wird hier auch die ganze Willkür: Die einen haben sich etwas verdient, was allen anderen 30 Millionen Afghanen verwehrt bleibt?

Was hier gerade politisch durchexerziert wird, ist eine Zuwanderungslegitimation großen Ausmaßes. Ja, das Leid ist da, nein, die deutsche Verantwortung der Adoption der nächsten Hunderttausende nicht.

Souad Mekhennet, die Sicherheitskorrespondentin der »Washington Post«, versteht nicht, dass Ortskräfte nicht schon rausgeholt wurden, als klar war, dass sich die Amerikaner zurückziehen. Und sie fragt, was man eigentlich in den letzten zwanzig Jahren dort gemacht hätte. Baerbock wirkt daneben wie ein störrisches Kind, das überrascht ist, dass es überhaupt an der Tafelrunde vor dem Kanzleramt sitzen darf.

Man hat sich erpressbar gemacht, so Mekhennet. Jetzt muss man mit den Taliban verhandeln. Und Ortskräfte weltweit seien abgeschreckt worden, angesichts der fehlenden Zuverlässigkeiten. ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf erzählt von schlimmen Einzelschicksalen, von abgewiesenen Familien, die mit Kindern nicht auf den Flughafen gelassen werden.

Krisenstäbe versuchen aus dem Ausland, diese Leute noch auf den Flughafen zu dirigieren. Geschützte Sammelstellen und Hubschrauber sollen es jetzt bewirken. Aber die Taliban sind ja auch noch da. Laschet wird zitiert, der von einer großen Luftbrücke spricht. Mekhennet sagt, die Taliban könnten jederzeit bestimmen, dass niemand mehr zum Flughafen kommt.

Katrin Eigendorf wundert sich, dass Journalisten viel mehr gewusst hätten als die Geheimdienste. Eigendorf ist glaubwürdig, taff – so eine Journalistin wünscht man sich tatsächlich an der Seite, wenn man in schwieriger Mission unterwegs wäre.

Die zugeschaltete Vorsitzende der Afghan German Association, Patoni Izaaqzai-Teichmann, ist eine der besagten sieben Personen gewesen, die von einer deutschen Maschine ohne weitere Passagiere ausgeflogen wurden. Sie erzählt ihre Geschichte, wie sie zum Flughafen kam, dass sie per Taxi mit einer anderen Aktivistin zum Flughafen gefahren ist, quer durch die Taliban, „die versuchten, den Menschen Angst zu machen“. Die Aktivistin erzählt Erschreckendes: Die deutsche Botschaft hätte sogar falsche Angaben zum Eingang in den Flughafen gemacht, der hätte eine Todesfalle sein können.

„Ortskräfte“ ist der Begriff der Stunde. Auch für immer mehr Afghanen. Denn, das muss man dazu sagen, er bedeutet dauerhafte Aufnahme ohne Antrag in Deutschland. Für Afghanen, die bisher wenig Bleibeperspektive hatten, eine Art Mantra, ein ungeheurer Luxus.

„Es ist einfach grauenhaft“, sagt Maybritt Illner und gibt damit quasi Annalena Baerbock das Stichwort mit der Frage: „Was ist ihr Plan?“ Aber wer sollte auf Pläne von Baerbock Wert legen und was hat sie überhaupt zu entscheiden? Nichts. Sie darf wohl Vorschläge machen, wenn die irgendwer hören mag außer den Öffentlich-Rechtlichen, sonst rein gar nichts.

Annalena Baerbock will „mehr Organisation aus dem Kanzleramt“ heraus. Mehr Flugzeuge, mehr klare Ansagen an die Amerikaner. Aber was will Baerbock wirklich? Warum sitzt sie da und verschafft sich auf diese fast freche wie vorlaute Art und Weise Gehör?

Baerbock sagt, es ginge jetzt um jedes Menschenleben. Und so wie sie es sagt, in all der mitschwingenden Unbestimmtheit, da weiß man, diese Frau ist nicht nur selbstgefällig, sie ist richtiggehend gefährlich für dieses Land – sie meint nämlich alle 30 Millionen Afghanen. Und da hat diese Frau noch gar nicht angefangen, über ihre Vorstellungen der Rettung von Syrien, Irak, Iran, Afrika usw. zu fabulieren.

Halten wir fest: Der Flughafen wird nicht evakuiert, es ist hier – zumindest rein vom Ablauf her – wie mit den Camps auf Lesbos: Sie werden geräumt und füllen sich sogleich wieder. Und das so lange, bis eben nicht mehr geräumt wird. Hinzu kommt, dass die Verwerfungen, die Brutalität und die zukünftigen Bilder von Ermordungen das bittere Narrativ einer deutschen Schuld hochhalten werden. Und Politikerinnen wie Annalena Baerbock werden sich auf dem Rücken dieser Grausamkeiten weiter moralisch erhöhen bis hoch hinauf in eine Kaste der Unantastbaren.

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: Screenshot ZDF 19.08.2021
Text: wal
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