Zwei Drittel der englischen Profi-Fußballer ungeimpft? Der kleine Pieks bei Rasenmillionären umstritten

Von Alexander Wallasch

Sportler – insbesondere die Profi-Fußballer – gehörten relativ früh zu den Bevorzugten während der Corona-Maßnahmen. Die Bedeutung des Fußballs als Instrument der Volksunterhaltung war den Regierenden bei den Planungen der Lockdowns und Maßnahmen immer gegenwärtig. Diese heilige Kuh sollte nicht über Gebühr angetastet werden.

Ja, sogar eine Fußball-EM konnte stattfinden, die Stadien waren trotz mahnender Stimmen teilweise prall gefüllt. Mittlerweile bemühen sich manche Akteure der Corona-Maßnahmen darum, nachzuweisen, dass diese Veranstaltungen wie befürchtet auch sogenannte Super-Spreader-Events, also Horte der Massenansteckung waren.

Aber so recht überzeugend will das nicht gelingen: Die europäische Gesundheitsbehörde hat gerade einmal 2.500 Corona-Infektionen reklamiert mit der Begründung, dass die EM-Macher bei ihren Planungen die Delta-Variante des Coronavirus nicht einkalkuliert hätten.

Wir erinnern uns: Innenminister Horst Seehofer hatte die Haltung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) als „absolut verantwortungslos“ bezeichnet. Passiert ist allerdings seitdem nichts Gravierendes, in den Stadien saßen keine Neunzigjährigen – und selbst wenn, wären sie geimpft, wären sie aus Sicht der Behörden auch geschützt gewesen.

Das ist also das Peripheriegeschehen zu einer bemerkenswerten Beobachtung, welche jetzt in England gemacht wurde. Wo man annehmen müsste, dass die Profifußballer mit ihren umfangreichen Sondergenehmigungen schon während der Lockdowns besonders impffreudig sind, um diesen Sonderstatus zu erhalten, wurde jetzt bekannt, dass fast zwei Drittel der Spieler in Englands Spitzenliga nicht geimpft sein sollen.

Mehr ungeimpfte als geimpfte Profis auf dem Platz

Von 22 Fußballern auf dem Platz in England sind also mutmaßlich 14 bis 15 ungeimpft bzw. nur sieben mit einer Corona-Schutzimpfung im Spiel? Die „Daily Mail“ will das so herausgefunden haben. Aber nicht etwa aus Mangel an Möglichkeit: Die besagten Spieler würden diese Impfungen ablehnen.

Hier wagt man gar nicht weiter nachzufragen, ob das denn auch ein besonderes Problem jener Spieler mit Migrationshintergrund ist, solcher insbesondere, die traditionell in engeren und größeren Familienverbänden unterwegs sind, was auch in Deutschland dazu geführt haben soll, dass die Intensivstationen zu einem überproportionalen Teil auch mit Menschen mit Migrationshintergrund belegt waren bzw. sind. Eine Tatsache, die lange von der Politik gedeckelt wurde, bis es sich nicht mehr verheimlichen ließ.

Englische Zeitungen berichten, dass befragte Klubmitarbeiter von weit verbreiteten Verschwörungsmythen in den Umkleidekabinen der Top-Vereine sprechen. Von Spielern, die Angst hätten vor Impotenz durch die Impfung und sogar davor, mit der Impfung von Bill Gates einen Mikrochip implantiert zu bekommen.

Und diese Profis würden diese Sichtweise nicht einmal für sich behalten, sondern den Nachwuchs damit beeinflussen, sagen die Befragten gegenüber „Daily Mail“. Auch die Times berichtet: Das Blatt schreibt, dass mehrere Spieler von Manchester United religiöse Gründe vorgeben, sich nicht impfen zu lassen.

Die Premier League berichtet, dass in nur sieben Clubs mehr als die Hälfte der Spieler geimpft seien. Streber soll hier die Mannschaft des deutschen Trainers Jürgen Klopp sein: Der behauptete nämlich, dass bei seinem FC Liverpool 99 Prozent der Profis geimpft sind.

Der deutsche Trainerkollege Thomas Tuchel vom FC Chelsea ist da schon vorsichtiger, er spricht von einer Entscheidung von Erwachsenen für oder gegen das Impfen.

Hassbotschaften für Trainer nach Impfkampagne

Erwartbar hat diese Debatte nun auch die englische Nationalmannschaft erreicht. Der Vize-Europameister, der zuletzt zur EM die Fußballfans auf dem Kontinent begeistern konnten, hat laut „Sun“ Stammspieler im Kader, die kategorische Impfgegner seien.

N-TV berichtete außerdem, dass sich der englische Nationaltrainer Gareth Southgate an einer Kampagne des nationalen Gesundheitsdienstes NHS beteiligt hätte, wo er junge Leute dazu aufrief, sich impfen zu lassen. Mit dem Ergebnis, dass er nach eigener Aussage mehr Hassbotschaften erhalten hätte, als nach jedem verlorenen Spiel in der Vergangenheit.

Aber was passiert 2022 in Katar? Schon jetzt wurde bekannt, dass an der WM im Wüstenstaat nur vollständig geimpfte Profis teilnehmen dürfen. Werden diverse Mannschaften hier nur mit einem Rumpfkader auflaufen können?

Zuletzt gefragt: Wie sieht es im Musterland Deutschland aus? Vor ein paar Wochen berichtete Tagesschau Online von einer Kampagne in deutschen Fußballstadien, wo einlaufende Spieler werbewirksam vor den Zuschauern und Fernsehkameras ihren Ärmel hochkrempeln und damit andeuten sollten, geimpft zu sein.

„Damit soll auf die Bedeutung von Impfungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufmerksam gemacht werden“, teilte die Deutsche Fußball Liga mit.

Aber die Tagesschau kommentierte das folgendermaßen:

„So gut die Aktion gemeint ist, so widersprüchlich wirkt sie dennoch, weil sich gerade wieder die Coronafälle im deutschen Fußball häufen. Offenbar ist die Impfbereitschaft der Spieler auch nicht so hoch wie sie sein sollte, heißt es hinter vorgehaltener Hand.“

Symptomfrei in Quarantäne

Die Infektionen häufen sich in den Mannschaften. Darmstadt, Duisburg und Karlsruhe mussten in Quarantäne, was allerdings nicht heißt, dass es ernstzunehmende Erkrankungen gegeben hätte. Hier geht es um Ergebnisse von Testungen, welche die Quarantäne ausgelöst haben.

Sportschau Online schrieb dazu: „Den Spielern gehe es den Umständen entsprechend, sie wiesen keine bis mittlere Symptome auf (…). Unter ihnen befinden sich nach Klub-Angaben auch Geimpfte.“

Die Frankfurter Rundschau versucht es mit einer seltsamen Vorstellung von Humor. Dort erinnert der Autor eines Artikels an den Slogan von Nike: „Just do it“. Der allerdings wird im deutschen Profifußball nicht nahtlos in eine Impffreudigkeit überführt.

Die linkspopulistische Zeitung glaubte gar mit einer schon ekelhaften Form von menschenverachtendem Sarkasmus darauf antworten zu dürfen:

„Man fragt sich schon, welche berechtigten Vorbehalte es gegen den nachgewiesenermaßen harmlosen Pieks geben kann bei Profisportlern, die sonst nicht gerade zimperlich mit ihren Körpern umgehen und Schmerzmittel mitunter schlucken, als wären es Smarties.“

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: Shutterstock
Text: wal

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