Den alltäglichen Nazi in unserer Mitte gib uns heute Weniger Rechtsextremismus – aber gleich viel Gefahr

Nach diversen Alarmglocken aus dem Innenministerium kommt die Erkenntnis überraschend: Die von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebene neue „Mitte-Studie“ sieht auf Grundlage einer Befragung einen Rückgang des Rechtsextremismus in Deutschland. Weil das aber das nahe Ende dieser Mitte-Studien rund um Rechtsextremismus wäre, haben sich die Studienmacher der Uni Bielefeld etwas Feines ausgedacht:

Die in Auftrag gegebene telefonische Befragung von 1750 Personen ergab zwar einen deutlichen Rückgang, aber die Gefahr läge jetzt in der Grauzone, heißt es nun. Oder genauer gesagt: im gleichzeitigen Rückgang klarer Haltungen. Die als rechtsextremistisch diffamierte Mitte der Gesellschaft – die letzte Mitte-Studie trug den Titel „Die verlorene Mitte“ – ist zwar angezählt, das Wild angeschossen, aber es hat Rückzugsorte gefunden und leckt in Ruhe seine Wunden.

Also präziseren die Studienmacher rund um Prof. Andreas Zick ihr Narrativ in ihrer Presserklärung: Es sind nur „offen artikulierte rechtsextreme Einstellungen“, die sich auf dem Rückzug befänden. Die Nazis sind derweil, in der Stille getarnt, weiter mitten unter uns. Der Rechtsextreme ist in der Mitte der Gesellschaft abgetaucht, so heißt es nun. Ein Indiz dafür sei, dass die „eindeutig demokratische Grundhaltung“ aufweichen würde – das zumindest will man herausgelesen haben aus den Ergebnissen der Corona-bedingt telefonisch durchgeführten Interviews.

„Insgesamt sind rechtsextreme Einstellungen rückläufig, was sich besonders deutlich bei der Fremdenfeindlichkeit zeigt“, so eine der Schlussfolgerungen: Die Mitte sei aber „mit einem neuen, antidemokratischen Populismus konfrontiert“.

Klingt das nicht alles verdächtig nach der Dystopie eines Karl Lauterbach? Frei nach dem Motto: Es ist nie vorbei, das wäre nämlich eine Kernschmelze meiner Bedeutung in der Junihitze. Bei Professor Zick könnte man zugespitzt von einer „Coronasierung des Diskurses“ um den alltäglichen Nazi in unserer Mitte sprechen.

Aber wie hebt man den schweren Stein hoch, und suggeriert zugleich, es läge eine böse Schlange darunter? Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld unter der Leitung von Zick hat den Dreh gefunden, indem es sich auf die wachsende Anzahl von „teils/teils“-Antworten konzentriert: Die Mitte sei „in Teilen offen für antidemokratische Positionen, vertritt selbst bei deutlich rechtsextremen Aussagen bisweilen uneindeutige Meinungen.“

Mit anderen Worten: Die sollen es endlich laut herausschreien und Flagge zeigen: Reiht Euch ein in die Einheitsfront der guten Deutschen, kneifen gilt nicht mehr!

Die Studie liefert sage und schreibe 87 Grafiken mit. Eine davon betrachtet beispielsweise „rechtsextremistische Einstellungen in der (Wohn-)Bevölkerung 2014-2020/21“ mit einem erstaunlichen Rückgang in allen drei angezeigten Bereichen „Befürwortung Diktatur“, „Chauvinismus“ und „Verharmlosung des Nationalsozialismus“.

Andreas Zick spricht im Vorwort zur Studie davon, vom Rechtsextremismus gehe „im besonderen Maße eine gewalttätige Bedrohung der Demokratie aus“. Zudem würde er die Mitte stärker erreichen. „Rechtsextreme nehmen für sich in Anspruch die Mitte zu sein, oder sie suchen mit ihrer Propaganda die Mitte, rekrutieren in der Mitte und schlagen Brücken über den Rechtspopulismus.“

Zick gelingt es – ganz routiniert aus diversen Vorgänger-Studien – den Linksextremismus fast gänzlich aus seiner Studie auszublenden. Der Grund ist einfach: Linksextremismus in der Mitte zu verorten, gehört nicht zur Aufgabe dieser von der SPD-Stiftung beauftragten Studie.

Der blinde Fleck über 395 Seiten ist dadurch allerdings obszön groß. Der Kaiser ist nackt und tanzt auch noch! Da steht nichts von einer gewalttätigen Antifa in dieser Studie, die immer mehr in die Mitte rücken würde, einer Antifa, die beispielsweise Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen mit großer Drohkulisse gegen die freie Meinungsäußerung regelmäßig begleitet und „Impfen ist Liebe“ skandiert oder drohend verspricht: „Wir impfen euch alle.“

Aber keine Sorge, Zick und seine Mannschaft haben schon vorgesorgt, hier muss niemand im Team fürchten, ohne einen adäquaten Rechtsextremismus wäre man geliefert. Der Untertitel der neuen Mitte-Studie weist den Weg in die Zukunft: Es geht nicht mehr nur um Rechtsextremismus, sondern zukünftig auch um andere „demokratiegefährdende Einstellungen“. Eine weiße Fläche für alle möglichen schmutzigen Farben. Und ein großes Selbstbewusstsein: Wir bestimmen ab jetzt, wer oder was die Demokratie gefährdet. Ihr da in der wohligen Mitte der Gesellschaft könnt nie mehr sicher sein, dass es Euch nicht erwischt, wenn Ihr nicht bereit seid, aktiv mitzugehen.

Die Söldner im Angriffskrieg gegen die bürgerliche Mitte sind in Stellung gegangen. Und auch wenn sie mit der neuen Mitte-Studie „Die geforderte Mitte“ zu verschnaufen scheinen, keine Sorge, für solche ideologisch verbrannten Köpfe geht der Kampf einfach immer weiter – und wenn es am Ende die Mitte kosten sollte.

 

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Bild: Shutterstock
Text: red

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