Geimpfte und Ungeimpfte: Droht Zwei-Klassen-Gesellschaft auf der Intensivstation? Leopoldina-Forscher bringt "Triage" der anderen Art ins Spiel

Die Leopoldina, für die auch Merkels Angetrauter Joachim Sauer tätig ist, erwies sich in der Corona-Zeit als so stramm auf Regierungslinie, dass kritische Mitglieder sogar austraten. Nun macht ein Mitglied der „Deutschen Akademie der Naturforscher“, wie sich die Leopoldina nennt, von sich reden. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung macht Armin Falk sich für eine Impfpflicht stark. Zitat: „Sich nicht impfen zu lassen, hat nichts mit Rationalität zu tun, sondern einfach nur mit Eigennutz.“ Das ist erstaunlich. Und nicht zu Ende gedacht. Denn damit behauptet der Verhaltensforscher ja, es gebe einen Eigennutz darin, sich nicht impfen zu lassen – also, dass der „Impfverweigerer“, wie es Neudeutsch heißt, einen Nutzen von seiner Verweigerung hat.

Falk ist diese Formulierung sicher im Eifer des Gefechtes herausgerutscht – obwohl Interviews hierzulande ja in der Regel autorisiert werden, eine Unsitte im deutschen Journalismus – und man sollte sie deshalb nicht für bare Münze nehmen. Weiter sagte der Forscher dann, es sei „nicht wirklich etwas anderes als Schwarzfahren, Steuerhinterziehungen“, wenn man sich nicht impfen lässt. Hört, hört! Es geht also nicht um den Selbstschutz, sondern um den Fremdschutz. Und das, wo gerade die Chefin der US-Gesundheitsbehörde sagte, auch mit Impfung könne man die Delta-Variante des Virus weitergeben (siehe hier). In Richtung Hubert Aiwanger, Vize-Ministerpräsident von Bayern und bekennender Impf-Muffel, sagte Falk: „Klappe halten, impfen lassen, würde ich ihm raten.“

Es ist erstaunlich, was für ein aggressives, ja fast schon totalitäres Denken bei Menschen zu Tage tritt, die man eigentlich für gebildet halten dürfte. Auf die Frage, welche Anreize sinnvoll seien, um Menschen dazu zu bringen, sich impfen zu lassen, antwortet Falk: „Wenn Beatmungsgeräte knapp werden oder wir nochmal in eine Triage-Situation kämen, was ich nicht hoffe, und wir dann vor der Wahl stehen, ob ein Geimpfter oder ein Nicht-Geimpfter die Behandlung bekommt, dann würde ich sagen, dass der Impfstatus mit in die Abwägung einfließen sollte.“

„Nochmal in eine Triage-Situation“? Bisher ist meines Wissens keine nachgewiesen in Deutschland in Sachen Beatmungsgeräte. Ein entsprechender Bericht eines einzelnen Arztes wurde von den zuständigen Stellen dementiert.

Aus der Logik des Verhaltensforschers heraus würde das bedeuten, im Zweifelsfall einfach die Ungeimpften auszusortieren, wenn nicht genügend Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind. Dem Leopoldina-Wissenschaftler ist offenbar gar nicht bewusst, auf welch extrem dünnes Eis er sich damit begibt. Müsste man so eine Logik dann nicht auch folgerichtig etwa auch auf Raucher oder Sportwagenfahrer anwenden, wenn es einmal knapp wird mit Behandlungsmöglichkeiten. Und zudem: Die Impfung schützt doch nach amtlichen Angaben sehr zuverlässig vor schweren Verläufen. Die wenigen Ausnahmen, die es offiziell gibt, dürften doch keine so große Rolle spielen, dass man gleich Triage ins Spiel bringt…

Falks Aussagen zeigen, wie vergiftet die Diskussion zum Thema Impfen in Deutschland ist. Sie erinnert beinahe an die Glaubenskriege. Der Historiker Heinrich August Winkler mahnte schon 2018, vor Corona: „Die deutsche Debattenkultur trägt leider immer noch Schlacken der absolutistischen Zeit. Es gibt auch eine Art von intellektuellem Absolutismus, die typisch ist für Staaten, die eine lange absolutistische Vergangenheit haben. Das gilt leider auch für Deutschland. Man findet diese Unerbittlichkeit im pragmatischen angelsächsischen Denken sehr viel weniger. In Deutschland gibt es in der Debattenkultur noch immer Spuren der Parole: ‘Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag’ ich dir den Schädel ein.‘ Diese Art von politischer Debatte im Geiste der Religionskriege ist ein Stück der deutschen Pathologie.“ Corona hat diese Tendenz offenbar noch massiv verstärkt.

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Bild: Shutterstock
Text: red

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