Globale Freiheitsbewegungen – Gibt es sie? Die staatliche Ordnung liegt überall mit der Freiheit im Krieg

Ein Gastbeitrag von Sönke Paulsen

Wenn irgendwo nach Freiheit gerufen wird, hat man sich schon daran gewöhnt, nach den Hintergründen zu fragen. „Friede, Freiheit, keine Diktatur“ war der Slogan vor allem niederländischer, junger Demonstranten, die besonders hartnäckig gegen die Freiheitseinschränkungen in der Pandemie protestierten. Der Slogan wurde in den meisten europäischen Ländern übernommen.

Die gewalttätigsten Auseinandersetzungen mit dem Staat gab es aber in Frankreich, sowohl während der Pandemie als auch davor im Rahmen der zweijährigen, intensiven Proteste der Gelbwesten-Bewegung.

Die Querdenker-Demos in Deutschland waren harmlos dagegen und die Montagsspaziergänge sind tatsächlich Spaziergänge, die von der Polizei und einigen Gegendemonstranten gestört werden.

In Holland jedenfalls wurden Hunde auf die Demonstranten gehetzt. Das sind neue Maßstäbe in der staatlichen Bekämpfung von Freiheitsliebe.

Diese Maßstäbe kennen wir nicht einmal aus Osteuropa, wo Demonstranten im großen Stil verhaftet werden, wie in Belarus und Russland. Aus Zentralasien wissen wir jetzt, dass Demonstranten auch rücksichtslos zusammengeschossen werden, wie einst in China auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking.

Ich kenne keinen Ort auf der Welt, wo Freiheitsdemonstrationen vom Staat gleichgültig hingenommen werden. Die Staatsgewalt reagiert in aller Regel im Sinne ihrer eigenen Bezeichnung: „Mit Gewalt“!

Es wirkt ein wenig so, als wäre die Forderung nach Freiheit die schlimmste Bedrohung für die staatliche Ordnung, auch wenn gerade westliche Demokratien mit dem Begriff liiert zu sein scheinen. Aber eben nicht richtig liiert.

Übertragen ausgedrückt könnte man sagen, dass kein Staatsoberhaupt, kein Regierungschef, kein Geheimdienst und nur sehr wenige Abgeordnete in den Parlamenten tatsächlich bereit wären, mit der Freiheit ins Bett zu gehen. Viel eher ist deren Geliebte die Macht, die in dunkler Reizwäsche, mit Latex und Schockgranaten an den Strumpfhaltern daher kommt. Will sagen, sexuell hochgerüstet, bis an die Zähne, ganz im sadomasochistischen Sinne. Denn das ist Macht. Sadomasochistische Beziehungen, das weiß man in der Psychologie, sind die stabilsten Beziehungen. Kaum einer kommt davon weg.

Nun liegt mir nicht daran, den Begriff der Freiheit zu sexualisieren, obwohl das schon oft genug getan wurde. Mir liegt eher daran, die fehlende erotische Bindung unserer Regierungen weltweit an die Freiheit deutlich zu machen. Kürzer ausgedrückt ist die Freiheit so bedeutend wie ein Liebesversprechen von vor fünfzig Jahren. Man erinnert sich kaum daran.

Die Annahme, dass der Kapitalismus zu freiheitlichen Verhältnissen führt, hat sich auch nicht bewahrheitet. Eher ist es so, dass der Kapitalismus ein geschickter Lügner in Sachen Freiheit ist und gerne Revolten im Namen der Freiheit anheizt, um sich neue Märkte zu erschließen. Da man Freiheit nicht kaufen kann, bietet die kapitalistische Wirtschaft uns nur Symbole der Freiheit zum Kauf an, eine Art Devotionalienhandel mit Freiheitshoffnungen, die man zusammen mit einem Auto, einer Reise oder einem neuen Parfum erwerben kann.  Ein bisschen ist es so, als würden die freiheitsliebenden Menschen nach „Liebe“ rufen und als Antwort darauf mit Angeboten der Pornoindustrie überhäuft werden. Freiheit aber lässt sich nicht vermarkten und lässt sich auch mit den besten pornografischen Mitteln nicht einfangen.

Der kapitalistische Mensch muss sich also mit einer „als-ob-Version der Freiheit“ zufriedengeben.

Ich schreibe das nur deshalb, um deutlich zu machen, dass, wenn Menschen für Freiheit auf die Straße gehen, in der Regel nicht nur ein Angriff auf die staatliche, sondern auch auf die wirtschaftliche Ordnung vorliegt. Somit ein Angriff auf alles, was auf diesem Globus mächtig ist, zugleich.

Das wird, wie wir eingangs gesehen haben, so gut wie immer bestraft!

Dies ist nicht nur analog so, sondern auch digital und wie zum Beweis ist der einzige und bestweggesperrte politische Gefangene des Kapitalismus ein Kämpfer für ein komplett freies und transparentes Internet. Die Rede ist von Julian Assange, der wie ein Terrorist im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh isoliert wird. Wer den neuen James Bond kennt, weiß, dass die Briten ansonsten nur echte „Weltenmörder“, wie den „Universalterroristen Blofeld“, dort vermuten. Tatsächlich aber sitzt dort exklusiv ein Journalist ein, der zu viel Freiheit wollte.

Die Frage, ob es eine globale Freiheitsbewegung gibt, beantwortet sich auf diese Weise von selbst. Denn es kann sie nicht geben, wenn sie derart radikal bekämpft wird – und zwar überall auf der Welt. Das mag auch der Grund sein, dass der russische und der chinesische Präsident gleichermaßen nicht an Freiheitsbewegungen in ihren und den angrenzenden Ländern glauben. Denn die Forderung nach Freiheit ist eigentlich Terrorismus. Als Terroristen werden Freiheitskämpfer auch bezeichnet, egal ob in Russland, China, den USA und der Türkei und erst recht in der EU, wo dieses Label gerade den Querdenkern und Corona-Demonstranten übergeholfen wird.

Freiheit ist ein Ding der Unmöglichkeit für diejenigen, die von der jeweiligen staatlichen und wirtschaftlichen Ordnung profitieren. Deshalb werden Freiheitsbewegungen überall auf der Welt wie Waldbrände bekämpft. Für diejenigen, die nicht profitieren, ist Freiheit eine unmögliche Hoffnung.

Vielleicht ist das der Grund, warum Freiheitsbewegungen weltweit diskreditiert werden, als rechtsradikal, als verdeckte Einflussnahme aus dem Ausland oder als staats- und sogar demokratiezersetzend.

Wir müssen feststellen, dass Freiheit der größte Feind der Machthaber überall auf der Welt ist und kein grundsätzlicher Unterschied besteht zwischen mehr oder weniger demokratischen Staaten, zwischen Staatsformen, die illiberal wirken und solchen, die sich als liberal bezeichnen. Die Freiheit ist nirgendwo willkommen. Wer sie vertritt, stellt sich außerhalb!

Das sollte man wissen!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt auch in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt“. Hier finden Sie seine Fortsetzungsgeschichte „Angriff auf die Welt“ – der „wahre“ Bond.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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