Löst eine „Diversity“-Aktion das Nachwuchsproblem der Bundeswehr? „Team Luftwaffe zeigt Flagge für Vielfalt“

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus

Nach wie vor pfeift die Bundeswehr aus dem letzten Loch: materiell und personell. Die Hauptwaffensysteme – Flugzeuge, Panzer, Schiffe – sind je nach Baujahr nur zwischen 30 und 75 Prozent einsatzfähig. Piloten verlieren ihre Lizenzen, weil zum Beispiel nicht genügend Hubschrauber einsatzfähig sind und die Bundeswehr für Übungszwecke Helikopter beim ADAC anmieten muss. 22.000 Stellen sind nicht besetzt. Zugleich jagt eine Strukturreform die andere. Nun soll ein neues nationales Führungskommando kommen. Es ist zu befürchten, dass auch dies nichts bringt. Aber immerhin weckt so etwas die Illusion eines Fortschritts. Dennoch: Die Bundeswehr hat sich von 16 Jahren Kanzlerschaft Merkel noch lange nicht erholt. Und auch nicht von fünf Jahren des Ministergehabes einer Ursula von der Leyen.

Und dann erst die Nachwuchswerbung! Soeben ging der oberste Soldat der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, Generalleutnant (mit drei goldenen Sternen auf der Schulterklappe) anlässlich des „Deutschen Diversity-Tages 2021“ vom 18. Mai 2021 mit dem Motto „Team Luftwaffe zeigt Flagge für Vielfalt“ in die Öffentlichkeit. Dieses Motto ist zunächst relativ belanglos. Vielleicht denkt man auch unwillkürlich daran, dass die Luftwaffe nun endlich ein breiteres Spektrum an einsatzbereiten Flugkörpern hat. Aber dann eben die Positionierung am „Diversity-Tag“. Man hätte es ahnen müssen. Der General klärt uns auf – unterlegt mit einem 5-Minuten-Video mit Statements von sechs Soldaten:

„Wir sind männlich, weiblich und divers. Wir sind weiß, braun und schwarz. Wir sind hetero, schwul und lesbisch. Wir sind christlich, muslimisch und jüdisch. Wir sind noch viel mehr. Wir sind vielfältig. Wir sind das #Team Luftwaffe!“ „Vielfalt bedeutet für mich Stärke.“ Und: „Gemeinsam setzen wir ein Zeichen für Vielfalt in den Streitkräften.“

Wir lassen mal weg, dass die Luftwaffe „christlich, muslimisch und jüdisch“ sei. Denn wir vermuten, dass fast die Hälfte der Soldaten gar nichts davon ist. Jüdisch sollen von den 183.000 Angehörigen der Bundeswehr rund 300 sein, muslimisch etwa 3.000. Und nur mal am Rande: Allein hinter „divers“ verbergen sich nach Aussagen entsprechender Lobbys mindestens 60 verschiedene sexuelle Identitäten.

Das Nachwuchsproblem der Bundeswehr wird man mit solchen Aktionen nicht lösen, womöglich wird man eher das Gegenteil erreichen. Nur mal eine einzige Zahl: Bis Ende 2020 hatten sage und schreibe 0,0008 Prozent der Bevölkerung bei den Standesämtern als Eintrag für das Geschlecht „divers“ in Anspruch genommen. (Siehe hier).

Woher soll also der Nachwuchs kommen, zumal die größte Anti-Anwerbe-Aktion 2011 das Aussetzen der Wehrpflicht war? Ja, es scheint dem Luftwaffengeneral um Nachwuchs (nicht um den vierten goldenen Stern auf der Schulterklappe?) zu gehen. Denn auf der entsprechenden Site folgt nach dem „Diversity“-Statement des Generals wenige Zeilen weiter unten der Link www.bundeswehrkarriere.de.

Wäre heute der 1. April oder der Faschings-/Karnevals-Montag, so würden wir boshaft zwei rhetorische Fragen anschließen. Für 2022 seien diese Fragen schon mal vorgemerkt. Erste Frage: Von „Flagge zeigen“ war die Rede. Von welcher Flagge? Von der Regenbogen-Flagge der LGBT-Lobby (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) oder von einer weißen Flagge, die man vor dieser Lobby gehisst hat? Selbstredend kommt denn auch sofort Lob von der LGBT(Queer)-Lobby.

Zweite Frage: Wird eine Diversity-Luftwaffe wirklich die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr verbessern? Und ihr Abschreckungspotential erhöhen? Oder werden sich womöglich potentielle Feinde von Putin bis Taliban usw. ob solcher Sperenzien vor Lachen zu Boden werfen?

Und dann ganz ernsthaft noch eine entscheidende dritte Frage: Warum lässt man diejenigen von den 183.000 Bundeswehrangehörigen, die anders, die divers sind, nicht einfach ganz tolerant anders und divers sein, anstatt sie PR-mäßig für Imagemaßnahmen zu vermarkten?

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Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.
Josef Kraus (*1949), Oberstudiendirektor a.D., Dipl.-Psychologe, 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 1991 bis 2013 Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (2009), Träger des Deutschen Sprachpreises 2018; Buchautor, Publizist; Buchtitel u.a. „Helikoptereltern“ (2013, auf der Spiegel-Bestsellerliste), „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ (2017), „Sternstunden deutscher Sprache“ (2018; herausgegeben zusammen mit Walter Krämer), „50 Jahre Umerziehung – Die 68 und ihre Hinterlassenschaften“ (2018), „Nicht einmal bedingt abwehrbereit – Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine“ (2019, zusammen mit Richard Drexl)

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Bild:
Text: Gast

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