Sollen wir uns jetzt auch für Schönheit oder Erfolg entschuldigen? Anpassung an die Umerzieher auch in Sachen Weiblichkeit?

Von Klaus Kelle.

Wir haben eine neue „Miss Universe“. Ist das nicht schön? Die angeblich attraktivste Frau im Universum heißt Harnaaz Sandhu, stammt aus Indien, und ist – was soll ich sagen – wirklich sehr schön anzuschauen. So wie die anderen 79 Schönheiten aus aller Welt auch, die es in die Endrunde geschafft hatten. Auch Deutschland war vertreten. Unsere Schönste ist die 19-jährige Eloisa Jo-Hannah Seifer aus Düsseldorf. Toll, dass Deutschland da mitmischt.

Darf man in diesen woken Zeiten der endlosen Geschlechter-Neuerfindungen noch Miss-Wahlen veranstalten? Werden die feministischen Ultras mit hassverzehrten Gesichtern irgendwann vor der Haustür der Teilnehmerinnen auftauchen, ihnen eine Kartoffelsack über den Kopf werfen und sie so lange in einem feuchten Keller gefangen halten, bis sie vor laufenden Videokameras drei Mal laut ausrufen: „Ich will nicht schön sein, ich will nicht schön sein, ich will nicht schön sein!“? Um dann die Haare geschoren zu bekommen und in Lumpen an der Autobahnraststätte Illertal nachts einfach ausgesetzt zu werden?

Zutrauen würde ich das manchen Damen des woken Gewerbes durchaus. Wenn sie mal in die hasserfüllten Fratzen dieser jungen Frauen bei den Anti-Demos gegen den alljährlichen „Marsch für das Leben“ in Berlin oder bei den „Demos für Alle“ von Hedwig von Beverfoerde geschaut haben, dann machen Sie sich keine Illusionen mehr, welche Art von Menschen da heranwachsen, die auch früher…aber lassen wir das mit den Vergleichen.

Ich finde Miss-Wahlen durchaus schön und mag die weibliche Ästhetik sehr. Und ich habe keine Verachtung für die Millionen junger Mädchen, die Heidi Klums Castingshows mit Begeisterung gucken. Das ist nicht meins, aber sollen sie sich jetzt im Land der bunten Vielfalt schon für Anmut und Schönheit entschuldigen, wenn sie diese ihr eigen nennen können? Wer das nicht sehen will, geht eben nicht hin oder schaltet den Fernseher aus. Punkt.

Ich hatte nach der Wende, ich denke es war 1992, in Magdeburg das ausgesprochene Vergnügen, als Journalist Mitglied in der Jury zur Wahl der „Miss Sachsen-Anhalt“ dabei zu sein. Ein unvergessliches Erlebnis, vor allem, weil ich neben einem älteren Kollegen der „Frau im Spiegel“ saß, der irgendwann nach zwei Stunden fragte, ob ich etwas trinken möchte. Dann holte er aus seiner abgewetzten Ledertasche eine Flasche Metaxa und zwei Gläser heraus. Und ja, es war ein schönes Event damals am Jury-Tisch vor der Bühne.

Was mir zunehmend auffällt ist, dass die Anpassung an die Umerzieher auch in diesen Milieus zunimmt. So hat die Mutter aller Schönheitswettbewerbe namens „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) inzwischen verkündet, mehr auf Diversität achten zu wollen. Und neben den Standardmaßen gibt es jetzt eine kleine Kandidatin und ein „curvy model“, eine Kandidatin ist Flüchtling, eine ist gehörlos. Hautfarbe, Konfektionsgröße und Alter sollen ebenso wie Dekolletés keine Rolle mehr spielen. Und wer könnte etwas dagegen haben?

Mir geht es darum, dass man in einer freien Gesellschaft auch Schönheit zeigen dürfen muss, ohne angegiftet zu werden. So, wie man auch wirtschaftlichen Erfolg zeigen dürfen sollte. In anderen Ländern sind Leute, die sich Luxus leisten können, Vorbilder – hey, der hat es zu was gebracht. Nur in Deutschland wird fleißig mies gemacht. Wer schön ist oder reich, erfolgreich oder eine 1 im Abitur hat, der wird misstrauisch beäugt und geschmäht. Auch das ist etwas, was wir uns haben nehmen lassen in diesem Land, in dem wir gut und gerne leben…

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs. Heute leitet der Christdemokrat die Internet-Zeitung „The Germanz“. Dieser Beitrag ist zuerst dort erschienen.

 
Bild: Shutterstock
Text: Gast

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