Der Zirkus um „Layla“ – aus „Puff“ soll jetzt „Wuff“ werden Politisch opportune Prüderie – aber zweierlei Maß

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus

Alle Jahre erhitzt nicht nur die sommerliche Hitze die Gemüter, sondern immer mal wieder auch irgendein alter oder neuer Gassenhauer-Song. Im Jahr 2020 gab es – bestückt mit rund 36.000 online-Unterschriften – die Petition einer Passauer Studentin gegen das Abspielen und Singen des „Donauliedes“ auf bayerischen Volksfesten. Das Lied, das je nach Version aus den Jahren 1870 und 1894 stammt, wurde aus vielen Volksfesten verbannt. Grund: Das Lied mit dem Anfangsvers “Einst ging ich am Ufer der Donau entlang“ handelt von einem Paar, das am Donauufer offenbar Beischlaf praktiziert. Je nach Textversion findet dieser Beischlaf im Schlafzustand des Mädchens („da hört sie das Rauschen der Donau nicht mehr“) oder nach dessen Aufwachen im Einvernehmen statt.

Nun erregt ein neuer Song die Gemüter: „Layla“, der mittlerweile die Charts bis ganz nach oben erklommen hat. Dieser neue Partyhit stammt von DJ Robin & Schürze. Es geht um die attraktive Puffmutter Layla. Das Lied endet mit der Strophe: „Die wunderschöne Layla / Sie ist schöner, jünger, geiler / La-la-la-la, die wunderschöne Layla / La-la-la-la-la-la-la-Layla / La-la-la-la, la-la-la-la-la-la.“ Die Aufregung um den Text richtet sich übrigens nicht dagegen, dass „Layla“ ein arabischer Name ist. Nein, der Text des Hits soll als sexistisch empfunden werden, deshalb darf dieser auf vielen Volksfesten inkl. Oktoberfest nicht mehr gespielt werden. Was übrigens viele Volksfestbesucher nicht daran hinderte, das Lied soeben eigenmächtig anzustimmen, zum Beispiel in Würzburg und in Düsseldorf.

Wuff statt Puff für Layla als Hündin?

So weit, so gut? So weit, so schlecht? Nun, über Geschmack lässt sich endlos streiten, aber Geschmack lässt sich nun mal nicht verordnen. Besonders lächerlich hierbei ist die volkspädagogisch motivierte Prüderie, die nun einige politisch besonders korrekte, selbsternannte Sittenwächter an den Tag legen. Und nicht minder lächerlich ist es, wenn das ZDF quasi als Sittengouvernante das „Layla“-Lied nun für einen Auftritt am 31. Juli beim „ZDF-Fernsehgarten“ mit dem Titel „Mallorca vs. Oktoberfest“ in einer entschärften Version präsentieren will. Da Publicity nun aber für Songproduzenten das Ein und Alles ist, zeigt sich Songproduzent Ikke Hüftgold nun offen für eine kindgerechte „Layla“-Version. Wörtlich sagte er: „Wir sehen ein, dass es auch noch eine andere Version des Songs geben muss. Wir wissen, dass auch kleine Kinder ‚Layla’ hören. Deshalb muss es auch eine Kinderversion geben.“ Die Neuinterpretation soll dann von einer Hündin handeln – aus „Puff“ soll in dem Text etwa dann das Wort „Wuff“ werden.

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Oder noch besser – so unsere Schnapsidee für das ZDF: Aus der Puffmutter Layla könnte ja vielleicht eine Transfrau Lay*la werden – in einer offenen lesbischen Partnerschaft lebend. Wenigstens für ein Jahr, denn laut geplantem gelb-grünem „Selbstbestimmungsgesetz“ kann man demnächst seine Geschlechts- und Namens-Identität ja jährlich personenstandsrechtlich ändern lassen. Eine solche Texttransformation wäre doch wahrlich eine Transgendergerechte Volkspädagogik qua Lied-„Gut“.

Aber 'Schlampen, sie kommen' geht's

Texte verbieten, Texte umschreiben: Das kennen wir aus der mittelalterlichen Inquisition, das kennen wir aus totalitären Staaten, das kennen wir aus den düsteren Utopien etwa zum Big-Brothers-Regime in Orwells „1984“ mit seinem „“Wahrheitsministerium“. Und nun sehen wir es an den Beispielen „Donaulied“ und „Layla“.

Wenn da bloß nicht unterschiedliche Maßstäbe der Sittenwächter angelegt würden. Rhetorische Frage: Hat sich jemand über folgende Rapper-Texte aufgeregt? Hat das ZDF Kinderversionen inszenieren lassen?

Beispiel 1: Der Rapper Capital Bra (eigentlich: Vladislav Balovatsky) gibt von sich:

„…Wir reden nicht, weil wir direkt schießen…Schlampen, sie kommen, Schlampen, sie gehen…die fickt extrem, die andere bläst…“

Beispiel 2: Der Rapper KC Rebell (eigentlich: Hüseyin Kökseçen) lässt wissen:

„…Banger wissen, wer die Mamas fickt, ich habe die Kalasch mit… und schieße auf gottlose Rapper wie ein Salafist… fahre ins Hotel und deine Schwester treff ich heut nackt… sie will ein‘ Drink und bekommt Sperma ins Maul…“

Beispiel 3: Die sich auf Politikpunk trimmende und bereits preisgekrönte Band „Feine Sahne Fischfilet“ grölt in die Massen hinein:

„…Bullenhelme müssen fliegen… Knüppel in die Fresse… Deutschland ist Scheiße…Deutschland verrecke…“

Übrigens: Diese Gruppe bekam 2016 via Twitter Lob wegen ihres Kampfes gegen rechts vom vormaligen deutschen Außenminister Heiko Maas (SPD). Das ist der, der angeblich wegen „Auschwitz“ in die Politik gegangen ist. Die Gruppe wurde 2018 sogar beworben von Bundespräsident Steinmeier (ruhende SPD-Mitgliedschaft). Das ist der, der 2019 dem iranischen Terrorregime zur 40. Wiederkehr der islamischen Revolution gratulierte.

Noch Fragen?

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Josef Kraus (*1949), Oberstudiendirektor a.D., Dipl.-Psychologe, 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 1991 bis 2013 Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (2009), Träger des Deutschen Sprachpreises 2018; Buchautor, Publizist; Buchtitel u.a. „Helikoptereltern“ (2013, auf der Spiegel-Bestsellerliste), „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ (2017), „Sternstunden deutscher Sprache“ (2018; herausgegeben zusammen mit Walter Krämer), „50 Jahre Umerziehung – Die 68 und ihre Hinterlassenschaften“ (2018), „Nicht einmal bedingt abwehrbereit – Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine“ (2019, zusammen mit Richard Drexl)

Bild: Screenshot Youtube Motorsport Magazin
Text: Gast

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