Die Sollbruchstelle zwischen Fehlern des Westens und Angriffskrieg… ...und was die Medien bei diesem Thema unter den Tisch kehren

Wie kein anderes Thema spaltet im Moment die Einstellung zu Putin diejenigen, die in Deutschland der Regierung kritisch gegenüberstehen. Ich habe diesem traurigen Phänomen und dem Thema Putin mein Wochenbriefing gewidmet. Weil mich viele Leser baten, es auch auf der Seite zu veröffentlichen, tue ich das hier gerne – und bringe darunter auch einige hoch interessante Leser-Reaktionen, die mir neue Blickwinkel eröffneten. Putin und die Ukraine und der Umgang mit dem Krieg war auch das Hauptthema in meinem Livestream, in dem ich am Samstag auf Leserfragen antwortete (anzusehen hier). Mein Wochenbriefing können Sie kostenlos und jederzeit kündbar hier abonnieren.

Liebe Leserinnen und Leser,

drei Leserbriefe haben mich in der vergangenen Woche besonders bewegt und deshalb will ich sie hier wiedergeben. Und beantworten. Hier der erste:

Lieber Herr Reitschuster,

wie Sie aus meinen laufenden Zahlungen ersehen können, bin ich seit Langem ein treuer Leser und Zahler Ihres Blogs. In letzter Zeit ermüdet mich aber Ihre immer stärkere Konzentration auf das Thema CORONA. Heute z. B. gibt es nichts Anderes. Das ist eine Gefahr! Inzwischen ist fast jeder mehrfach geimpft und/oder hat die Krankheit gehabt, die sich mehr und mehr zu einer harmlosen Grippe entwickelt. Da langweilen einen die Nachrichten über die mehr oder weniger starken Vor-, Nach- und Nebenwirkungen der verschiedenen Impfstoffe und die kaum noch zu überblickenden unterschiedlichen Gegenmaßnahmen der verschiedenen Regierungen und Länder, die langsam einschlafen.

Sie sollten Ihre alten Russlandbeziehungen nutzen, um weiterhin besondere Nachrichten aus dem Kriegsgebiet zu schicken, die man im Mainstream nicht liest.

Weiterhin viel Erfolg und herzliche Grüße Ihr XXXXXX

Meine Antwort:

Lieber Herr Dr. XXXXXXX,

vielen Dank für Ihr kritisches Feedback – solche ebenso kritischen wie doch wohlwollenden Rückmeldungen sind für mich sehr wertvoll.

Wir sind im Moment hin und her gerissen zwischen den Lesern, die immer noch viel zum Thema Corona lesen wollen – und denen, die des Themas wie Sie schon überdrüssig geworden sind (ich bin es offen gestanden auch).

Ich kann Ihnen versprechen, dass ich versuche, es zurückzufahren.

Was Russland angeht: Da bin ich auch mit Ihnen einig. Sie kennen ja meine sehr kritische Haltung gegenüber Putin. Damit haben einige Leser ein Problem. Aber ich schreibe, was ich für richtig halte. Sonst könnte ich nicht mehr mich selbst im Spiegel ansehen.

Besten Dank nochmals und herzliche Grüße
Ihr
Boris Reitschuster

Ich denke, dem ist hier nicht viel hinzuzufügen. So wenig ich das Thema Corona abbrechen möchte – so sehr finde ich, dass es nicht (mehr) das allein beherrschende auf meiner Seite sein sollte.

Womit wir fließend beim nächsten Leserbrief wären:

Lieber Herr Reitschuster,

ich schätze Sie persönlich und Ihre Arbeit sehr, verstehe auch Ihre persönliche Betroffenheit und bin und bleibe auch regelmäßiger Unterstützer. Was ich aber nicht verstehe, ist Ihre starke Kritik ausschließlich von Putin. Dass Putin kein Heiliger und ein mit allen Wassern gewaschener Machtmensch ist, ist klar, aber es ist doch auch klar, dass die Nato und EU mit unsauberen Tricks seit Jahren immer mehr bedrängt und eine Mördererei von russischen Zivilisten vor Putins Haustüre durch eine vom Westen unterstützte brutale Nazitruppe passiert. Dazu hätte ich gerne mal einen ausgleichenden Kommentar von Ihnen. Was würden Sie an Putins Stelle machen, wenn vor Ihrer Haustüre permanent unschuldige Landsleute getötet werden, ein Angriff auf Ihr Land geplant wird und Sie sankioniert und provoziert werden? Es gibt eine Weisheit: love it, leave it or change it. Putin musste in meinen Augen durch die Eskalation letzteres machen, wobei er allerdings auch seine revisionistischen Interessen bedient. Mit herzlichen Ostergrüßen
XXXXXXXX

Ich habe Respekt vor anderen Meinungen und respektiere diese. Umso mehr, wenn sie wohlwollend vorgetragen werden wie von diesem Leser (was leider nicht immer der Fall ist). Ich kann mich inhaltlich aber nicht allem anschließen. Es gab weder eine Mörderei noch wurde diese an „russischen Zivilisten“ begangen. Wahr ist, dass im bewaffneten Konflikt in der Ostukraine, den Moskau losgetreten hat, mehr als 3.000 Zivilisten ums Leben gekommen sind. Diese Todesfälle eindeutig den von Russland angetriebenen Rebellen oder den ukrainischen Truppen zuzuordnen, ist aber nicht möglich. Fakt ist: Ohne Russlands Einmischung hätte es den bewaffneren Konflikt in der Ostukraine nicht gegeben.

Lugansk und Donezk werden auch nicht überwiegend von Russen bewohnt. Moskau bezeichnet die vorwiegend dort lebenden russischsprachigen Ukrainer als „Russen“. Nach der Logik wäre auch Präsident Selenski als russischsprachiger Ukrainer ein „Russe“? Nach Putins Ideologie sind die Ukrainer eigentlich alle Russen. Diejenigen, die sich dazu nicht bekennen, sind demnach Nazis. Und Nazis gehören vernichtet. Insofern ist der russische Krieg in seiner Grundlage ein „Säuberungs-“ und Vernichtungskrieg. Das macht ihn besonders schrecklich und verwerflich.

Auch die Bezeichnung des Asows-Regimes als „Nazitruppe“ ist zu pauschal. Aber das wäre Gegenstand für einen eigenen Bericht – und einen solchen, sehr kritischen, habe ich ja auch schon geschrieben (siehe hier). Dass die Ukraine einen Angriff auf Russland plant(e), wird seit Jahren in den Moskauer Propaganda-Medien verbreitet. Belege gab es nie. Wohl aber dafür, dass Putin wie so oft seinem Gegenspieler das unterstellte, was er selbst plante. Die Sanktionen wiederum waren eine Reaktion auf den Überfall auf die Krim und die Ostukraine 2014 – und sie taten Moskau nie wirklich weh.

An diesem wohlwollenden Leserbrief sieht man, wie erfolgreich die russische Propaganda ist. Das Problem ist nur: Russland und Putin sind für viele eine Glaubensfrage geworden. Genauso wie Corona. Es stehen sich zwei Lager unerbittlich gegenüber, mit sehr tiefen Gräben dazwischen. Wer die Corona-Politik für einen Segen hält und Karl Lauterbach für die Rettung Deutschlands, wird ebenso wenig bereit sein, sich leicht von einem Irrtum überzeugen zu lassen, wie jemand, der Putin – wie leider einige in Deutschland – für die Rettung des Abendlandes und die NATO für die Ursache allen Übels auf dem Erdball hält.

Im Falle Corona kann ich nachvollziehen, was Menschen zu vehementen Anhängern des Regierungskurses macht: Vor allem Angst und ein Grundvertrauen in die Regierung als Retter. Im Falle Putin ist es ähnlich – nur eben dass es sich statt Grundvertrauen in unsere Regierung um Grund-Misstrauen und dafür Vertrauen in Putin handelt (dessen Pressechef und rechte Hand Peskow übrigens Impfgegner als „gefährliche Irre“ bezeichnete). Wer so einen festen Glauben hat bzw. so große Ängste, hat auch Angst, andere Meinungen zu hören. Weil sie das mühsam Verdrängte an die Oberfläche bringen würden. Auf der einen Seite die Angst vor Corona, auf der anderen die vor Russlands Atomwaffen. Der Glaube, die Entscheidungsträger seien die Guten, schützt vor der Angst. Aber eben nur oberflächlich.

Unter anderem wird mir in Briefen immer wieder vorgeworfen, ich hätte ein falsches Bild von Russland, eben weil ich es gut kenne – ebenso wie Putin. Diese Argumentation finde ich beachtlich. Sie beißt sich auch in den Schwanz: Denn schließlich habe ich die aktuelle Entwicklung für jedermann nachlesbar schon 2006 in meinem Buch „Putins Demokratur“ vorhergesagt. So völlig falsch mit allem, was Putin angeht, kann ich also nicht liegen. Und es hat seine Gründe, warum die deutschen Medien mich in Sachen Russland völlig totschweigen – weil das, was ich zu sagen hätte, Licht auf ihr mehr als zwanzigjähriges Versagen im Umgang mit Putin werfen würde.

Viele der Argumente gegen meine Ansichten kann ich nachvollziehen. Ich bin der Letzte, der sagen würde, dass die Ukraine und die NATO keine Fehler gemacht hätten. Mehr noch: Der Westen trägt eine große Mitverantwortung an dem, was in Russland geschehen wird. Punkt! (Ich habe dazu auch ein Video gemacht). Aber genau hier liegt die Sollbruchstelle. Denn all das ist keine Rechtfertigung für das und macht auch nicht weniger gefährlich, was Putins Verteidiger durch die Bank übersehen: Russland hat den totalitären Ungeist der 1930er Jahre nie aufgearbeitet. Und er ist dort wiederauferstanden. Putin ist Stalin im neuen Gewand. Er setzt auf Gewalt, auf Imperialismus, auf die Unterdrückung seiner Gegner, auf Terror gegen die eigene Bevölkerung, auf Krieg. Nirgends werden Russischsprachige so unterdrückt wie in Russland. Darüber zu streiten, wie groß die Mitverantwortung des Westens an dieser Entwicklung ist, macht Sinn – aber erst, wenn der Großbrand, der Europa erfasst hat, gelöscht ist. Denn aktuell muss das Löschen im Vordergrund stehen.

Ich kann hier in einem kurzen Wochenbriefing nicht das ersetzen, was ich auf mehr als 400 Seiten in „Putins Demokratur“ beschrieben habe. Die Eiligen unter Ihnen verweise ich aber auf zwei kurze Videos von mir, die sich im Wesentlichen auf Originaltöne aus Moskau beziehen: „Wir sind ein Sieger-Volk, das haben wir in den Genen“ sowie „Krieg! Bis zur völligen Vernichtung!“ – Schirinowskis Tod und was unsere Medien verschweigen“. Was da im Originalton zu sehen ist, ist noch nicht einmal die Spitze des Eisberges. Seit 20 Jahren bereitet Putin sein Land auf einen Krieg vor. Er, der Erniedrigte und Beleidigte, will sein Volk, das er für ebenso erniedrigt und beleidigt hält, wieder zur Weltmacht machen. Putin lässt seine Propagandisten nicht nur von der Rückeroberung der früheren Sowjetrepubliken träumen – sondern sogar davon, „Alaska heim ins Reich“ zu holen.

Für mich ist rätselhaft, wie man angesichts solcher offensichtlichen Fakten die Gefahr, die von Putin ausgeht, derart unterschätzen kann. Oder dem Irrglauben erliegen, wenn man ihn besänftige, werde er schon aufhören. Die Parallelen zur Weimarer Republik sind unübersehbar. Der Brief von 28 Prominenten gegen Waffenlieferungen an die Ukraine hat mich zutiefst bestürzt. Er zeigt, dass viele in Deutschland weiter in einem Taka-Tuka-Land leben und nichts aus der Geschichte gelernt haben. Hätte in den USA 1941 eine Mehrheit so gedacht – Hitler hätte in Europa gesiegt. Kein normaler Mensch kann für Krieg sein. Aber kindlicher Pazifismus ist eine wesentliche Hilfe für Kriegstreiber. „Pazifismus hat Auschwitz erst möglich gemacht“, sagte der CDU-Poltiker und überzeugte Christ Heiner Geißler. Die Ukraine jetzt Putin zum Fraß vorzuwerfen, würde dazu führen, dass er den nächsten Angriff startet, sobald er wieder stark genug dafür ist. Er lässt seine Propagandisten ganz offen von einem Angriff auf die NATO schwärmen. So traurig es ist: Wenn wir jetzt Schwäche zeigen, ermutigen wir ihn zu genau diesem Angriff. Er hat selbst gesagt, dass die wichtigste Lektion aus seiner Straßenuniversität, der Kindheit im Hinterhof der Halbstarken, war, dass nur die Starken geachtet werden – und die Schwachen getreten.

Warum tun sich Putins Propagandisten, auch in den alternativen Medien, bei uns bei vielen so leicht? Zum einen, weil unsere eigenen Medien abgewirtschaftet haben. Weil unsere eigenen Politiker das Vertrauen der Menschen heftig missbraucht haben. Und zum anderen, weil es natürlich zwei Seiten gibt. Weil natürlich auch die Ukraine und der Westen Fehler gemacht haben. Greift man sich nur diese heraus, kann man leicht das Gesamtbild verzerren. Das ist so, wie wenn man bei einer Vergewaltigung nur das schlechte Verhalten des Opfers beleuchtet und das ihres bösen (amerikanischen) Freundes – und dabei völlig ausblendet, dass der Vergewaltiger ein gewaltverherrlichender Serientäter ist, der nur auf sein nächstes Opfer wartet und weiter vergewaltigen wird, bis ihn die Polizei stoppt. Will man in dem Bild bleiben, wäre der Brief der 28 eine Aufforderung, dem Opfer und den Frauen in der Nachbarschaft keine Waffen zu geben – weil das den Vergewaltiger zu noch mehr Gewalt provozieren könnte.

In Russland sagt man, je ernster und aussichtsloser die Lage, desto wichtiger und besser der Humor. Lassen Sie mich dieses Thema deshalb mit einem Witz beenden, der eigentlich Realität ist – und zeigt, dass wir es mit einem Wahrnehmungsproblem zu tun haben. Meine Gesprächspartner im russischen Machtapparat können es nicht glauben, dass sexuelle Vielfalt und etwa Schwangerenfreundlichkeit bei unserer Bundeswehr wirklich ein Thema sind. Begriffe wie „Unisex-Toiletten“ oder „Frauen-Pissoirs“ halten sie deshalb für Tarnbegriffe für neue Waffen. Halb im Witz, halb im Ernst. Den Pazifismus, der bei uns weit verbreitet ist, halten sie für Tarnung – sie können nicht glauben, dass er ehrlich ist.

Umgekehrt haben wir die gleichen Wahrnehmungsprobleme. So wie für Putin und Konsorten unser Pazifismus außerhalb ihrer Vorstellungswelt liegt, so liegt für uns die Kriegsbesessenheit von Putin und den seinen außerhalb unserer Realität, ihre Rückwärtsgewandheit und ihr Rückfall in das Denken der 1930er Jahre, ihr Neostalinismus, ihr Neo-Imperialismus, ihr faschistoider Nationalismus der „russischen Welt“, in der jeder, der nicht dazugehören will, etwa in der Ukraine, ein „Nazi“ ist. Die Denk- und Lebenswirklichkeit in Putins Russland, die stark an die 1930er Jahre erinnert, kann man sich wohl einfach nicht vorstellen, wenn man sie nicht selbst am eigenen Leib erlebt hat. Und vor allem will man sie sich auch nicht vorstellen, weil es zu beunruhigend wäre. Viel beruhigender ist die Vorstellung, man brauche nur die Sorgen Putins ernst nehmen und alles würde gut.

Ich bin mir bewusst: Für viele von Ihnen ist dieses Wochenbriefing starker Tobak. Aber wäre es Ihnen lieber, wenn ich mich verstellen würde? Wenn ich die Quintessenz von meinen 16 Jahren Russland und vielen Treffen mit Putin und seiner Umgebung mit Einsichten, wie sie nur wenige haben, für mich behalten würde? Ich bin sicher: Wir werden gewaltige Umwälzungen erleben. Die SPD wird für ihre Komplizenschaft mit Putin einen hohen Preis zahlen. Und Putin wird – völlig zu Recht – als Geächteter in die Geschichte eingehen. Gemeinsam mit Angela Merkel, die ich ebenso wie Schröder für eine Komplizin halte. Auch das Urteil über Scholz wird verheerend sein. Manche von Ihnen würden mich später einmal fragen: Warum haben Sie uns das alles nicht gesagt, wo Sie es doch wussten?

Nein, keine Angst, ich will niemanden von Ihnen „bekehren“. Das überlassen wir den „Haltungs-Journalisten“. Ich kann wunderbar damit leben, wenn Sie eine andere Meinung haben. Mehr noch: Meinungsverschiedenheiten sind das Lebenselixier der Demokratie. Womit ich aber nicht leben könnte, wäre mir selbst einen Maulkorb aufzuerlegen. Zumal ich überzeugt bin: Die ganz große Mehrheit meiner Leser sind aufrichtige Demokraten, die im Gegensatz zu den rotgrünlila Kulturrevolutionären mit Meinungsverschiedenheiten umgehen können und es sogar schätzen, wenn man ihnen nicht nach dem Mund redet, sondern kritisch – und dabei gerne auch anders als sie – denkt.

Ich werde den Rat aus dem ersten Leserbrief befolgen und noch mehr über den Krieg berichten – ohne es zum allein beherrschenden Thema meiner Seite zu machen und ohne das Thema Corona zu vernachlässigen.

Vor lauter Krieg hätte ich fast ein anderes wichtiges Thema vergessen: Das Landgericht Berlin hat meinen Ausschluss aus der Bundespressekonferenz bestätigt – mit einer Begründung, die mich fassungslos gemacht hat. Lesen Sie hier die Details:

Ich bin überzeugt, dass mein Ausschluss auch damit zu tun hat, dass ich zur Ukraine und Russland Fragen stellen würde, die besonders unbequem sind. Und die die Kollegen nicht stellen.

Ich bin fest gewillt, mich weiter gegen diese Willkür zu wehren. Es kann nicht sein, dass die Bundespressekonferenz eine Harmonieveranstaltung nach dem Motto: „Journalisten tun so, als ob sie kritisch fragen würden und die Regierung tut so, als ob sie antworten würde“ ist. Ich danke allen ganz herzlich, die es mir mit ihrer Unterstützung ermöglichen, mich gegen dieses Unrecht zu wehren.

Und bin mir sicher: Auch wenn sich jetzt einige im Zorn über meine Kritik an Putin von mir abwenden und ihre Unterstützung einstellen – das werden andere Leser, die kritische Berichterstattung schätzen, ausgleichen. Letztlich geht es nicht um Klickzahlen oder um den wirtschaftlichen Bestand – es geht darum, dass man sich selbst im Spiegel anschauen und später einmal auf die eigene Arbeit zurückblicken kann, ohne sich schämen zu müssen.

In diesem Sinne – auf den Pluralismus und auf viele Wiedersehen auf der Seite!
Ihr
Boris Reitschuster

PS: Den verspochenen dritten Leserbrief jetzt hier im Anhang – damit dieses Wochenbriefing nicht gar zu lang wird:

Lieber Herr Reitschuster,

ich liebe Ihre Arbeit bezüglich Corona-Aufklärung. Auch respektiere ich Ihre kritische Haltung gegenüber Putin. Vielleicht halten Sie sich auch bezüglich Ihrer Berichterstattung über die Ukraine-Krise zurück, um sich nicht Zielgruppen zu verprellen. Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe, dass Sie das ändern. Bleiben Sie ruhig kritisch gegenüber Putin, aber bitte helfen Sie mit, den 3. Weltkrieg zu verhindern. Wie? Vielleicht indem Sie die vernichtende Kopflosigkeit der europäischen Außenpolitik thematisieren. Es ist wie es ist, wir müssen uns in irgendeiner Weise mit Russland arrangieren, um die Zerstörung Europas zu verhindern. Dazu muss man vielleicht auch mal die Interessen der Russen berücksichtigen, bzw. auch ihre Absichten. Ich denke, wenn der Westen die Russen weiter in die Ecke drängt, werden sie massive Gegenschläge einleiten. Inklusive Mini-Nukes. Ich frage mich wirklich, wie weit wir gehen wollen, das zu riskieren. An einen Bluff Putins glaube ich nicht, aber das können Sie vielleicht besser einschätzen. Wie auch immer, ich hoffe, dass Sie versuchen, einen Friedensprozess in der Ukraine zu unterstützen. Ihre Stimme könnte dazu ein wichtiger Beitrag sein. Danke und beste Grüße.

Auch hier wäre selbst ein eigener Artikel zu kurz für eine Antwort. Wobei diese eigentlich schon oben in meinem Text gegeben ist. Meine tiefe Überzeugung ist, dass wir die Lektionen aus 1938 und dem Zurückweichen gegenüber Hitler verinnerlichen müssen. Wenn wir uns jetzt wegducken, droht uns ein neues 1939. Wären wir schon 2014 nach dem Überfall auf die Krim und die Ostukraine entschieden eingeschritten, hätte es nicht die zu Recht gescholtene „vernichtende Kopflosigkeit“ der europäischen und vor allem deutschen Außenpolitik gegeben, wären wir jetzt nicht in dieser Bredouille. Wenn Putin generell zum Einsatz von Atomwaffen bereit sein sollte, und wir uns dieser Drohung beugen, dann wird er immer weiter vorrücken und immer weitere Forderungen stellen, bis es irgendwann dann tatsächlich zum Nuklearschlag kommt – nur eben schon deutlich weiter westlich und wohl auch deutlich heftiger.


Hier mein Livestream mit meinen vielen Antworten auf die vielen Leser-Anfragen zum Thema.


Und hier nun wie versprochen die Leser-Reaktionen. Besonders beeindruckt hat mich der Brief von Hans-Hasso Stamer, den viele noch als DDR-Musiker kennen. Er hat mich so neugierig gemacht, dass ich ihn gebeten habe, seine Gedanken in einem eigenen Artikel auszuführen. Das hat er gemacht. Seinen Text, der auch mir viel gebracht hat, werde ich in Kürze veröffentlichen.


Lieber Herr Reitschuster,

Ihr Wochenbriefing war diesmal besonders interessant. Deshalb eine kurze Stellungnahme von mir dazu:

Ich bin Ihnen außerordentlich dankbar, dass Sie Ihren Standpunkt, der auch meiner ist, in Ihrem Portal vertreten. Ich lehne den Brief der Intellektuellen an Scholz ab. Er enthält ein paar bedenkenswerte Punkte, ist aber in der Konsequenz falsch.

Schon seit Jahren sehe ich mit großem Unbehagen den wachsenden Einfluss russischer Propaganda über RT Deutsch und Sputnik zunächst unter meinen wenigen linken Freunden, aber auch in den diversen Foren und leider auch bei den Mitgliedern und Sympathisanten der AfD. Meistens als gute Freundschaft zu Russland getarnt, aber letztendlich in der Wirkung Wasser auf die Mühlen der Putinschen Propaganda.

Ich weiß aber aus eigener Erfahrung im Bekannten- und Freundeskreis, dass kein Umdenken hervorgerufen werden kann. Was ist der Grund für eine solche Haltung? Einerseits die pazifistische Grundhaltung der Gesellschaft, in meinem Freundeskreis auch DDR-Prägungen und ein mehr oder weniger offener oder auch uneingestandener Haß (besonders bei Linken) gegenüber den USA und der NATO.

RT deutsch und Sputnik erwerben sich Reputation durch wahrheitsgemäße und sachliche Darstellung in den Bereichen, in denen die Mainstreammedien lügen, und nutzen diese dann, um Prägungen und Ressentiments vor allem von systemnahen Ex-DDR-Bürgern auszunutzen und sie auf Putin–Kurs zu bringen. Das klappt erschreckend gut.

Ich kann Sie nur bestärken, genau Ihren Kurs weiterzufahren, den Sie bis jetzt eingehalten haben. Ich versuche im Forum auch gegenzuhalten, meine Kräfte sind da aber inzwischen sehr begrenzt.

Ihre Corona – Berichterstattung sollten Sie nicht einschränken. Ich finde die Mischung genau richtig. Mich interessieren beide Themenbereiche, Corona und Ukraine-Krieg, brennend. Wenn jetzt Corona zurückgefahren würde, geht es im Herbst erst recht wieder los. Das Thema muss im Bewusstsein bleiben. Wir dürfen die Täter auch nicht vollkommen davonkommen lassen!

Mit außerordentlich freundlichen Grüßen 

Hans-Hasso Stamer


Sehr geehrter Herr Reitschuster,

Ihre Meinung zu Putin und der derzeitigen Lage ist mir sehr wertvoll, besonders damit ich mir meine eigene bilden kann. Daher gebe ich Freunden und Bekannten den Tipp, sich bei Ihnen schlau zu machen.

Ebenso wertvoll ist mir aber auch die Meinung derjenigen, die Putins Verhalten zu erklären versuchen, und wenn ich dann bei Ihnen lese, dass das Putin-Versteher und Putins Propagandisten wären, oder auch arme Verblendete, die die Wirklichkeit nicht sehen wollen, dann mache ich leider ganz schnell „zu“ bei Ihren Artikeln. U.a. auch, weil mich das so sehr an die Verächtlichmachung seitens Regierung und Presse uvm bei Corona erinnert.

Dennoch vielen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit


Ihre Arbeit, lieber Herr Reitschuster, ist für uns kritische und interessierte Menschen unverzichtbar, ich werde nicht müde, das zu betonen. Der Ukraine-Krieg ist eben auch ein Propagandakrieg, und die Menschen wissen inzwischen gar nicht mehr, was sie noch glauben sollen. Dass Sie als Russland – und auch Ukraine-Kenner eine sehr differenzierte, was den Angriff Putins angeht, eine sehr eindeutige und begründete Meinung haben, passt weder der Politik noch den „Leitmedien“ und ihren Anhängern so gar nicht, das kommt die seltsame Bestätigung Ihres Ausschlusses von der Bundespressekonferenz gerade recht. Man fragt sich, wie Sie das alles aushalten und kann Ihnen und uns nur wünschen, dass Sie auch durchhalten und Ihre Kraft nicht nachlässt. Beste Grüße  


Wertes Reitschuster-Team,

In Zeiten, in denen Deutschland zum wiederholten Mal im „Reporter ohne Grenzen“-Index heruntergewichtet wird (und Österreich mehr und mehr ähnelt), in denen sich die subjektive Meinungsvielfalt auf lediglich „gut oder böse“ zuspitzt, in denen keine Nachrichten mehr vorkommen, sondern ausschließlich Haltungsjournalismus, in denen Politiker nahezu ausschließlich Selbstdarstellungsriten praktizieren, in denen sich immer mehr Menschen von der aktiven Mitgestaltung eines einstmals demokratischen Staatswesen entnervt abwenden, ist Ihre Stimme wesentlicher Hoffnungsträger der verbliebenen „klassischen liberalen Bürgerlichen“.

Bitte arbeiten Sie weiter an der Vielfalt der Beiträge, vertreten Sie gern Ihre „andere“ Haltung! Ich werde Sie, wie viele andere stille, aber sicher zustimmende Leser, unverändert unterstützen.

LG 


Lieber Herr Reitschuster,

zunächst einmal danke ich Ihnen herzlich für Ihren Bericht über Ihr Osterwunder und dass Sie es als solches wahrgenommen haben. Es ist schön, zwischen Covid 19 und Russland-/Ukraine-Konflikt, auch einmal positive Nachrichten zu lesen. Ich hoffe, Sie können inzwischen wieder richtig laufen.

Vielen Dank auch für Ihre Russlandinformationen. Ja, der Bericht ist harter Tobak. Es ist aber auch so, dass ich nicht alles über jedes Land wissen kann. Unser Geschichtsunterricht hat sich ja im wesentlichen auf Deutschland bezogen. Deshalb freue ich mich, unterschiedliche Meinungen über Russland zu hören und zu lesen. Trotzdem gilt auch hierbei: ich kann nicht alle Nachrichten überprüfen. Das kostet Zeit, die ich nicht habe. Deshalb lasse ich die Berichte auch unkommentiert und freue mich, etwas Geschichte über Ihre Seite mitzubekommen.
In einem Sprachenmagazin habe ich letztens einen Artikel gelesen, der mich auch erschreckt hat. Der Autor hat von seiner Angst vor Putin gesprochen und zwar deshalb, weil dieser auf nichts Rücksicht nimmt. Und ganz ehrlich, Atomwaffen finde ich auch unheimlich und bedrohlich.

Lassen Sie sich nicht „fertig“ machen. Wir müssen wieder lernen, mit unterschiedlichen Meinungen umzugehen. Die ehemalige Schule meiner Tochter nimmt deshalb jedes Jahr an einem Debatier-Wettbewerb teil.

Mit freundlichen Grüßen


Liebes Team, gerade las ich das Wochenbriefing.

Bitte bitte jetzt nicht nachlassen, endlich beginnt die Aufarbeitung des unfassbaren Zerstörungswerkes!
Das Thema ist in den Hintergrund getreten und soll unwichtig werden. Dank reitschuster.de sind wir zB an der allgemeinen Impfpflicht vorbei gekommen.


Geehrter Herr Reitschuster,
nur durch Ihre „Informationen“ bezüglich der Corona-Politik habe ich schon sehr früh gelernt, „durchzublicken“.
Dafür bin ich Ihnen sehr, sehr dankbar und bitte Sie, dieses Thema nicht aufzugeben, da „es“ ja noch nicht vorbei ist!
Gerade die Aufarbeitung der letzten 2 Jahre verhindert durch Lauterbach ist ein so brisantes Thema.
Ich danke Ihnen von Herzen


Sehr geehrter Herr Reitschuster,

ich danke Ihnen und Ihrem Team sehr für Ihre Arbeit. Ich kann verstehen, dass viele Menschen das Thema „Covid 19“ bzw. die Folgen und die Auseinandersetzung damit nicht mehr so viel lesen bzw. hören wollen.

Ich möchte folgendes zu bedenken geben, was mich sehr bewegt: ich erlebe, dass Menschen nach wie vor ausgegrenzt werden und dies zunehmend in Vergessenheit gerät.

Z.B. wird eine gute Bekannte, da sie aus medizinischen Gründen eine Maskenbefreiung hat, in ihrem Wohnort von zwei Arztpraxen (Augen und Orthopädie) nicht behandelt (von den anderen Arztpraxen weiß sie es nicht). In der Orthopädiepraxis wollte sie letzte Woche einen Termin vereinbaren aufgrund von akuten Schmerzen in der Schulter. Eine Behandlung wurde abgelehnt.

Ich denke, es ist Wachsamkeit von Nöten: denn wohin entwickelt sich unser Gesundheitssystem? … Wenn man dies mal weiterdenkt …
Diese Themen sollten alle etwas angehen, denn schnell gehört man selbst zur Gruppe der Ausgegrenzten. Die Fragen, die sich mir stellen sind: Wie können wir die letzten zwei Jahre aufarbeiten? – Und ist dies überhaupt möglich? …Und wie wollen wir in Zukunft miteinander umgehen und leben, aufgrund von welchen Werten und welchem Menschenbild?

Mit herzlichen Grüßen 


Sehr geehrter Herr Reitschuster,

obwohl ich gerade s.u. vereinzelte diese Forderungen von Lesern gesehen habe; bitte ändern Sie gar nichts und machen Sie genau so weiter!

Obwohl momentan in Bezug auf die Wirtschaftskriminalität: Corona Gott sei Dank ein wenig durchatmen für uns Menschen angesagt ist, ist diese Virengeldmaschine für Machtbesessene wie schon Herr Kickl in Österreich beteuert hat weiterhin genauestens zu beobachten.

Das Ding inkl. Kokser Lauterbach und Co. ist noch lange nicht durch, und kurzfristige, linke Methoden dieser ungelernten Politiker haben wir in den letzten 2 Jahren genug kennen gelernt.

Auch dieser Herbst wird kommen und ich möchte meine Montagabende in den letzten Monaten nicht umsonst auf der Straße verbracht haben.


Lieber Herr Reitschuster,

vielen Dank für dieses ausführliche Wochenbriefing.

Ich gehöre zu den Menschen, denen allzu einfache Antworten immer suspekt sind. Einfache Antworten kann es in einer komplexen Welt nicht geben. Deshalb war ich vor mehr als zwei Jahren bei den ersten Corona-Maßnahmen skeptisch, bin es bei der „Klimarettung“ und war es bis jetzt auch bei den Waffenlieferungen an Russland. „War“ ist das korrekte Tempus, denn Ihr Wochenbriefing hat mich überzeugt. Sie haben völlig recht, Putin muss jetzt mit allen Mitteln gestoppt werden.

Danke dafür und machen Sie bitte weiter so.

Viel Grüße 

DAVID
Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Bild: photocosmos1/Shutterstock
Text: br

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