Diebstahl mit Amtshilfe Geschichten zum Schmunzeln – Mein Krisen-Alternativ-Programm

Hand aufs Herz: Haben Sie es nicht auch satt, ständig negative Nachrichten zu lesen? Bei denen man denkt, es seien „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“? Was sie aber leider nicht sind – denn es sind reale Neuigkeiten aus Deutschland. Ich möchte Ihnen ein Kontrastprogramm bieten, aus meiner Zeit in Russland. Zum Entspannen und Schmunzeln. Voilà – eine Geschichte von 2008:

Tschernobyl konnte ihn nicht erschüttern, die Wirren der Perestroika hat er unbeschadet und wohlbeleibt hinter sich gebracht, und nicht einmal Besuche in den berüchtigtsten Gefängnissen haben Igor Gavrilov, den Moskauer Focus-Fotografen, aus seinem seelischen Gleichgewicht gebracht. Das schafften dafür die Polizei und das Finanzamt: Ein Steuerbescheid und ein Besuch bei den „Ordnungshütern“ brachten das Weltbild des hartgesottenen Russen mit dem Rauschebart ins Wanken.

Dabei hatte alles mit einem freudigen Ereignis begonnen. Obwohl er große Stücke auf Patriotismus hält, entschied sich Igor für den Klassenfeind von einst und fuhr im Jahr 2002 ins ferne Augsburg, seine „persönliche Mobilisierung sicherzustellen“, wie er den Autokauf spöttisch nannte. Es war Liebe auf den ersten Blick. Igors Herz schlug sofort für den alten BMW von einer Größe, mit der man Staatsmänner jedes anständigen Bananenstaates ohne Prestigeverlust durch ihre Hauptstädte kutschieren kann. Da die Limousine alt und Igor charmant im Verhandeln war, bekam er für 2000 Euro den Zuschlag. Das Doppelte, 4000 Euro, musste Igor an Einfuhrzoll in Russland bezahlen.

Schwerer Verlust

Doch die Freude am Fahrvergnügen „made in Bavaria“ währte nicht lange: Zunächst glaubte Igor an Gedächtnisschwund, als er den Wagen am Weißrussischen Bahnhof in Moskau nicht mehr dort wiederfand, wo er glaubte, ihn geparkt zu haben. Nachdem er das halbe Stadtviertel abgesucht hatte, kam Igor zu dem schmerzhaften Schluss, dass sein neues Familienmitglied auf vier Rädern offenbar gestohlen worden war. Resigniert erstattete er Anzeige – ohne große Hoffnung, den Wagen wiederzubekommen.

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Die unglaubliche Fortsetzung der Geschichte folgte im Frühjahr 2006. Igor Gavrilov fand plötzlich einen Bescheid über eine Kfz-Steuer-Nachzahlung von 1500 Dollar für den Wagen in seinem Briefkasten – für vier Jahre. Er glaubte an einen Irrtum. „Kein Problem, bringen Sie uns einfach eine frische Bestätigung der Polizei, dass der Wagen gestohlen ist“, meinte die Finanzbeamtin, weil ihr das alte Protokoll, das Igor brachte, nicht ausreichte.

Bestätigung gegen Bakschisch

Nichts ahnend fuhr Igor zur Polizei. Nach kurzer Suche im Computer sagte ihm ein Beamter: „Ihr Wagen ist nicht mehr gestohlen gemeldet. Laut Computereintrag wurde er kurz nach dem Diebstahl wieder gefunden und dem Besitzer zurückgegeben.“ Dumm nur, dass Igor selbst nichts davon erfahren hatte. Dafür gibt es nur eine logische Erklärung, glaubt Igor: Die Polizei hatte mit seinem geliebten Wagen krumme Geschäfte gemacht. Entweder hatten Beamte ihn tatsächlich nach dem Diebstahl gefunden und beschlossen, das gute Stück zu behalten. Oder sie hatten den Diebstahl von Anfang an in der Absicht inszeniert, den Wagen später aus der Liste der gestohlenen Wagen zu streichen. Ohne den Eifer der Finanzbeamtin, die eine neue Bestätigung forderte, wäre die Finte nie ans Licht gekommen. Igor hoffte auf Gerechtigkeit, ja träumte sogar von einem tränenseligen Wiedersehen mit seiner Liebe auf vier Rädern.

Pustekuchen. Seit Jahren versucht Igor Gavrilov verzweifelt, von der Polizei eine einleuchtende Erklärung für das doppelte Verschwinden seines Wagens zu bekommen. Ohne Ergebnis. Alle Schreiben an die Ordnungshüter blieben ohne Erfolg. Obwohl der Name des Beamten, der den Wagen als „gefunden“ zurückmeldete, bekannt ist. Obwohl Igor die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat. Aber der Ermittlungseifer scheint sich in sehr engen Grenzen zu halten. Ein Polizist bot Igor an, gegen entsprechendes Bakschisch könne er sofort eine Bestätigung ausstellen, dass der Wagen einen Totalschaden hatte und verschrottet wurde. „Nur rückwirkend geht das nicht“, schränkte der korrupte Beamte ein – und Igor wäre auf seinen 1500 Dollar Steuerschulden sitzen geblieben.

Für Igor begann ein Dauerlauf durch die Instanzen. Dreimal war er beim Finanzamt und im Gericht, besorgte sich alle möglichen Bestätigungen. Erfolglos. Statt Gerechtigkeit bekam er eine Nachricht vom Gerichtsvollzieher: Der stellte jetzt sein neues Auto unter Arrest – wegen der nicht bezahlten Steuerschuld. Igor darf zwar bis auf weiteres mit seinem Wagen fahren – aber er kann ihn nicht verkaufen, und darf ihn auch nicht beim TÜV vorfahren, wenn die nächste Untersuchung fällig wird. Nach einem neuen Gesetz droht ihm jetzt sogar das Verbot, aus Russland auszureisen: Säumige Zahler können neuerdings an der Grenze aufgehalten werden. Doch die Konsequenz, die ich Igor seit Jahren nahelege (nicht nur aus steuerlichen und finanziellen, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen), will er trotz allem Ärger mit dem Auto um nichts in der Welt ziehen: Lieber verzichtet er auf Auslandsreisen und fährt zu Amtsstuben-Spießroutenläufen, als von den eigenen vier Rädern auf die U-Bahn umzusteigen. „Unter die Erde“, hält mir Igor fatalistisch entgegen, „bekommst Du mich erst, wenn ich tot bin“.

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