Kriminelle Afghanen dürfen bleiben – Armin Laschets Chancen sinken dramatisch Grünlackierte Union versetzt Kanzlerkandidatur von Armin Laschet den Todesstoß

Von Alexander Wallasch

Woran denkt ein Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet, hätte er in dieser heißen Phase des Wahlkampfs wider Erwarten ein paar Wochen Urlaub und würde aufs Meer hinausschauen mit seinen kleinen braunen Augen und durch seine rahmenlose Brille?

Naheliegend wäre, der liberal-verwaschene katholische Rheinländer könnte darüber melancholisch werden. Denn zu sehr gliche doch dieses einschläfernde Wogen dem wechselnden Auf und Ab der Parteien in Umfragen.

Gerade schien es noch so, als wäre es für Armin Laschet der bequemste Weg, weiter unsichtbar zu bleiben und die Kameras getrost Annalena Baerbock zu überlassen, der von der Plagiatsaffäre so angeschlagenen grünen Mitbewerberin, die sich unter einem übersteigerten Maß an Aufmerksamkeit langsam pulverisiert und die deshalb immer öfter Robert Habeck vorschickt.

Da passiert das Unglück, Laschets kleine aber ihm so komfortabel erscheinende Nussschale droht zu kentern. Es reichte eine zufällig dokumentierte Übersprungshandlung im Flutkrisengebiet, die Aufmerksamkeit hin zum untergetauchten Helden der Union zu drehen, der sich lachend und feixend hinterm Bundespräsidenten versteckte, während Frank-Walter Steinmeier gerade den Geschundenen sein Mitgefühl ausdrückte.

Ab diesem zufälligen Moment der Schwäche geht es bergab und das noch genau zum falschen Zeitpunkt: Nur noch wenige Tage, bis die Briefwahlunterlagen verschickt sind und die Union steckt knietief im Dilemma fest bei nur noch 23 Prozent Zuspruch, bei noch einmal drei Prozentpunkten weniger als noch vor einer Woche. Wie der Kasper aus der Box droht wieder Rot-Rot-Grün unter einer Kanzlerin Baerbock. Eigentlich ein Desaster für eine konservative Mehrheit in Deutschland.

Aber bleiben wir beim unsichtbaren Kandidaten Laschet. Der bekommt in der Union ausgerechnet von den einflussreichsten Stellen keine Unterstützung mehr: Die Bundeskanzlerin macht gar den Eindruck, als würde sie Armin Laschet nicht einmal mehr wahrnehmen. Es scheint nicht mehr ausgeschlossen, dass Angela Merkel im Stillen sogar Annalena Baerbock den Vorzug geben würde. Zur Laschet neutralisierenden Bundeskanzlerin gesellt sich zudem noch Markus Söder – der Bayer ist so etwas wie der Habeck der CSU. Söder steckt ebenso wie der grüne Habeck noch mittendrin in der Verarbeitung der verlorenen Bewerbung um seine Kanzlerkandidatur.

Söder allerdings hat deutlich mehr Probleme als Habeck, in die zweite Reihe zurückzutreten. Der bayrische Ministerpräsident dreht sich den Scheinwerfer auf der Ministerpräsidentenkonferenz fast mühelos aufs eigene Gesicht, die Tagesschau kommentiert anschließend über Söder versus Laschet: „Man muss Söder schon fast dankbar sein, dass er mit seinen Sticheleien gegen Laschet Schwung in den Wahlkampf bringt. (…) Armin Laschet ist – frei nach Markus Söder – wochenlang mit dem Schlafwagen durch die Republik getuckert.“ Ein Alptraum für die Union und vor allem für ihn, den unterlegenen Bewerber um die Kanzlerkandidatur – Markus Söder.

Die düsteren Engel der Corona-Apokalypse

Dass sich Kanzlerkandidat Armin Laschet irgendwie profilieren wollte in Richtung Absage eines vierten Lockdowns, ist schon vollständig untergegangen – Unterstützung bekam Laschets fader Fünf-Punkte-Plan nicht einmal aus den eigenen Reihen, Merkel und Söder gefielen sich viel besser in der dramatischen wie gewohnten Rolle der düsteren Engel der Corona-Apokalypse, als ihren Kanzlerkandidaten mit einem wie auch immer gearteten Signal der Hoffnung an die Wähler zu unterstützen.

Bevor wir nun endlich zur Absage der Abschiebungen von Kriminellen nach Afghanistan und damit zum nächsten Tritt in die Kniekehlen des Kanzlerkandidaten aus den eigenen Reihen kommen, vorab etwas Grundsätzliches:

Laschet mag nicht die erste Wahl gewesen sein. Aber es hat in der Union sicher schon deutlich abwegigere Kanzlerkandidaten gegeben als Armin Laschet. Was allerdings eine Zäsur darstellen dürfte, ist diese ganz offen präsentierte Ignoranz, die dem Kandidaten von den führenden Personen innerhalb der Unionsspitze entgegengebracht wird. Das geht so weit, dass man sich schon zweimal kratzen muss bei der Frage, wer eigentlich Parteichef der CDU ist.

Ja, Armin Laschet ist seit Januar 2021 der digital gewählte neunte Bundesvorsitzende der CDU und eben nicht mehr die glücklose Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Angela Merkels für die Grünen unschätzbar wertvoller Wahlkampfbeitrag 2021 besteht in der Neutralisierung jedweden christdemokratischen Hoffnungsträgers, bevor überhaupt erst in den eigenen Reihen jemand auf die Idee kommen könnte, es gäbe so etwas. Die Grünen zeigen mit dem Finger, Merkel legt an und drückt ab.

Armin Laschet mit dem Fünf-Punkte-Plan unterm Arm

Heute dann der zweite Einschlag für den gestern schon in der Ministerpräsidentenkonferenz von Söder und Merkel in die Seile gedrückten Armin Laschet – der kam dort mit seinem Fünf-Punkte-Plan unterm Arm an wie die verheimlichte Geliebte auf der Beerdigung des Ehemanns im engsten Familienkreis.

Heute dann noch die Absage von Abschiebungen nach Afghanistan, verkündet aus dem Innenministerium von Horst Seehofer. Nach Merkel und Söder also der dritte gewichtige Unionspolitiker, der Armin Laschet einen Dolch in den Rücken sticht.

Und bei Seehofer dürfen wir zusätzlich gewiss sein, dass Merkel dem apathischen Bayern das Messer führen musste, von allein kann der Bundesinnenminister nicht darauf gekommen sein. Denn als Seehofer zuletzt mal eine eigenständige Idee hatte, hagelte es sofort Ohrfeigen aus dem Kanzleramt, bis er sich das Aufmucken endgültig abgewöhnt hatte und einfach nur noch mit sich machen ließ. „Seehofer lenkt ein…“, „Seehofer knickt ein…“: Solche Schlagzeilen sind seitdem an der Tagesordnung.

Armin Laschet bekräftigte noch am 2. August in einem seltenen Akt von Profilierung, dass es weiterhin Abschiebungen nach Afghanistan mit ihm geben werde. Und das analog übrigens zur Haltung des österreichischen Bundeskanzlers.

Dabei wusste Laschet zunächst sogar Seehofer auf seiner Seite, wie ZDF-Online schrieb: „Nach Innenminister Seehofer plädiert auch CDU-Chef Armin Laschet dafür, Straftäter weiter nach Afghanistan abzuschieben. Kritik kommt von SPD-Chef Walter-Borjans, Grüne und Linke.“

Seehofers Dolch im Rücken von Laschet – geführt von der Bundeskanzlerin

Schon acht Tage später fährt der Dolch in den Rücken Laschets – Seehofer ist einfach still und leise vor einer gewichtigen Gruppe von Nichtregierungsorganisationen in der Abschiebungsfrage eingeknickt: „Zuvor hatten Amnesty International und zwei Dutzend weitere humanitäre Organisationen die Bundesregierung aufgefordert, die Abschiebepraxis wegen der sich ständig verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan zu beenden“, kommentiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Unterstützt wurden diese privaten linkspopulistischen NGOs zudem von einer Reihe von EU-Diplomaten.

Seehofer beugt sich dem Willen privater Organisationen und des grünen Wunschkoalitionspartners. Bezeichnenderweise kommentierten die Grünen die Afghanistan-Frage noch einen Tag vor Seehofers Einknicken folgendermaßen: „Weckruf für Armin Laschet – Abschiebungen nach Afghanistan sofort aussetzen“. Und so passierte es dann auch.

Was sagt Armin Laschet dazu? Seine letzte Mitteilung auf Twitter ist schon drei Tage alt. Da verkündete Laschet: „Ich will Deutschland zum ersten klimaneutralen Industrieland machen.“ Der Kanzlerkandidat der Union ist ein Grüner. Und er behauptete in seinem Tweet also, er könne Stroh zu Gold spinnen, so wie er vor einer Woche noch behauptete, kriminelle Afghanen würden ohne Wenn und Aber abgeschoben werden.

Aber wie lange soll das noch gut gehen? Bis zur Wahl wird immer deutlicher geworden sein, wen die Union da ins Rennen geschickt hat. Der grüne Söder wäre da übrigens ebenfalls auf dieselbe Weise unter die Räder gekommen, so sehr er jetzt auch dicke Backen macht und gegen den Kandidaten der Union intrigiert.

Die Werte der Union sind vollkommen pulverisiert und finden sich heute allenfalls noch bruchstückhaft bei einem Hans-Georg Maaßen oder in der verkrampften linken Gesichtshälfte der AfD. Dort allerdings werden sie sang- und klanglos untergehen, wie sie zuvor schon in der Union abgesoffen sind. Die Niederlage ist allumfassend und Armin Laschet weiß es natürlich auch schon längst. Immerhin: Er selbst trägt daran kaum Schuld, dafür ist er in dieser Kakophonie viel zu unbedeutend.

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: photocosmos1/Shutterstock
Text: wal
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