Für Tina aus der DDR gilt heute wieder: We are not afraid! "Ich war 16 Jahre alt und eine Punkerin in der DDR"

Von Alexander Wallasch

Heute fast auf den Tag genau vor 60 Jahren, verschwanden Millionen Deutsche in einer Diktatur hinter einer Mauer mit Schießbefehl. Erst im November 1989 fiel diese Mauer und die Menschen befreiten sich jedenfalls von diesen Fesseln.

Sommer 1989 in der DDR: Tina ist eine sechzehn Jahre alte Punkerin aus Leipzig. Schon bald wird nichts mehr so sein, wie zuvor.
Links oder Rechts? Für Tina gibt es nur Recht und Unrecht. Heute kommt es ihr manchmal so vor, als würde diese Corona-Situation genutzt, um die Gesellschaft komplett umzubauen. Und sie fürchtet, zu nichts Gutem. Tina vertraut weiter ihrem Bauchgefühl – ob das so eine Intuition ist, das kann sie gar nicht genau beschreiben: „Vielleicht haben wir Menschen ja alle so etwas, haben nur vergessen, darauf zu hören.“ Tina B. aus der DDR sang 1989 „We shall overcome some day“, um sich Mut zu machen. Sie singt es 2021 wieder. Alexander Wallasch trifft sie für Reitschuster.de, um zuzuhören und sich ihre Geschichte erzählen zu lassen.

 

„Meine Kindheit war etwas schwieriger aufgrund familiärer Probleme. Meine Kindergartenzeit in der DDR – damals hatte man das ja noch nicht so begriffen mit der Indoktrination – da muss ich rückblickend sagen, da bin ich sehr behütet aufgewachsen. Ich habe jetzt über das Internet meine ehemalige Kinderkrippenerzieherin wiedergetroffen. Die hatte über stayfriends mein Profil gefunden und mich angeschrieben und gefragt, ob ich da und dort gewohnt habe, ob mein Vater so und so ausgesehen hat – ich bin ja bei meinem Papa aufgewachsen. Meine Mutter ist abgehauen, als ich ein Jahr alt war, sie wollte ihr eigenes Leben leben. Mein Vater war von da an alleinerziehend.

Die Kinderkrippenerzieherin habe ich später auch mal besucht, nachdem wir uns wiedergefunden hatten, die wohnte zwischenzeitlich in Rheinland-Pfalz, ist aber jetzt wegen der Zustände in Deutschland nach Rumänien ausgewandert.

Aber zum Anfang: Aufgewachsen bin ich in Leipzig. Zum Ende der DDR hin war ich im Jugendwerkhof. Da habe ich so etwas Ähnliches wie Hauswirtschafterin für Arme machen müssen. Ich kam in diesen Jugendwerkhof, weil ich ein DDR-Punk war. Wenn ich mir meinen Vater heute so anhöre, dann war ich schon von Grund auf ein rebellisches Kind. Ich habe schon als Kind immer meinen Kopf nach unten gemacht, die Haare durchgewuschelt und gesagt: „Ich möchte eine Schüttelfrisur!“ (lacht)

Ich bin später für den Aufenthalt im Jugendwerkhof entschädigt worden, wegen DDR-Unrecht.

Durch die familiären Probleme ging ich Sommer 1989 nicht mehr nach Hause zurück. Ich hatte zwei Jobs, einen in einem Kino in Leipzig, die Chefin war eingeweiht, diesen Leuten bin ich bis heute sehr dankbar. Und ich hatte noch einen weiteren Job als Modell an der grafischen Kunsthochschule in Leipzig. Die hatten gerne Punks und so etwas. Ich war 16 Jahre alt.

Ich habe immer gedacht: Du bist in der DDR geboren, du wirst auch in der DDR sterben. Ich hätte eigentlich nie gedacht, dass so etwas wie eine Wende kommt. Es war ja alles so festgefahren. Dass es dann doch alles relativ schnell ging, das hat uns alle überrascht.

Verhaftet wurde ich im Kino und von dort in den Jugendwerkhof gebracht. Vorher war ich in Häusern, wo die Bewohner in den Westen abgehauen sind. Die haben ja ihr Hab und Gut in irgendwelchen Wohnungen zurückgelassen. Manche Leute haben da noch legal gewohnt, andere, wie wir, sind einfach in so ein Haus eingezogen. Die Leute waren ziemlich cool zu DDR-Zeiten, das hat niemanden gestört. Das kann man heute ja kaum noch nachvollziehen.

Eines Tages kam morgens in der früh der Blockwart vorbei. Wir waren ein paar verrückte Punks. Da kam dann also der Abschnittsbevollmächtigte, so hieß der korrekt, der kam vorbei und hat sich umgeschaut. Er sah, dass wir unsere Schränke aus Gemüsekisten gebaut hatten. Die hatten wir bei einem Gemüseladen ums Eck mitgehen lassen. Da mussten wir die Schränke wieder auseinanderbauen und die Kisten wieder zurück zum Gemüseladen schaffen.

Im Geschäft waren sie aber ganz nett. Die haben die Kisten erst einmal entgegengenommen. Und dann haben sie zu uns gesagt, kommt heute nach Feierabend wieder, dann könnt ihr euch die Kisten wieder abholen.

Für den Abschnittsbevollmächtigten war die Aufgabe erledigt, wo der mit uns und mit den Kisten da hingelaufen war. Aus der Wohnung mussten wir nicht raus. Die Kisten ja, aber alles andere blieb, wie es war. Das war alles im Sommer 1989.

Dann erlebte ich meine erste Montagsdemo. Das muss so Anfang des Jahres 1989 gewesen sein. An der Nikolaikirche standen auf einmal die Leute mit ihren Kerzen in der Hand. Das waren die, die raus wollten. „Wir wollen raus!“, haben die gerufen. Da habe ich auch gedacht, Alter, was ist denn hier los? Dann kam auch relativ bald die Polizei und ich bin schnell weg, da hatte ich Schiss. Außerdem hatte ich ja zunächst auch nichts damit zu tun.

Irgendwann wurde das dann bei diesen Montagsdemos in „Wir bleiben hier!“ gedreht. Es wurden immer mehr, jede Woche kamen welche dazu. Wir hatten gedacht, wir wollen doch gar nicht weg, wir wollen hierbleiben. Wir wollen doch hier etwas verändern.

Bei uns gab es Leute, die waren in Lohn und Brot und andere, die wurden gesucht oder haben einfach gar nichts gemacht. Man ist auch in der DDR damit durchgekommen. Da ist man einfach durch einen Zug, der gerade kam, durchgegangen und hat sich die leeren Flaschen alle rausgeholt von vorne bis hinten. Und dann hatte man seinen Tag verbringen können. Davon konnte man schon Essen und Trinken kaufen.

Es war auch so, dass man als Punk bei gewissen Leuten eine Sympathie hatte. Ich kann wirklich sagen, dass mir immer viele Leute geholfen haben. Bei den Künstlern beispielsweise, dieses Modellsitzen, das war auch aus reinem Zufall entstanden. Da waren wir wieder einfach in so ein Haus eingezogen, weil bei dem bisherigen Haus immer öfter die Bullen auftauchten. Und im neuen Haus, das wir uns ausgesucht hatten, wohnten auch Künstler. Die fragten einfach, wer wir denn seien und ob wir nicht runterkommen wollten, ein Glas Wein trinken. Dann tranken wir und sagten offen und ehrlich, was so los ist mit uns. Die meinten dann, sie könnten uns Jobs besorgen als Modelle an der Grafischen Kunsthochschule.

Ich hatte drei Künstler, denen bin ich bis heute dankbar, die hießen Jana, Johannes und Martin. Das waren übrigens die Studenten von diesem Typ, der auch das Gewandhausgemälde gemalt hatte.

Wir waren eigentlich immer auf der Straße. Diese Demos hatten sich in Mund-zu-Mund-Propaganda rumgesprochen. Dann war man einfach dabei. Ich kann mich an ein tolles Erlebnis erinnern, als wir einmal von der Nikolaikirche aus losliefen. Die Straßenbahnen und Autos konnten wegen der Menschenmassen nicht weiterfahren. Dann musste da auch ein Fahrzeug nah bei uns anhalten und da saß ein älterer Mann drin. Der stieg aus und wollte von mir wissen, was denn hier los sei. Dann haben wir ihm das erzählt, er hat sofort sein Auto abgeschlossen und ist mit uns mitmarschiert. Meine Freundin und ich, wir hatten diesen älteren Mann links und rechts einfach untergehakt. Der hat sich immer wieder bei uns bedankt.

(Tina muss hier eine emotionale Pause machen, wir sprechen einen Moment später weiter.)

Der Mann hat immer wieder zu uns gesagt: „Das ich so etwas erleben kann! Ich marschiere hier mit der Jugend mit.“ Er fand das ganz toll und hörte einfach nicht auf sich zu bedanken, die ganze Route entlang. Ich war 16 Jahre alt und war eine Punkerin in der DDR.

Dann kam die Wende. Ich wurde allerdings noch gesucht in der DDR. Ich hatte auch keinen Ausweis, der war noch bei meinen Eltern. Trotzdem wollte ich unbedingt in den Westen. Mein Kumpel, der mir diesen Kinojob besorgt hatte, der hatte einen Ausweis gefunden von einem anderen Mädchen. Man konnte sich – mit viel Fantasie – vorstellen, dass ich das vielleicht sein könnte. Und dann bin ich mit diesem falschen Ausweis immer hin und zurück – also wenn man überhaupt kontrolliert wurde. Der Name auf dem Ausweis lautete Eva-Maria Palm, Eva trug Brille und hatte einen Wuschelkopf. Sie hatte helle Augen, ich dunkle.

Dann waren wir also in Berlin und haben in Kreuzberg gleich nette Leute kennengelernt. Dort waren wir immer in Discos, die „Madhouse“ und „Extasy“ hießen, oder so ähnlich.

Zu dem Zeitpunkt fand ich das alles toll. Mir wurde es auch ziemlich einfach gemacht, weil ich immer nette Menschen kennengelernt habe. Die Eltern des Freundes, bei denen ich eine Weile wohnte, hatten dann aber zu viel Angst und den Ausweis irgendwann verbrannt.

Am 24. Januar 1990 bin ich zwangsweise in den Jugendwerkhof gekommen. Da wurde ich auf meiner Arbeit in Leipzig verhaftet. Ausgerechnet die Polizisten von der Transportpolizei, denn das Kino, in dem ich arbeitete, war ja im Hauptbahnhof. Diese Polizisten mussten sonst immer kommen, wenn wieder Randale war im Kino. In den letzten zwei Reihen saßen immer die Schwulen, dann waren auch viele Besoffene drin. Und wenn einer zu sehr über die Stränge geschlagen hat, dann hat man halt die Polizei gerufen, die die Leute rausgeholt hat. Und eine, die auch in dem Kino gearbeitet hat, die hat mich verpfiffen, die hat der Polizei gesagt: Hier, die da, die wird gesucht.

Wenn du wirklich kriminell warst in der DDR, dann hast du ein Verfahren gekriegt vor einem Jugendrichter und dann wurde über deine Strafe bestimmt. Mit den Jugendwerkhöfen, das lief völlig anders. Da hat schon eine Einweisung vom Jugendamt gereicht. Da gab es eigentlich keine gesetzlichen Grundlagen dafür, es wurde einfach gemacht mit den Minderjährigen. Leute von 14 bis 18 Jahren wurden da weggesperrt.

Im Sommer 1990 bin ich aus dem Jugendwerkhof abgehauen und in Berlin noch einmal untergetaucht, bis zum dritten Oktober.

Da war ja dann die Wiedervereinigung und dann galten die alten DDR-Gesetze nicht mehr. Und damit war ich dann sozusagen frei. Der Jugendwerkhof war schon deshalb schlimm für mich, weil ich ja nichts gemacht habe. Ich hatte da sehr oft auch Depressionen. Aber ich muss mal sagen, die ganzen Mädels, die dort waren, die haben einem schon viel Kraft gegeben. Zu einigen habe ich bis heute Kontakt. Die Haare wurden zum Glück nicht abgeschnitten, aber den Irokesen durfte ich nicht hochmachen, der musste seitlich hängen. Ich bin aber sicher: Wäre meine Einweisung noch vor der Grenzöffnung gewesen, dann hätte ich die Haare abschneiden müssen. Dadurch, dass das dann schon in dieser Zeit war, waren die lockerer.

Mit dem Vater meiner Tochter, der war Sänger einer Punk-Band, bin ich 1995 zusammengekommen, wir kannten uns aber schon etwas früher. Wir hatten uns bei einem Konzert in Erfurt kennengelernt und uns dann Briefe geschrieben. Ich war ja in der DDR geblieben, in Leipzig. Ich habe mir gar keine Gedanken darüber gemacht, ob die Grenze eventuell wieder geschlossen werden könnte. Wir haben immer alles so genommen, wie es eben kam. Ich glaube ich habe damals ziemlich in den Tag hineingelebt (lacht). Ich habe mir weder groß um die Vergangenheit, noch um die Zukunft einen Kopf gemacht.

Ich war in den späteren Jahren immer mal wieder politisch aktiv. Beispielsweise, wenn es um Kriege ging, da bin ich auf die Straße gegangen. War ich damals links? Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Für mich gab es immer nur Recht und Unrecht. Ich bilde mir sogar ein, ich hätte immer schon ein Gespür dafür gehabt, wenn etwas nicht korrekt läuft. Das bedingt wohl meine bisherige Lebensgeschichte. Als dann so Leute wie Angela Merkel an die Macht gekommen sind, da hatte ich Bauchschmerzen von Anfang an. Als ich das hörte mit der linientreuen FDJ-Sekretärin, wenn man das alles aus der DDR kennt – oh je, oh je. Und wenn man sieht, wo das alles hingeführt hat, da waren meine Bauchschmerzen nicht unbegründet.

Und dann fing das mit Corona an. Da sah man plötzlich Bilder aus China, da sind die Leute einfach auf der Straße umgekippt und waren tot. Das haben doch viele Menschen hier schon wieder vergessen, wie das eigentlich mal anfing, mit den Bildern aus der U-Bahn, aus Supermärkten, wie Horrorfilme! Aber wo sind später noch Leute einfach so umgekippt? Da musste man doch schon merken, dass da etwas nicht stimmt.

Wenn es diese Bilder hier gegeben hätte, die wären uns Tag und Nacht um die Ohren gedroschen worden. Nicht falsch verstehen, ich will dieses Virus nicht leugnen, das kann ich ja nicht. Das will ich auch nicht. Da weiß ich zu wenig.

Aber umgedreht, dass hier etwas nicht stimmt, das merkt man schon. Ich habe ein Bauchgefühl aus meiner DDR-Erfahrung, wenn etwas in die falsche Richtung geht. Das ist nicht nur meine eigene Geschichte, ich habe mit so vielen Leuten geredet und viele Geschichten angehört. Ich habe mir auch einmal Bautzen angeschaut. Da ist mir so schlecht geworden da drin, das kann man sich gar nicht vorstellen. Irgendwann mussten die mich direkt da rausschaffen, da hat sich mir alles gedreht. Keine Ahnung, wie man das nennt, ob das negative Energien waren in diesem Elend, das war so schlimm.

Und um das klarzustellen, ich stehe lieber mit beiden Beinen auf dem Boden und gucke mir die Realität an. Ich muss immer wieder an diese Bilder in China zurückdenken, das hat die Leute in die Angst gejagt. Auch diese ganzen Geschichten rund ums italienische Bergamo, die Särge und so. Wer da etwas mehr recherchiert hat, der bekam auf einmal mit, dass das doch etwas anders war als erzählt wurde, da erfuhr man, dass in Bergamo die Särge sich auch deshalb stauten, weil nicht verbrannt werden durfte oder irgendwas, also wurden die Särge erst einmal gesammelt. Das waren meine ersten Schlüsselmomente bezogen auf meine Einschätzung der Corona-Pandemie und der Maßnahmen.
Und was Verschwörungstheorien angeht: Leider muss man hier auch sagen, dass da schon mal die eine oder andere wahr geworden ist. Aber ich will da gar nicht sagen, was hier nun stimmt oder nicht stimmt. Ich will aber sagen, dass es mir so vorkommt, als würde diese Corona-Situation genutzt, um diese Gesellschaft komplett umzubauen. Und ich fürchte, zu nichts Gutem.

Natürlich hatte auch ich zuerst Angst vor dem Virus. Aber schon bei der ersten Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung war ich mit dabei. Das waren keine Querdenker, da will ich mich auch nicht dazuzählen. An denen ist sehr viel zu kritisieren, muss ich ehrlich sagen. Ich bin halt ein freier Mensch und habe mich nie irgendwo zugehörig gefühlt. Ich gehe für mich alleine auf Demonstrationen. Die Querdenker, das läuft mir teilweise zu undurchsichtig. Ich rede jetzt auch nicht von den kleineren Querdenken-Abspaltungen, die reißen sich ja alle den A… auf. Aber von da oben so, da ist einiges komisch, da reagiert mein Bauch sofort wieder. Da kann man mir vorwerfen, dass ich das besser in Worte fassen müsste, aber mein Instinkt meldet sich da sofort, dass die nicht alle echt sind.

Mein Bauchgefühl, ob das so eine Intuition ist, ich kann das gar nicht so beschreiben. Vielleicht haben wir Menschen ja so etwas und haben einfach vergessen, dadrauf zu hören im Laufe der Jahrhunderte. Wenn ich irgendetwas lese und ich merke oder denke, dass das nicht stimmt, da wird’s mir schlecht im Bauch und manchmal sogar so, als ob einem der Atem abklemmt. Und dann fühlt man sich auch immer ein bisschen hilflos, weil man denkt: Oh je … Und weil man ja auch nichts machen kann. Ich glaube von mir sagen zu können: Ich konnte schon immer fühlen, wenn etwas unrecht ist.

Im Moment allerdings kann ich gar nicht mehr so genau sagen, was echt ist und was wieder gelenkt ist. Aber das würde mich nie davon abhalten, weiter aufmerksam zu sein.

In der DDR hat man sich immer so machtlos gefühlt. Aber wir sind trotzdem auf die Straße gegangen. Und da gab es ja auch die Gerüchte, der Schießbefehl ist raus, aber trotzdem sind das nicht weniger Leute geworden. Wir haben uns da eingehängt, wir haben Friedenslieder gesungen, es wurde damals ganz viel – jetzt werde ich schon wieder emotional – gesungen. Da wurde die Internationale gesungen, da wurde das Friedenslied „We shall overcome“ gesungen – das ist ein ganz großes Lieblingslied von mir – so Friedenslieder halt. (Tina braucht hier wieder eine kurze Pause).

Wir waren in der DDR ziemlich einig damals, 1989, die erste Spaltung gab es aber schon wieder, als die einen sagten, sie wollten gleich BRD sein, schön angeleckert mit dem Begrüßungsgeld. Und die Leute waren so ungeduldig und wollten das sofort. Die haben dann auch alle CDU gewählt. Damit war das Chaos perfekt. Ich hätte mir gewünscht, dass das alles ein bisschen langsamer und geordneter geht.

Als noch nicht klar war, wo es mit den Demos langgehen wird in der der DDR, da haben sie zum Beispiel die Kampftruppen geholt. Das waren Leute aus den Betrieben, Arbeiter, die sich in diesen Gruppen engagiert haben. Die standen dann dort am Schwanensee in Leipzig herum mit ihren ganzen Autos, wir haben dann auch mit den Leuten geredet, auch mit einem der Führer dort von diesen Gruppen, und der hat zu uns ganz klipp und klar gesagt, dass die gar nicht gewusst hätten, was hier los ist. Die hatten halt den Auftrag hier hinzufahren, aber hätten sie gewusst, was los ist, wären sie gar nicht erst gekommen.

So was gab es also auch, das linientreue Leute gesagt haben, nein, auf Menschen draufschlagen oder so etwas, das machen wir nicht. Wenn ich heute auf Demonstrationen gehe und sehe auf manchen dieser Versammlungen nur wenige Leute, das macht mich traurig. Aber wie schon gesagt, ich gehe trotzdem, ich möchte später nicht dastehen und zu den Leuten gehören, wo dann wieder gesagt wird: Warum habt ihr nichts gemacht? Schon alleine deswegen. Ich komme aus so einer alten Kommunistenfamilie. Vielleicht ist da ja noch so ein bisschen was in mir.“

Dann müssen wir das sehr lange Gespräch abbrechen, Tina hat noch Termine. Sie will auf eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster.“

Bild: privat
Text: wal

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Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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