Wie Innenministerin Faeser zur Orwell’schen „BIG SISTER“ wird Sie will „Heimat“ umdeuten – Ziel: Transformation zu fluiden Identitäten

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus

Was ist der Unterschied zwischen dem „Ministerium für Wahrheit“ (schön zweideutig abgekürzt mit „MiniWahr“) in George Orwells Horrorutopie „1984“ und dem seit einem Halbjahr von Nancy Faeser (51, SPD) geführten „Bundesministerium für Inneres und Heimat“? Antwort: Es gibt keine, allenfalls graduelle Unterschiede.

Aber was ist überhaupt der Anlass für diesen Vergleich? Die „Bundesministerin des Innern und für Heimat“ (sic!) will den Begriff „Heimat“ umdeuten. „Positiv umdeuten“ – wie wenn dieser Begriff außer bei den ewig-morgigen Globalisten von links-ideologisch bis turbokapitalistisch jemals negativ besetzt gewesen wäre.

Wörtlich meinte Nancy Faeser via Twitter anlässlich einer Veranstaltung der ZEIT, dem großen ZEIT-Geist-Blatt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Sinne Faesers hatte die ZEIT übrigens schon vor geraumer Zeit geschrieben: «Der Begriff ‹Heimat› wird heute von vielen Deutschen als eine Chiffre für Ausgrenzung gebraucht; er fungiert als das scheinbar menschliche Gesicht von Alltagsrassismus und als Vorwand für völkische Überlegenheitsphantasien.» Der ZEIT-Autor empfahl damals, den Begriff unbedingt dem «rechten Rand» zu überlassen. Wenn man ihn übernehme, legitimiere man nur sein nationalsozialistisches und fremdenfeindliches Potenzial. Man leiste Schützenhilfe.

Das also ist des Pudels Kern: Nancy Faeser will als „BIG SISTER“ die Antifa-Exorzistin geben. Sie suggeriert, „Heimat“ stehe in Deutschland immer noch für eine Art Blut-und-Boden-Ideologie. Schier missionarisch sieht sich Faeser berufen, nun weiter an einer Entnazifizierung Deutschlands zu arbeiten.

„Positiv umdeuten“ will Faeser den Begriff „Heimat“ also. Allein mit diesem Ausdruck entscheidet die Ministerin quasi von der Kanzel herab, dass „Heimat“ negativ besetzt sei. Vermutlich als bäh-patriotisch, rechts, hinterwäldlerisch, fremdenfeindlich, xenophob, islamophob, transphob, homophob usw. Nein, „Heimat“ stehe „für eine offene, vielfältige Gesellschaft“, für „alle Menschen, egal, woher sie kommen, was sie glauben, wen sie lieben“, sagte Faeser unlängst dem „Spiegel“. Mit anderen Worten: weltweite Einheitlichkeit, one-world-Visionen, Grenzenlosigkeit, Wischi-Waschi-Identitäten. Ohne De-fini-tion, ohne „finis“ (lateinisch „finis = Grenze).

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Nancy Faeser gibt hier die „BIG SISTER“? Und damit zurück zum Vergleich mit Orwells „BIG BROTHER“: Wie kommen wir zu diesem Vergleich? Ganz einfach: In Orwells „BIG-BROTHER“-Regime werden die Menschen manipuliert durch ein stets aktualisiertes Wörterbuch der „Neusprache“. An diesem Verzeichnis bastelt der Sprachwissenschaftler Syme. Er sagt zur Hauptfigur des Romans, zu Winston Smith: „Wir geben der Neusprache ihren letzten Schliff… Wir merzen jeden Tag Worte aus… Siehst du denn nicht, dass die Neusprache kein anderes Ziel hat, als die Reichweite der Gedanken zu verkürzen?… Es ist lediglich eine Frage der Wirklichkeitskontrolle. …Die Revolution ist vollzogen, wenn die Sprache geschaffen ist… Es wird überhaupt kein Denken mehr geben… Strenggläubigkeit bedeutet: nicht mehr denken – nicht mehr zu denken brauchen. Strenggläubigkeit ist Unkenntnis.“

Noch Fragen? Aber was will Faeser wirklich? Sie will nationale und landsmannschaftliche Identitäten zertrümmern – während die Grün-links-Hyperliberalen fleißig LGBTIQ-„Identitätspolitik“ betreiben und diese vor allem von angeblich rund sechzig verschiedenen „sexualen Identitäten“ herleiten. Man erinnere sich, dass dieselbe Nancy Faeser das Hissen der Regenbogenflagge an Dienstgebäuden des Bundes erlaubte und solches soeben am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit, vor ihrem Innenministerium selbst in die Hand nahm. (LGBTIQ = lesbisch, gay/schwul, bisexuell, transsexuell, intersexuell, queer).

Ist es ein Irrlichtern der Nancy Faeser? Nein, es ist Strategie! Die bekennende Antifaschistin Faeser will umerziehen. Zusammen mit ihrer „grünen“ Kabinettskollegin und Familienministerin Lisa Paus feilt sie an einem „Demokratiefördergesetz“ zu einer intensiveren „Demokratieerziehung“ – und zwar von der Kita an. Alles unter dem verfänglichen Begriff einer „engagierten Zivilgesellschaft“, die komplett inkl. Medien, Bildungseinrichtungen und politisch korrekten, staatlich gut alimentierten NGOs den deutschen Michel auf „woke“ trimmen soll: im „Kampf gegen rechts“, im „Kampf gegen den Klimawandel“, im „Kampf für Vielfalt“, im Kampf für “Diversität“ usw. Vulgo: Im Kampf des deutschen Michels gegen sich selbst!

Identitäten sollen zertrümmert werden. Der Mensch soll orientierungslos und damit leicht manipulierbar werden. Er soll die anthropologisch entscheidenden Quellen, aus denen er Identität schöpft, versiegen lassen. Erstens, dass der junge Mensch seine Identität zunächst in der Familie erfährt. Aber auch Familie ist ja „out“, schließlich hat Karl Marx die Familie als Hort des Widerstandes gegen staatliche Zugriffe abqualifiziert. Zweitens, dass der Mensch seine Identität in der „peer group“ ausdifferenziert. Aber diese „peer group“ soll ja möglichst multi-divers sein. Drittens, dass der Mensch seine Identität eben aus dem sozialen und geographischen Nahraum, der „Heimat“, schöpft. Das ist laut Faeser “out“. Viertens, dass der Mensch seine Identität aus seiner ethnischen, nationalen Zugehörigkeit schöpft. Pfui, wie nationalistisch! Fünftens dann, dass der Mensch sich mit Europa oder gar der ganzen Menschheit identifiziert. Das sind die fünf konzentrischen Kreise, aus denen sich Identität im Laufe einer Biographie der Reihe nach entwickelt. Die Faesers und Co. wollen die Identitätsquellen von Nummer 1 bis 4 zertrümmern, auf dass der Mensch seine möglichst fluide Identität aus der „woken“ Staatsräson von – im wahrsten Sinn des Wortes – regierenden Hardcore-Ideologen übernimmt.

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Josef Kraus (*1949), Oberstudiendirektor a.D., Dipl.-Psychologe, 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 1991 bis 2013 Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (2009), Träger des Deutschen Sprachpreises 2018; Buchautor, Publizist; Buchtitel u.a. „Helikoptereltern“ (2013, auf der Spiegel-Bestsellerliste), „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ (2017), „Sternstunden deutscher Sprache“ (2018; herausgegeben zusammen mit Walter Krämer), „50 Jahre Umerziehung – Die 68 und ihre Hinterlassenschaften“ (2018), „Nicht einmal bedingt abwehrbereit – Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine“ (2019, zusammen mit Richard Drexl)

Bild: Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons
Text: Gast

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