ARD-Chef: „Die Menschen lieben, was wir tun“ Öffentlich-rechtlicher Größenwahn

In der US-Serie „Raumschiff Enterprise“ gibt es eine Folge, in der Kapitän Kirk, der Erste Offizier Spock und die gesamte Mannschaft in ein Parallel-Universum katapultiert werden, in dem alles umgekehrt ist. An diese Geschichte musste ich denken, als ich das Interview des ARD-Vorsitzenden und WDR-Intendanten Tom Buhrow im Kölner Stadt-Anzeiger gelesen habe. Was der Chef der zweitgrößten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt (nach dem ZDF) da von sich gab, widerspricht meiner persönlichen Wahrnehmung derart, dass ich es mir nur damit erklären kann, dass wir in Parallel-Universen leben. Oder zumindest in dem, was man neudeutsch Blase nennt. So sehr ich mich hüte, für meine eigene Wahrnehmung in Anspruch zu nehmen, dass sie die „Wahrheit“ ist, so frappierend ist hier die Diskrepanz. Aber urteilen Sie bitte selbst:

Buhrow lobt die Corona-Berichterstattung der deutschen Medien in höchsten Tönen. Zitat: „Bei aller Kritik, die man im Detail rückwirkend in manchen Phasen äußern kann, haben die deutschen Qualitätsmedien insgesamt vorbildlich berichtet.“ Weiter sagt er: „Wir sehen es ja auch daran, dass der Zuspruch enorm gewachsen ist. Ich glaube, dass wir in Deutschland deshalb besser und ohne allzu große Polarisierung durch diese Krise gekommen sind, als das in anderen Demokratien zu beobachten war.“

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Aber ich spüre eine Polarisierung in unserer Gesellschaft, wie ich sie vorher noch nie erlebt habe. Eine Polarisierung, die an die Schmerzgrenze geht. Die Familien durchschneidet, Freundschaften, Nachbarschaften, Belegschaften. Einen Graben, so tief, so breit, wie ich ihn mir bisher nicht vorstellen konnte bei uns. Und der Chef der ARD stellt sich hin und sagt, mit seiner Arbeit sei man „ohne allzu große Polarisierung durch diese Krise gekommen“?

Auch wenn es polemisch klingen mag: Aber ich kann keine andere Erklärung finden, als dass entweder Buhrow den Bezug zur Realität verloren hat – oder ich. Es müssen wirklich parallele Universen sein. In meinen Augen haben die öffentlich-rechtlichen Sender einen großen Anteil daran, dass die Gesellschaft so stark polarisiert ist. Dadurch, dass sie etwa kritische Stimmen zu Corona absichtlich gar nicht zu Wort kommen lassen (wie etwa SWR-Intendant Kai Gniffke ganz offen sagt), dass sie diese lange verleumdeten, etwa als Corona-Leugner, dass sie massiv manipulieren bei Berichterstattung über Demonstration und Todeszahlen. Die Liste der Beispiele ist so lang, dass sie hier zu weit führen würde. Unten ein paar Beispiele als Links auf frühere Artikel auf meiner Seite.

Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Systems, die wir alle finanzieren müssen, attackieren öffentlich freie Kollegen wie mich – und ducken sich dann weg, sobald man sie zum Dialog auffordert. Auf meine offenen Briefe an SWR-Chef Gniffke, an Monitor-Chef Restle und an ZDF-Korrespondentin Diekmann kam nie eine Antwort – obwohl sie allesamt Reaktionen auf Angriffe gegen mich sind. Attackieren und dann den Dialog zu verweigern, ist in meinen Augen schäbig und feige.

Buhrow und Co. sind in meinen Augen Opfer von Selbstbetrug. In selbst in Auftrag gegebenen Umfragen lassen sie sich feiern und sich selbst bestätigen, wie gut sie sind. Lässt man unabhängige Umfragen in Auftrag geben, wie ich das beim Institut INSA gemacht habe, bleibt von der Selbstbeweihräucherung der Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr viel übrig – sie fallen in sich zusammen wie ein aufgeblasener Elefant, dem man die Luft ablässt:

Besonders pikant ist, wie Buhrow Selbstkritik vorspielt – nur, um genau diese zu umgehen. Natürlich frage man sich auch manchmal selbstkritisch, ob man immer alles richtig gemacht habe, sagte der WDR-Chef in seinem Interview: „Aber wir müssen uns insgesamt nicht zu sehr in Zerknirschung üben, was die erste Phase vor einem Jahr anging. Weil wir da nur den Kenntnisstand hatten, den wir eben hatten. Wir waren ja nicht unkritisch.“ Und weiter: „Alles in allem haben wir uns während der Pandemie in den Dienst der Bürgerinnen und Bürger gestellt.“

Dafür ist das Freund-Feind-Denken bei dem Anstaltsleiter sehr klar und schwarz-weiß: Kritiker des Systems sind „rechte Populisten, die gegen das demokratische Gemeinwesen“ sind. Zitat: „Beispiele aus Ländern wie der Schweiz oder Ungarn zeigen, dass rechte Populisten immer zuerst gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Felde ziehen. Danach nehmen sie die Parlamente und die Justiz ins Visier. Es geht ihnen in der Konsequenz um alle Institutionen unseres demokratischen Gemeinwesens“. Wie einfach doch die Welt ist! Wer Buhrow und Co. kritisiert, ist ein Demokratiefeind.

Besonders erschütternd fand ich einen Satz in dem Interview, bei dem allen Leserinnen und Lesern aus der früheren DDR sofort Erinnerungen an die Geschichte in den Sinn kommen werden: „Die Menschen lieben, was wir tun und was wir bieten“, sagte Buhrow. Ich musste das zweimal lesen, um es wirklich zu glauben. So sehr ich mir jede Assoziation verbiete, ich kam nicht umhin, da sofort an Erich Mielke zu denken, der nach dem Zusammenbruch der DDR-Diktatur in der Volkskammer erklärte: „Ich liebe – ich liebe doch alle – alle Menschen!“ Ein Vergleich verbietet sich schon deshalb, weil Mielke ja nicht sagte, alle Menschen würden ihn lieben, sondern umgekehrt.

Verärgert zeigte sich Buhrow, dass trotz aller Liebe die Menschen gleichzeitig verlangten, die Sender müssten sich verschlanken.

Auch wenn es bitter ist – das Interview zeigt: Die Öffentlich-Rechtlichen haben fertig. In einem so späten Stadium ist Realitätsverlust in Tateinheit mit Größenwahn in meinen Augen irreversibel.

Ich hoffe sehr, dass ich zu strikt bin in meinem Urteil, zumal ich per se ein großer Anhänger der öffentlich-rechtlichen Idee bin. Nur nicht der Perversion, in die diese verwandelt wurde von Leuten wie Buhrow. Ich lasse mich gerne von guten Argumenten in den Kommentaren vom Gegenteil überzeugen. Aber bis dahin bleibe ich bei meiner Meinung.

Wenn die Menschen Sie so lieben, Herr Buhrow – dann können Sie doch auf Gebühren verzichten! Dann sind die Menschen sicher bereit, Sie freiwillig zu finanzieren. Denn wenn man ein Medium liebt, unterstützt man es auch ohne Zwang.


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Bild: Iryna Kuznetsova/Shutterstock
Text: br


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