Umerziehung am Grill: Fleischverbot beim Würzburger Hafensommer Stadt will bis 2030 klimaneutral werden

Von Kai Rebmann

Für die Würzburger geht es nicht mehr nur um die Wurst, sondern gleich um den ganzen Grill. Erstmals in seiner Geschichte soll es auf dem Hafensommer, einem seit dem Jahr 2007 etablierten Festival, ein Fleischverbot geben, auch wenn der Veranstalter dieses Wort nicht gerne hört. Von einem Fleischverbot könne keine Rede sein, heißt es aus dem Kulturreferat der Stadt, denn anderswo in Würzburg würde es ja weiterhin Fleisch geben. Die Beschränkung des Speiseplans auf ausschließlich vegetarisches Essen bezeichnet Achim Könneke seiner ganz eigenen Logik folgend als „das Gegenteil von Umerziehung.“ Man greife lediglich die Trends der Besucher auf und verstärke diese, wie der Kulturreferent im „Merkur“ beteuert.

Und tatsächlich: Der Blick auf das Vorjahr scheint die Argumentation aus dem Rathaus zu bestätigen. Beim Hafensommer 2022 sei die Nachfrage nach vegetarischen Gerichten unter den rund 10.000 Besuchern höher gewesen. Höher als wann oder was? Da diese nicht unwichtige Vergleichsangabe leider fehlt, lässt sich nur mutmaßen, dass sich der Veranstalter dabei auf den Hafensommer 2019 bezieht, als das Festival vor der Corona-Pause letztmals stattgefunden hatte – damals noch mit „normalem“, sprich breit gefächertem gastronomischem Angebot.

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Was das Kulturreferat allerdings verschweigt: Schon im vergangenen Jahr gab es im Alten Hafen kein Fleisch mehr, dafür aber immerhin noch Fisch. Wen sollte es also ernsthaft verwundern, wenn deshalb – und vor allem ganz zwangsläufig – die Nachfrage nach vegetarischen Gerichten angestiegen ist? Wo Fleisch und Wurst nicht angeboten werden, kann natürlich auch nichts dergleichen nachgefragt werden. Hier wird in der Argumentation also ganz offensichtlich plumpe Bauernfängerei betrieben.

Betonung auf den Charakter als ‚Musik-Festival‘

Dieses Jahr soll es jetzt aber auch keinen Fisch mehr geben. Im kommenden Jahr können die Veranstalter des Hafensommers in Würzburg dann mit Fug und Recht behaupten, dass auf ihrem Festival 100 Prozent vegetarisches Essen nachgefragt worden sei – und man deshalb auch in Zukunft dabei bleibe.

Beim Hafensommer handelt es sich übrigens nicht um ein Volksfest, wie manch einer vielleicht anzunehmen geneigt ist, und auch nicht um irgendein Festival – sondern um ein „Musik“-Festival. Auf diese Betonung scheint Sophia Kippes besonderen Wert zu legen, denn die PR-Chefin des Kulturreferats wiederholt sie in wenigen Sätzen gleich fünfmal. Das klingt dann zum Beispiel so: „Der Hafensommer ist ein Musik-Festival. Es geht vor allem um musikalische Erlebnisse. Es ist kein Volksfest oder kulinarisches Festival, Musik steht im Vordergrund.“

Umso mehr stellt sich dann die Frage, warum es dem Veranstalter – wenn es doch ein reines Musik-Festival sein soll – so wichtig war, den Speiseplan zu ändern bzw. auf vegetarische Gerichte zu begrenzen. Am Ende muss Kippes gegenüber dem Portal „inFranken.de“ dann doch noch einräumen: „Mit diesem Schritt wollen wir ein Zeichen setzen. Wir möchten damit aber niemanden bevormunden.“ Es scheint beim Hafensommer 2023 in Würzburg anscheinend doch nicht ausschließlich die Musik im Vordergrund zu stehen.

Stadt will bis 2030 klimaneutral sein

Ob es die Verantwortlichen wollten oder nicht, das Festival am Main ist längst zum Politikum geworden. Inzwischen hat sich auch Wolfgang Roth, der Chef der Würzburger CSU-Fraktion, in die Diskussion eingeschaltet und fragt im BR: „Wo soll das Ganze aufhören? Wir haben jetzt den Hafensommer, wo es nur noch vegetarische Ernährung gibt. Machen wir dann in der Kantine weiter, im Rathaus? Gibt es auf der Kiliani dann auch nur noch vegetarische Ernährung?“

Es ist wohl in der Tat kein Zufall, dass das Fleischverbot jetzt ausgerechnet auf einem Festival in Würzburg salonfähig gemacht werden soll. Immerhin hat sich die Stadt ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2030 soll Klimaneutralität erreicht werden. Und auf dem Weg dorthin scheint den Verantwortlichen im Rathaus jedes Mittel recht zu sein. Selbst die Bevormundung beim Essen, auch wenn man sie ausdrücklich nicht als solche verstanden wissen will.

Dabei könnte der Hafensommer 2023 ein so schönes Volksfest und Musik-Festival sein – beide Bezeichnungen schließen sich ja nicht per se aus – wenn, ja wenn, tatsächlich nur die Musik im Vordergrund stehen würde.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

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